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Mehr als 2.000 Apotheken in Baden-Württemberg im Warnstreik

Mittwoch, 12. September 2012

dpa

Stuttgart – Im Streit um höhere Honorare haben Apotheker in Baden-Württemberg und zwei weiteren Bundesländern den Druck auf die Bundesregierung erhöht. Am Mittwoch traten rund 2.150 Apotheken im Südwesten in den Warnstreik, wie eine Sprecherin des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg (LAV) in Stuttgart sagte. Etwa 80 Prozent der 2.700 Apotheken im Land hätten sich an der Protestaktion beteiligt. Damit habe es so viele Teilnehmer gegeben wie erwartet.

In zahlreichen Apotheken im Land wurden die Kunden nur über die Notdienstklappe bedient. Davon könnten bis zu 400.000 Menschen betroffen gewesen sein, sagte der Leiter Kommunikation des LAV, Frank Eickmann. An vielen Apotheken mussten Kunden längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Warnstreiks gab es am Mittwoch auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland. In den drei Ländern waren mehr als 4.000 Apotheken zum Warnstreik aufgerufen.

Zunächst keine weiteren Warnstreiks im Südwesten geplant
Bis zu einer endgültigen Entscheidung über die Honorarerhöhung durch die Bundesregierung soll es in Baden-Württemberg keine weiteren Warnstreiks geben. Der LAV kündigte aber an, dass der Kampf für höhere Honorare fortgesetzt werden könnte, wenn durch die Entscheidung der Betrieb von Apotheken nicht gewährleistet sein sollte. Am Donnerstag soll es weitere Gespräche zwischen der Bundesspitze der Apotheker und dem Bundeswirtschaftsministerium geben. Bereits in der vergangenen Woche waren Apotheker in zwei Regionen im Südwesten zeitweise in den Warnstreik getreten.

Zentrale Forderung der Apotheker ist eine Erhöhung der Honorare für verschreibungspflichtige Medikamente. Seit 2004 erhalten Apotheken pro verordnetem Arzneimittel ein festes Honorar von 8,10 Euro. Zudem bekommen sie drei Prozent vom Einkaufswert. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände fordert für die bundesweit etwa 21.300 selbstständigen Apotheker nun eine Honorarerhöhung von rund einem Euro pro verordnetem Medikament auf 9,14 Euro. Der Bund sieht bislang eine Steigerung um 25 Cent ab 1. Januar 2013 vor.

Aus Sicht der Apotheker ist das nicht akzeptabel. Sie begründen ihre Forderungen damit, dass Kosten für Betrieb und Personal seit 2001 um rund 700 Millionen Euro gestiegen seien. Zeitgleich hätten gesetzliche Krankenkassen aber nur rund 200 Millionen Euro mehr für Apothekerhonorare ausgegeben. Dem LAV zufolge ist die Zahl der verkauften verschreibungspflichtigen Medikamente seit Jahren steigend. 2011 wurden rund 681,8 Millionen Packungen verordneter Arzneimittel verkauft, 2004 waren es rund 610 Millionen. Das bedeute mehr Aufwand und brauche mehr Personal, hieß es.

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LAV beklagte fehlende Planungssicherheit
Der LAV-Vizepräsident Wolf Kümmel sagte, es gebe kaum noch finanzielle Planungssicherheit und Spielräume für Investitionen. „Jetzt ist der Punkt erreicht, wo viele Apotheken mit dem Rücken zur Wand stehen“, betonte der Stuttgarter Apotheker. Wenn Menschen weiterhin wohnortnah und flächendeckend versorgt werden sollen, müsse die Honorierung der Leistung sichergestellt werden, sagte Kümmel.

Der LAV warnte zugleich vor einem Apothekensterben in Deutschland. Jeden Tag müsse in der Bundesrepublik eine Apotheke schließen. So habe es etwa in Stuttgart im Jahr 2004 noch 172 Apotheken gegeben, jetzt seien es 130, sagte Eickmann.

Die B 52-Verbändekooperation Baden-Württemberg sprach erneut von einem falschen Signal der Apotheker. Es dürfe nicht sein, dass die Forderungen auf dem Rücken der Patienten ausgetragen würden. Vielmehr müssten die Apotheken gemeinsam mit allen anderen Akteuren im Land dafür Sorge tragen, dass das Gesundheitswesen gut und reibungslos funktioniere, forderte die Verbändekooperation, zu der die Betriebs- und Innungskrankenkassen, die Knappschaft sowie die Ersatzkassen in Baden-Württemberg gehören. © hil/aerzteblatt.de

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