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Medizin

Schwangerschaft als Sterberisiko bei Herzkrankheiten

Mittwoch, 12. September 2012

dapd

Norwich – Jede Schwangerschaft bedeutet für das Herz eine Mehrbelastung. Kardiale Todesfälle sind jedoch auch bei Schwangeren mit Herzkrankheiten selten. Dies ergab eine Auswertung eines Patientenregisters der European Society of Cardiology im European Heart Journal (2012; doi: 10.1093/eurheartj/ehs270).

Während der Schwangerschaft steigt die Herzleistung um 50 Prozent an. Frauen mit vorgeschädigtem Herzen können dann an ihre kardialen Grenzen geraten. Bei einer Herzinsuffizienz wären Leben von Mutter und Kind gefährdet. Dies scheint, zumindest in Europa, nicht häufig vorzukommen. Todesfälle waren unter den 1.321 Patientinnen, die das European Registry on Pregnancy and Heart Disease seit 2007 zusammengetragen hat, selten: Roger Hall von der Norwich Medical School gibt die Müttersterblichkeit der Kohorte mit einem Prozent an.

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Das ist sicherlich höher als in der Allgemeinbevölkerung, wo die die Müttersterblichkeit nur 0,007 Prozent beträgt. Bei einem starken Kinderwunsch könnte es absolut gesehen ein kalkulierbares Risiko sein. Eine Ausnahme bildet die Kardiomyopathie. Hier lag die die Müttersterblichkeit bei 2,4 Prozent.

Die meisten Todesfälle traten in den Entwicklungsländern auf, wo die Müttersterblichkeit 3,9 Prozent betrug, gegenüber 0,6 Prozent in den Industriestaaten. Der Unterschied kann jedoch nicht einfach auf die bessere kardiologische Betreuung in den reicheren Ländern zurückgeführt werden, glaubt Hall. Kulturelle Fraktoren würden ebenfalls eine Rolle spielen. In Ländern wie Ägypten, wo die Kinderlosigkeit ein gesellschaftliches Makel ist, würden Frauen wahrscheinlich höhere Risiken eingehen als in Europa.

Auch für das Kind bedeutet die Herzkrankheit der Mutter ein zusätzliches Risiko: Totgeburten waren mit 1,7 Prozent fünfmal so häufig wie normalerweise (0,35 Prozent), und auch die Sterblichkeit der Neugeborenen im ersten Lebensmonat war mit 0,64 Prozent gegenüber 0,4 Prozent erhöht.

Da die Studie kaum alle Schwangeren mit Herzkrankheiten umfasst, müssen die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden. Empfehlungen für oder gegen eine Schwangerschaft bei Herzkrankheiten lassen sich nicht aus den Ergebnissen ableiten. Die European Society of Cardiology hofft allerdings auf neue Erkenntnisse zur besseren Betreuung von herzkranken Frauen in der Schwangerschaft. © rme/aerzteblatt.de

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