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Ärzteschaft

Ärzte fordern Erhöhung des Orientierungswerts um 1,8 Prozent

Mittwoch, 19. September 2012

Berlin – Der Honorarstreit zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen droht weiter zu eskalieren. Zwar ist für den 4. Oktober ein neuer Verhandlungstermin im Bewertungsausschuss festgelegt. KBV und die Vorstände der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) haben sich bei einem Treffen in Berlin am 18. September jedoch auf ein Angebot verständigt, hinter das sie nicht mehr zurückgehen wollen. Die Einzelheiten liegen dem Deutschen Ärzteblatt vor.

Danach soll der Orientierungswert für das Jahr 2013 um 1,8 Prozent erhöht werden. Bislang sind 0,9 Prozent beschlossen. Darüber hinaus sollen psychotherapeutische Leistungen des Kapitels 35 im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) vollständig extrabudgetär von den Kassen bezahlt werden. Weiterhin verlangen KBV und KV-Vorstände, dass in den Honorarverhandlungen Mengen- und Preiskomponente nicht mehr vermischt werden und es regionale gesamtvertragliche Spielräume gibt.

Aufschub im Honorarstreit: KBV verhandelt, Basis bleibt protestbereit

Am 4. Oktober werden die Honorarverhandlungen fortgesetzt. Dieser neue Termin hat härtere Proteste zunächst verhindert. Doch die Ärzte könnten demonstrieren, dass sich das schnell wieder ändern kann, wenn sich beim Honorar nichts bewegt. Die Honorarverhandlungen bleiben spannend.

In der nächsten Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KBV am 28. September soll darüber abgestimmt werden, ob kurzfristig alle Vertragsärzte und –psychotherapeuten dazu befragt werden, ob und unter welchen Bedingungen ihnen die Übernahme des Sicherstellungsauftrags für die ambulante ärztliche Versorgung weiterhin akzeptabel erscheint. © Rie/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 20. September 2012, 19:43

Offener Brief an den SPIBU

Lieber Spitzenverband Bund ("Spibu") der Gesetzlichen Krankenkassen,

Sie sollten den Ball flach halten. Denn das von ihnen in Auftrag gegebene Prognos-Gutachten zur Begründung einer völlig aberwitzigen Honorar-A b s e n k u n g von minus 7% beim Orientierungspunktwert ist wie ein Kartenhaus zusammengebrochen.

Nicht nur, dass Prognos lediglich mit allgemeinen Verbraucherdaten von www.destatis.de gearbeitet hat. Betriebswirtschaftliche Analysen (BWA) und bei selbstständig tätigen Vertragsärzten übliche Einnahmen-Überschuss-Rechnungen (EÜR) wurden negiert. Der Gipfel war die Verwendung des Begriffes "Stückkosten" im Prognos-Text: "Es ist jedoch plausibel anzunehmen, dass bspw. die Verbreitung neuer Gerätegenerationen, die Delegation von Leistungen auf medizinische Fachangestellte und moderne Formen des Praxismanagements die Kosten der Leistungserstellung reduzieren helfen. Im Modell lässt sich dies mit einer jährlichen Senkung der Stückkosten abbilden...". Rationalisierungsreserven liegen weiter darin, "dass Gemeinschaftspraxen (GP) geringere Stückkosten aufweisen als Einzelpraxen (EP)..." Zitat aus:
http://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/presse/pressekonferenzen_gespraeche/2012_2/120809_prognos_gutachten/PK_20120809_Gutachten_Orientierungswert_Prognos_AG.pdf

Meine lieben Spibu-Vertreter, wie bei uns Humanmedizinern üblich, sollten auch Sie nicht mit Prognos von industriellen "Stückkosten", sondern gemeinsam mit uns von 'Patientinnen und Patienten' und Praxiskosten sprechen. Ansonsten haben Sie in der Öffentlichkeit und am Verhandlungstisch mit der KBV schlechte Karten.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #98372
Thelber
am Donnerstag, 20. September 2012, 13:54

Die Apotheker sind den Kranken Kassen 3 % wert -

... wir sollen uns mit 1,8 % zufrieden geben ?
Naja, wer es mit sich machen läßt, der wird halt abgestraft !
Avatar #562834
anaesthesist_meyer
am Donnerstag, 20. September 2012, 11:21

Es gibt noch viel zu tun, zu sagen, zu schreiben, immer wieder!

Aggressionen entladen sich meist/immer an den vermeintlich Schwachen! So war es und so ist es und so wird es bleiben. Aber bezüglich der Psychotherapeuten ist es eben nur eine vermeintliche Schwäche. Auf lange Sicht wird sich herausstellen, wie wertvoll unsere Arbeit für die Menschen, unsere Patienten und das Gesundheitssystem wird und schon ist. Wir sollten uns wieder auf eine Medizin besinnen, die wirklich ein menschliches Antlitz hat. Diese Besinnung ist besonders
von solch unwissenden "Kommentatoren" zu leisten, die wahrscheinlich auch nicht wissen, daß Anästhesisten Ärzte sind!
Avatar #61420
MH268
am Donnerstag, 20. September 2012, 00:32

Psychotherapie ist Heilbehandlung von psychischen Störungen mit Krankheitswert!

Mit Erschrecken muss ich feststellen, dass es doch extrem unqualifizierte und von Unkenntnis geprägte Kommentare in diesem Forum gibt (chrelli)!

Eine extrabudgetäre Honorierung der heilkundlichen Behandlung von psychischen Störungen mit Krankheitswert (Kapitel 35) basiert nicht auf dem originären Wunsch der Psychotherapeuten, sondern ist unter anderem dem Umstand geschuldet, dass es innerhalb der KVen und den ärztlich dominierten Gremien bislang nicht gelungen ist eine gerechte Honorarverteilung hin zu bekommen. Die Psychotherapeuten - übrigens nicht nur die psychologischen sondern auch die ärztlichen - rangieren hinsichtlich ihrer Einkommensverhältnisse auf dem letzten Platz. Zudem werden in diesem Kommentar klinische Psychologen mit Psychotherapeuten verwechselt. Seit dem in Kraft treten des Psychotherapeutengesetzes 1999 haben wir die "neuen" Berufe des Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Der Kommentar, dass Vertreter dieser Berufsgruppen "in der Kassenärztlichen Vereinigung so wieso nichts verloren haben" kann eigentlich nur durch Unkenntnis über deren langjährige postgraduale Ausbildung und darüber was qualifizierte psychotherapeutische Behandlung ist, zustande gekommen sein!

Kassenzugelassene Psychotherapeuten arbeiten nahezu den gleichen Stundenumfang wie andere Arztgruppen (47 Wochenstunden). Sie haben genauso, wie andere niedergelassene Kollegen auch, sich den Auflagen einer korrekten Praxisführung zu unterwerfen und dementsprechend leider auch das, was sie als Nebenkosten aufführen. An die Arbeits-, Diagnostik- und Therapiematerialien ist hier noch nicht einmal gedacht.

Das mancher Therapeut (nicht alle) keine "Fachangestellte" haben, hat zweierlei Ursachen. Zum einen müsste diese aus dem, im Vergleich zu den übrigen Arztgruppen, weit unterdurchschnittlichen Honorarerlös bezahlt werden, was in der Regel nur in Praxengemeinschaften für Bürokräfte in Teilzeit denkbar ist, und zum anderen dürfen psychotherapeutische Maßnahmen nicht delegiert werden, sondern müssen vom Behandler selbst erbracht werden.

Liebe(r) Frau oder Herr chrelli! Reiben Sie erst mal weiter Ihre Augen, wachen Sie dann in Ruhe auf und bevor weitere unqualifizierte Kommentare kommen, erkundigen Sie sich doch über die Themen bevor Sie sie kommentieren!
Avatar #19708
chrelli
am Mittwoch, 19. September 2012, 20:08

Psychotherapeuten

Da reibe ich doch meine Augen heftig: Wieso sollen diese Leistungen alle extrabudgetär bezahlt werden????? Diese Leistungen werden meist von klinischen Psychologen, die in der kassenärztlichen Vereinigung so wieso nichts verloren haben, erbracht. Es fallen keinerlei Nebenkosten an, meist gibt es nicht einmal eine Fachangestellte in der Praxis. Ich fasse es einfach nicht, was da passiert!!!!
LNS

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