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Medizin

Uterus von Mutter auf Tochter transplantiert

Dienstag, 18. September 2012

Göteborg – Schwedische Chirurgen haben zwei Frauen die Uteri ihrer Mütter trans­plantiert. Wie die Sahlgrenska Universität mitteilt, fanden die Operationen am Wochen­ende statt. Die beiden Patientinnen hatten sich zuvor einer erfolgreichen in-vitro-Fertilisation (IVF) unterzogen. Sie hoffen im nächsten Jahr ihr Kind selbst auszutragen.

Bei den beiden Frauen in den 30ern handelt es sich um Schwedinnen. Einer war die Gebärmutter wegen eines Zervixkarzinoms entfernt worden, die andere sei ohne Uterus geboren worden, heißt es in der Pressemitteilung der Universität. Die Operationen fanden am 15. und 16. September an der Frauenklinik der Universität statt. Den Frauen gehe es gut, sie würden sich derzeit von den Strapazen der Operation erholen. Die beiden Spenderinnen seien bereits wieder auf den Beinen und würden in den nächsten Tagen aus der Klinik entlassen.

Die Operationen wurden von einem Team von „mehr als 10 Chirurgen“ unter der Leitung von Mats Brännström durchgeführt. Brännström hat das Uterus Transplantation Projekt 1999 begonnen. Im Mai 2012 hatte die Ethikkommission den Operationen zugestimmt. Bei den Spenderinnen wurde eine klassische Hysterektomie durchgeführt.

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Transplantiert wurden Uterus samt Zervix und ein hinterer Abschnitt der Vagina. Die Ovarien sind nicht Teil des Eingriffs, der die Empfängerinnen auf die Implantation der bereits per IVF gezeugten (und kryokonservierten) Embryonen vorbereiten soll. Die Schwan­ger­schaft soll frühestens nach 12 Monaten eingeleitet werden. Nach Ein­schätzung von Brännström gibt es eine internationale Nachfrage für die Operation, da allein in Schweden 2.000 bis 3.000 Frauen wegen eines fehlenden Uterus keine Kinder bekommen könnten. Die Internetseite empfängt den Leser auch in deutscher Sprache.

Die weltweit erste Uterustransplantation fand im April 2000 in Saudi-Arabien statt. Berichte über eine Uterus-Transplantation, die im Rahmen einer Geschlechts­umwandlung bei einer Transsexuellen 1931 in Dresden durchgeführt worden sein soll, die Monate später an Abstoßungsreaktionen verstarb, sind unbestätigt und nicht mehr rekonstruierbar, wie Die Zeit kürzlich recherchierte. Auch der Operation am King Fahad Hospital and Research Center in Dschidda war kein Erfolg beschieden.

Wie die Chirurgen zwei Jahre später im International Journal of Gynecology & Obstetrics (2002; 76: 245-51) mitteilten, musste der Uterus wegen einer akuten vaskulären Thrombose nach 99 Tagen wieder entfernt werden. Zuvor war zweimal erfolgreich mittels Östrogen-Progesteron eine Uterusschleimhaut samt anschließender Abbruchblutung induziert worden.

Eine weitere Uterus-Transplantation fand laut Presseberichten im August 2011 am Akdeniz University Hospital in Antalya in der Türkei statt. Eine 21-jährige Frau, der der Uterus einer Verstorbenen transplantiert wurde, wartet ebenfalls noch auf eine erfolg­reiche Schwangerschaft, die dem Vernehmen nach für das nächste Jahr geplant ist. Auch das Team in Schweden wird sich daran messen lassen, ob es ihr gelingt, den Frauen den Kinderwunsch vor dem Hintergrund einer zum Organerhalt notwendigen Immunsuppression zu erfüllen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #69374
kschlensog
am Mittwoch, 19. September 2012, 10:58

Geschlechts>angleichung<

"Berichte über eine Uterus-Transplantation, die im Rahmen einer Geschlechts­umwandlung bei einer Transsexuellen 1931 in Dresden durchgeführt worden sein soll..."

So reißerisch das Wort auch klingt - und so beliebt es v.a. in journalistischen Kreisen daher ist -, eine "Umwandlung" findet sicher nicht statt. Korrekt - und auch respektvoller - spricht man von "Geschlechtsangleichung" oder "Angleichung an das empfundene Geschlecht".
LNS

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