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Ärzteschaft

Immer mehr demente Patienten in deutschen Krankenhäusern

Donnerstag, 13. September 2012

Bonn – Krankenhäuser in Deutschland müssen sich nach Meinung von Ärzten und Wissenschaftlern stärker auf die alternde Gesellschaft und die zunehmende Zahl von Demenzpatienten einstellen. Ab 2020 werde jeder fünfte Krankenhauspatient unter einer Demenz leiden, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), Werner Hofmann, am Donnerstag in Bonn.

Auf manchen Stationen für Innere Medizin oder Chirurgie liege der Anteil der Demenzerkrankten schon heute bei 40 Prozent, erläuterte er am Rande eines wissenschaftlichen Kongresses zur Altersmedizin. „Aber die Akutkrankenhäuser sind bisher auf die Behandlung und Pflege von Demenzkranken nicht eingestellt. Sie müssen dringend alters- und demenzfreundlicher gestaltet werden.“

Ältere Patienten sollten grundsätzlich bei der Aufnahme ins Krankenhaus auf Demenzerkrankungen überprüft werden, sagte Hofmann. Dazu sollten neben einfachen Tests auch die Angehörigen befragt werden. Notwendig sei auch eine Schulung von Ärzten und Pflegekräften.

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Nach Darstellung des Mediziners kommen nur rund sechs Prozent der Patienten primär wegen ihrer Demenz in die Klinik. Die meisten müssten wegen anderer Erkrankungen in stationäre Behandlung, zum Beispiel wegen eines Oberschenkelhalsbruches, einer Infektion oder wegen Herzinfarkts.

Der DGG-Präsident sprach sich zudem für die Einrichtung besonders geschützter Bereiche für Demenzpatienten in den Krankenhäusern aus.  Sie müssten durch besondere Orientierungshilfen, Licht- und Farbkonzepte und wohnliche Bereiche gekennzeichnet sein. Nach Darstellung des Mediziners haben bundesweit rund 20 Kliniken derzeit sogar eigene Stationen mit insgesamt 220 Betten für Demenzkranke eingerichtet. Sie zeichneten sich auch durch Bewegungsmöglichkeiten für die Patienten, spezielle Alarmsysteme oder Besuchsdienste von Ehrenamtlichen aus.

Hofmann bezeichnete die Krankenhäuser als „denkbar schlechtesten Aufenthaltsort für Demenzkranke“. Die Patienten reagierten auf „die fremde Umgebung, die Hektik der Notaufnahme, den gedrängten Zeitplan, auf das Blutabnehmen und andere unangenehme Untersuchungen häufig mit Angst, Unruhe und Wutausbrüchen“. Ärzte und Pflegekräfte in den Kliniken seien damit oft überfordert. „Die Notaufnahme wird aufgemischt.“ © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #647195
orangencreme
am Donnerstag, 13. September 2012, 21:33

Das wenigste in der Medizin wie im Leben allgemein sollte grundsätzlich und immer gemacht werden.

"Ältere Patienten sollten grundsätzlich bei der Aufnahme ins Krankenhaus auf Demenzerkrankungen überprüft werden, sagte Hofmann. Dazu sollten neben einfachen Tests auch die Angehörigen befragt werden."

Vergangene Woche nahm ich eine 86jährige Dame mit Herzinfarkt auf.
Diese Frau fiel mir bereits in den ersten Momenten des Aunfnahmegesprächs / der Anamnese durch einen herausragenden Intellekt auf. Sie schilderte nicht nur klar und umfassend ihre Beschwerden und Einschätzung, sie erklärte auch mit dem Bewusstsein um die Situation eines akuten Herzinfarktes spontan ihre Wünsche und Ablehnung bezüglich Diagnostik und Therapie. Dies auch betreffend schwieriger Themen wie akut lebensbedrohliche Situationen, Intensivtherapie und Wiederbelebung.
Daneben berichtete sie auch über wesentliche und prägende Geschehnisse ihres Lebens und ihre persönlichen Schlüsse daraus.
Bei alledem fiel die gesamte Aufnahmesituation durch Witz und gute Stimmung auf.

Hätte ich die Dame bei Aufnahme jetzt einem einfachen klinischen Test, z.B. einem Mini-Mental-Staus unterziehen sollen, weil sie 86 Jahre alt ist ?

Sollte - hypothetischer Fall - ein Chirurg, der Helmut Schmidt bei kleiner, konservativ behandelter Fraktur für eine Nacht zur Diagnostik und Überwachung aufnimmt diesen einem Mini-Mental-Status unterziehen, weil er über 90 Jahre alt ist ?

Die Aussage jeder "ältere" Patient sollte bei Krankenhausaufnahme durch einfache Tests auf eine Demenz gescreent werden erscheint mit genauso sinnvoll, wie die Forderungen eines auf den Enddarm spezialisierten chirurgischen Oberarztes jeder aufzunehmende Patient bedürfe einer rektalen Untersuchung, Ausnahmen gäbe es nur wenn der Patient kein Anus oder der Arzt keine Finger habe.
LNS

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