NewsÄrzteschaft„Viele Kassen­verantwortliche sind mit ihrem Spitzenverband nicht zufrieden“
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Ärzteschaft

„Viele Kassen­verantwortliche sind mit ihrem Spitzenverband nicht zufrieden“

Sonntag, 16. September 2012

Besser ein vernünftiger Honorarkompromiss als Proteste, aber notfalls auch bundesweite Aktionen – diese Auffassung vertritt Klaus Reinhardt, der Vorsitzende des Hartmannbundes

Fünf Fragen an Klaus Reinhardt zum Streit zwischen Ärzteschaft und Kassen um das Honorar für 2013.

DÄ: Herr Reinhardt, wie bewerten Sie das Abstimmungsergebnis unter den Hartmannbund-Mitgliedern über Protestaktionen?
Reinhardt: Ich war am Mittwoch außerordentlich zufrieden mit den Rückmeldungen. Sie zeigen, dass die grundsätzliche Bereitschaft vieler Kolleginnen und Kollegen da ist, sich auseinanderzusetzen. Und darum ging es ja. Ich wäre allerdings auch sehr froh, wenn Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband es nun schaffen würden bis 4. Oktober, einen annehmbaren Honorarkompromiss zu verhandeln.

DÄ: Manche Verbandsvertreter haben kritisiert, dass der Deutsche Hausärzteverband sich nicht an der Abstimmung beteiligt hat. Sie auch?
Reinhardt: Ich sehe das nicht ganz so eng, weil der Deutsche Hausärzteverband doch sehr deutlich geäußert hat, dass auch er das Verhalten des GKV-Spitzenverbands kritikwürdig findet. Damit war aus meiner Sicht auch die Polemik der Krankenkassen gegen die Ärzteschaft gemeint. An diesem Punkt ist das Empfinden von Haus- und Fachärzten nicht verschieden. Ich weiß zudem aus Landesverbänden der Hausärzte, dass die Bereitschaft vorhanden ist, sich solidarisch zu erklären. Ich glaube inzwischen, dass ein Honorarkompromiss gefunden wird. Aber falls nicht, dann würden sich sicher in einigen Landesteilen Hausärzte an unseren Protesten beteiligen.

: Wie beurteilen Sie den Beschluss, den der Erweiterte Bewertungsausschuss unter dem Vorsitz von Jürgen Wasem gefasst hat?
Reinhardt: Ich finde ihn nicht ausgewogen, weder inhaltlich noch strategisch. Er folgte zu sehr der Kassenpolemik. Wissen Sie, man kann natürlich kühl rechnen und gegenrechnen, wie das Gesundheitsökonomen tun. Die Frage ist im Grunde aber, ob sie geeignete Schlichter sind oder ob dies besser ein besonnener Sozialpolitiker übernähme.

: Hatten Sie mit einem so harten Kurs wie dem der Krankenkassen gerechnet? Viele nahmen doch an, dass es in Zeiten von Rücklagen nicht derart harte Auseinandersetzungen um die Honorare geben würde.
Reinhardt: Ich glaube, der harte Kurs hat gerade damit zu tun, dass die Krankenkassen über relativ große Rücklagen verfügen. Solange sie quasi am Tropf der Politik hingen, weil ein Defizit drohte, waren sie viel handzahmer. Jetzt entwickeln sie ein stärkeres Eigenleben, auch gegenüber dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium. Das merkt man.

: Hat der GKV-Spitzenverband mittlerweile zu viel Macht im System der Selbstverwaltung?
Reinhardt: Das glaube ich nicht. Vielleicht empfindet er das im Moment so. Ich glaube eher, dass es Spannungen zwischen ihm und den Mitgliedskassen gibt, vor allem in den Regionen. Viele Kassenverantwortliche dort sind nicht glücklich mit der Linie ihres Spitzenverbands. Das ähnelt dem, was wir von KBV und Kassenärztlichen Vereinigungen kennen. Dieses Verhältnis war zwischendurch auch nicht immer einfach, aber da hat man sich ja zuletzt wieder ganz ordentlich zusammengefunden. © Rie/aerzteblatt.de

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