NewsMedizin„Job Strain“ als schwaches Herzinfarktrisiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

„Job Strain“ als schwaches Herzinfarktrisiko

Freitag, 14. September 2012

London – Hohe Anforderungen am Arbeitsplatz bei geringen Entschei­dungsspielräumen der Beschäftigen, auch Job Strain genannt, können auf Dauer das Herz schädigen. Die Folge ist ein erhöhtes Herzinfarktrisiko, das in einer Meta-Analyse im Lancet (2012; doi:10.1016/S0140-6736(12)60994-5) jedoch schwach ausfiel.

Robert Karasek von der New Yorker Columbia Universität hatte Anfang der 80er Jahren als erster auf die negativen Auswirkungen des Job Strains auf die kardiale Gesundheit hingewiesen. Seither sind weitere Studien hinzugekommen. Der Epidemiologe Mika Kivimäki vom University College London hat 13 europäische Kohortenstudien aus den Jahren 1985 bis 2006 zusammengefasst, um das Herzinfarktrisiko durch den Job Strain zu quantifizieren.

Anzeige

Dieser negative Arbeitsstress wurde von 15 Prozent der fast 200.000 Studienteilnehmer angegeben. Das damit verbundene Infarktrisiko war jedoch geringer, als in früheren Untersuchungen. Hatte Karasek in seiner Studie an schwedischen Arbeitern noch ein vierfach erhöhtes kardiovaskuläres Sterberisiko gefunden, so kommen Kivimäki und Mitarbeiter nur noch auf einen Anstieg des Herzinfarktrisikos um 23 Prozent.

Dies mag mit der sorgfältigen Recherche der Autoren zusammenhängen, die neben publizierten Studien (die einen Anstieg um 43 Prozent gefunden hatten) für ihre Analyse auch nicht publizierte Studien (Anstieg 16 Prozent) berücksichtigten. Außerdem wurden Herzinfarkte in den ersten Jahren der Nachbeobachtung aus der Analyse herausgenommen. Dies vermeidet eine reverse Kausalität, da der Stress auch Frühsymptom einer noch nicht diagnostizierten Erkrankung sein kann.

Immerhin: Es blieb bei einer statistisch signifikanten Hazard Ratio von 1,23 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,10—1,37). Damit wären nach einer Berechnung von Kivimäki 3,4 Prozent aller Herzinfarkte auf den Job Strain zurückzuführen. Das attributive Risiko wäre damit deutlich weniger als beim Rauchen, das für 36 Prozent aller Herzinfarkte verantwortlich ist. Der Editorialist Bo Netterstrøm vom Bispebjerg Hospital in Kopenhagen gibt zu bedenken, dass das Anforderungs-Kontroll-Modell von Karasek in den 80er Jahren für die Situation des Industriearbeiters entwickelt wurde.

In der heutigen Dienstleistungsgesellschaft seien viele Beschäftige möglicherweise anderen Stress-Formen ausgesetzt. Das Ungleichgewicht zwischen Einsatz und Belohnung („effort-reward imbalance“-Modell) oder die Unsicherheit um den Arbeitsplatz könnten nach Ansicht von Netterstrøm heute einen größeren Einfluss auf das Herzinfarktrisiko haben als der Job Strain. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

9. Dezember 2019
Augsburg – Mittlere bis hohe Ozonwerte gehen mit steigenden Raten von Herzinfarkten in der Region einher. Das berichten Forscher der Universität Augsburg, des Universitätsklinikums Augsburg, des
Erhöhte Ozonwerte gehen mit steigenden Raten von Herzinfarkten in der Region einher
9. Dezember 2019
Hannover – Fast 40 Prozent der Eltern mit minderjährigen Kindern fühlen sich sehr häufig oder häufig gestresst. Das geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH)
Ständige Erreichbarkeit setzt Eltern unter Stress
4. Dezember 2019
Villingen-Schwenningen – Immer mehr junge Menschen zwischen 14 und 34 Jahren sind durch digitale Medien gestresst. Wie die heute veröffentlichte Erhebung der Schwenninger Krankenkasse ergab, stieg der
Digitale Medien stressen junge Menschen
19. November 2019
Montreal – Eine Behandlung mit Colchicin, das in niedriger Dosierung eine antientzündliche Wirkung erzielt, hat in einer randomisierten klinischen Studie bei Patienten nach einem Herzinfarkt die Zahl
Colchicin: Niedrig dosiertes Gichtmittel schützt nach Herzinfarkt
13. November 2019
Bremen – Das Schmerzmittel Diclofenac, das aufgrund seiner hohen Selektivität zum COX-2-Enzym das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht, wird trotz einer Warnung in einem Rote-Hand-Brief
Diclofenac: Häufige Verordnungen an Risikopatienten halten trotz Warnung an
4. November 2019
Berlin – Es geht um Stress und die psychische Gesundheit von Menschen, die in Städten leben: Forscher verschiedener Disziplinen haben jetzt Regeln und Anregungen für die Konzeption
Forscher geben Empfehlungen für die Stadtplanung der Zukunft
16. Oktober 2019
Freiburg – Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass chronische Entzündungsvorgänge und das Immunsystem eine wichtige Rolle bei Herzinfarkt und Schlaganfall spielen könnten. Der Europäische
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

  • @ texte-jon | dr.med.thomas.g.schaetzler | 12.12.19 08:54 | Vermischtes
  • @Mitdenker | Rollkragen | 12.12.19 08:40 | Politik
  • Typisch deutsch ? | Machts Sinn | 12.12.19 07:57 | Politik
  • Ja | texte-jon | 12.12.19 07:20 | Vermischtes
  • Beamte in GKV | ziebur311265 | 12.12.19 00:57 | Politik

Archiv

NEWSLETTER