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Medizin

Biologika können die Mortalität von Rheumapatienten senken

Dienstag, 18. September 2012

Berlin – Ist die Biologika-Therapie für Rheumapatienten sicher? Diese Frage brachte Rheumatologen im Jahr 2001 dazu, das Biologika-Register „Rheumatoide Arthritis: Beobachtung der Biologika-Therapie“ (RABBIT) zu gründen. Damit wollten sie die Biologika unter Alltagsbedingungen überwachen. Elf Jahre später liegen Ergebnisse vor. Im Vorfeld des 40. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie vom 19. bis 22. September in Bochum erklärt eine der Gründerinnen des Registers, Angela Zink, im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt, warum ein Register in der Pharmakovigilanz wertvolle Erkenntnisse liefert und wie die Biologika im Vergleich zu einer klassischen Kortisontherapie abschneiden.

Fünf Fragen an Angela Zink, Leiterin des Programmbereiches Epidemio­logie am Deutschen Rheuma-Forschungs­zentrum

DÄ: Das Biologika-Register umfasst die Daten von knapp 11.000 Rheuma­patienten, die mit Biologika behandelt wurden, vor allem mit Tumornekrose­faktor-Inhibitoren. Was sind heute Ihre Erkenntnisse? Wie sicher sind die Biologika?
Zink: Als die TNF-Blocker auf den Markt kamen, hatten wir die Sorge, dass sie das Krebsrisiko erhöhen könnten. Heute können wir Entwarnung geben. Denn das Krebsrisiko ist nicht erhöht. Nur beim Haut­krebs lassen Daten aus einer US-amerikanischen Studie ein erhöhtes Risiko vermuten. Unsere Daten und die des britischen Registers zeigen das allerdings nicht.

DÄ: Und wie ist es mit der Lebenserwartung?
Zink: Der Schlüssel zur Lebenserwartung von Rheumapatienten ist die Krankheits­aktivität. Wenn man es nicht schafft, diese in den Griff zu bekommen, haben die Patienten eine um zehn Jahre niedrigere Lebenserwartung als die altersgleiche Normalbevölkerung. Wenn man es jedoch schafft, die Krankheitsaktivität einzudämmen, unterscheidet sich die Lebenserwartung überhaupt nicht. Und genau das ist mit den TNF-Blockern möglich. Bei etwa drei Vierteln der mit Biologika behandelten Patienten kann die Krankheitsaktivität bedeutsam gesenkt werden.

DÄ: Und welche Nebenwirkungen haben die TNF-Blocker?
Zink: Wir haben sehr wenige Nebenwirkungen gefunden. Es gibt allerdings ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Infektionen. Vor allem das Risiko, an Tuberkulose zu erkranken, ist höher. Deshalb ist systematisches Screening auf latente Tuberkulose vor Beginn einer anti-TNF-Therapie notwendig.

In der Gesamtsicht muss die Therapie mit TNF-Blockern dennoch nicht zu einer Erhöhung des Infektionsrisikos führen. Denn durch die Senkung der Krankheitsaktivität und die Einsparung von Glukokortikoiden kann das Infektionsrisiko geringer sein als bei einer konventionellen Therapie, die wegen unzureichender Wirksamkeit mit höher dosierten Glukokortikoiden kombiniert werden muss.  Man muss im Einzelfall das Nutzen-Risiko-Verhältnis abwägen.

DÄ: Wie erfolgt das in der Praxis?
Zink: Wir haben einen Score entwickelt, mit dem man das individuelle Risiko eines Patienten berechnen kann. Dabei berücksichtigen wir das Alter, die Komorbidität, frühere Infektionen, bisherige Therapien sowie die Dosis der begleitenden Glukokortikoide und die Behandlung mit den TNF-Blockern. Damit ist es möglich, Nutzen und Risiko einer Behandlung mit TNF-Blockern herauszufinden. Der Score-Rechner kann unter www.biologika-register.de genutzt werden. 

DÄ: Wie finanziert sich das Register?
Zink: Das Register wird von allen Firmen gefördert, die Biologika auf dem Markt haben. Es ist in seiner wissenschaftlichen Arbeit aber unabhängig. © fos/aerzteblatt.de

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