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Medizin

Operation könnte Alzheimer-Demenz beschleunigen

Montag, 17. September 2012

Philadelphia – Chirurgische Eingriffe, nicht aber die Narkose haben in einem Tiermodell des Morbus Alzheimer kognitive Störungen ausgelöst. Die Autoren vermuten in den Annals of Surgery (2012; doi: 10.1097/SLA.0b013e318269d623), dass eine entzündliche Reaktion im Gehirn für die Exazerbation der Demenz verantwortlich ist.

Nach chirurgischen Eingriffen kommt es vor allem bei älteren Menschen häufig zu Verwirrtheitszuständen. Die meisten Patienten erholen sich von dieser postoperativen kognitiven Dysfunktion (POCD). Manchmal markiert sie jedoch den Beginn einer Demenz. Es liegt nahe, die Anästhesie für diese Komplikation verantwortlich zu machen. Die Befunde von Roderic Eckenhoff von der University of Pennsylvania in Philadelphia weisen jedoch eher auf die Chirurgie als Auslöser.

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Die Experimente wurden an gentechnischen Mäusen durchgeführt. Bei ihnen liegt das für den Morbus Alzheimer beim Menschen verantwortliche Gen in dreifacher Ausführung vor. Die Tiere erkranken im Verlauf des Lebens an einer Demenz. Die Entwicklung kann durch eine Operation beschleunigt werden. Asymptomatische Tiere, denen Eckenhoff unter einer Desfluran-Narkose den Blinddarm (Ligation und Exzision des Caecums) entfernen ließ, wiesen nach der Operation signifikante kognitive Störungen auf, die mit den typischen Hirnveränderungen wie bei einer Alzheimer-Demenz einhergingen.

Eine Vergleichsgruppe von Genmäusen, die nur eine Vollnarkose erhalten hatten, aber nicht operiert worden waren, blieb von einer Demenz verschont. Eckenhoff vermutet deshalb, dass die Operation und nicht die Narkose der Auslöser ist. Die traumatische Reaktion auf die Operation könnte im Gehirn eine Neuroinflammation auslösen, die dann das Fortschreiten der Alzheimererkrankung gefördert habe.

Ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, muss unklar bleiben. Das verwendete Modell entspricht der familiären Form der Alzheimererkrankung beim Menschen, die sehr viel seltener ist als die sporadische Variante im Alter. Gesunde Mäuse ohne genetisches Alzheimerrisiko entwickelten in den Experimenten nach der Operation keine kognitiven Funktionsstörungen.

Daraus darf allerdings im Umkehrschluss nicht abgeleitet werden, dass Patienten, die nach einem chirurgischen Eingriff eine POCD entwickeln, an einer Vorstufe des Morbus Alzheimer leiden. Dies dürfte nur bei einer Minderheit der Patienten der Fall sein. © rme/aerzteblatt.de

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