Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

BfArM: Statine erhöhen Diabetesrisiko

Dienstag, 11. September 2012

Bonn – Die Fachinformationen aller Cholesterinsenker aus der Gruppe der Statine müssen künftig auf das „Risiko einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels und der Entstehung einer Blutzuckererkrankung (Diabetes mellitus) als möglichem Klasseneffekt“ hinweisen. Dies hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) verfügt. Es setzt eine Empfehlung der Pharmakovigilanz-Arbeitsgruppe (PhVWP) an der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) um.

Das erhöhte Diabetesrisiko war zunächst in der sogenannten JUPITER-Studie aufgefallen, die die primärpräventive Wirkung von Rosuvastatin bei Patienten mit erhöhtem C-reaktivem Protein (aber normalem Cholesterin) untersucht hatte. Die Ärzte hatten bei den mit dem Statin behandelten Patienten zu 27 Prozent häufiger einen Typ 2-Diabetes neu diagnostiziert als im Placebo-Arm (NEJM 2008; 359: 2195-2207). Zuvor hatte hoch-dosiertes Atorvastin in der PROVE-IT TIMI 22-Studie die Blutzuckereinstellung verschlechtert (Circulation 2004; 110 Suppl I: S834).

Bei ihren Recherchen hatte die US-amerikanische Arzneibehörde FDA dann Hinweise gefunden, die auf einen Klasseneffekt der Statine hindeuten: Eine Meta-Analyse von 13 Studien ermittelte ein um 9 Prozent erhöhtes Risiko (Lancet 2010; 375: 735-742), in einer anderen Meta-Analyse war das Risiko um 13 Prozent erhöht (Diabetes Care 2009; 32: 1924-1929). Kürzlich kam dann eine Auswertung der Women’s Health Initiative zum Ergebnis, dass postmonopausale Frauen unter einer Statintherapie häufiger neu an einem Typ 2-Diabetes erkranken (Archives of Internal Medicine 2012; 172: 144-152).

Die FDA veröffentlichte im Februar eine Drug Safety Communication Später griff die EMA das Thema auf. Das Ergebnis ist die jetzt verfügte Änderung der Fachinformation. Alle Kontrollbehörden sind sich darin einig, dass das Diabetesrisiko durch die positive präventive Wirkung von Statinen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen mehr als aufgewogen wird und kein Anlass für den Abbruch der Statinbehandlung besteht.

In Übereinstimmung mit nationalen Richtlinien sollten Risikopatienten (Nüchternblutzucker von 5,6 bis 6,9 mmol/l, BMI > 30kg/m2, erhöhte Triglyzeridwerte, Hypertonie) sowohl klinisch als auch in Bezug auf die relevanten Laborwerte überwacht werden, empfiehlt das BfARM. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

13.10.17
Ernährung: Linolsäure aus pflanzlichen Ölen könnte Typ-2-Diabetes vorbeugen
Sydney – Eine Diät mit einem hohen Gehalt an Linolsäure, die als Omega-6-Fettsäure vor allem in pflanzlichen Ölen enthalten ist, könnte vor einem Typ-2-Diabetes schützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine......
11.10.17
Diabetes: Barrierefreie medizintechnische Hilfsmittel offenbar Mangelware
Berlin – Auf Schäden, die eine Zuckererkrankung in der Netzhaut auslösen kann, hat diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe anlässlich der Aktionstage „Welttag des Sehens“ am 12. Oktober und dem „Tag des......
10.10.17
Insulinpumpen vermindern Hypoglykämien und Ketoazidosen bei jugendlichen Typ 1-Diabetikern
Aachen – Insulinpumpen, die in Deutschland fast jedem zweiten jüngeren Patienten mit Typ 1-Diabetes verordnet werden, können das Risiko von schweren Hypoglykämien und Ketoazidosen senken. Dies zeigen......
25.09.17
Kontinuierliche Glukosemessung vermindert Schwangerschafts­komplikationen bei Typ-1-Diabetike­rinnen
Toronto – Eine kontinuierliche Blutzuckermessung bei Müttern, die an einem Typ-1-Diabetes leiden, könnte die Zahl der Komplikationen bei Neugeborenen wesentlich senken. In The Lancet berichten......
22.09.17
Adipositas: Magenbypass senkt Körpergewicht langfristig und vermeidet Typ 2-Diabetes
Salt Lake City – Ein Roux-en-Y-Magenbypass kann langfristig den Body-Mass-Index senken. In einer prospektiven Beobachtungsstudie konnten die Teilnehmer auch nach 12 Jahren ihr reduziertes......
21.09.17
Hyperbare Sauerstofftherapie künftig ambulant möglich
Berlin – Patienten mit schwerem diabetischen Fußsyndrom können künftig auch ambulant mit der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) behandelt werden. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat heute diese......
19.09.17
Diabetes: Vernunftappelle gescheitert – jetzt ist der Gesetzgeber gefragt
Berlin – Kurz vor der Bundestagswahl richtet sich die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) mit einer Reihe Forderungen an die künftige Bundesregierung. Unter dem Titel „Politik und Diabetes: jetzt......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige