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Psychische Erkrankungen: Ziel ist die Rückkehr an den Arbeitsplatz

Mittwoch, 19. September 2012

dpa

Berlin – Der Anteil an Fehltagen in den Unternehmen aufgrund psychischer Erkran­kungen ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Psychische Erkrankungen können zu langen Krankschreibungen führen und sind seit Jahren der Hauptgrund für das vorzeitige Ausscheiden aus dem Arbeitsleben. Mehr als jede dritte frühzeitige Berentung ist inzwischen durch eine dauerhafte psychische Erkrankung verursacht. Dabei sind es nicht allein Arbeitsverdichtung, Zeitdruck, Unsicherheit erzeugende Beschäftigungs­verhältnisse oder Konflikte mit den Kollegen, die zu psychischen Störungen führen können.

„Einflüsse der Arbeitswelt wirken immer im Zusammenspiel mit psycho-biologischen und sozialen Faktoren – am Arbeitsplatz werden psychische Erkrankungen jedoch häufig manifest“, erläuterte der Psychiater und Vorsitzende des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit, Wolfgang Gaebel, beim Symposium „Mitten im Arbeitsleben – trotz psychischer Erkrankung“, das die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) zusammen mit dem Aktionsbündnis gestern in Berlin veranstaltete. „Psychosen und schwere Depressionen führen häufig auch ein Eigenleben“, betonte Gaebel.

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Die Bundes­ärzte­kammer und das Aktionsbündnis seelische Gesundheit führen seit 2009 eine Fortbildungsreihe zum Thema Menschen mit psychischen Erkrankungen in der Arbeitswelt durch. Der Schwerpunkt dieser Veranstaltung lag auf der Wiederein­gliederung in den Berufsalltag. Es wurden Wege aufgezeigt, wie Psychiater, Allgemein­mediziner, Betriebsärzte und Unternehmen kooperieren könnten, um dem betroffenen Mitarbeiter einen schnellen Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.

Die Experten des Symposiums waren sich einig, dass der Arbeitsplatz ein wichtiger Faktor für die Selbstwertstärkung und soziale Einbindung für erkrankte Mitarbeiter ist und sich generell positiv auf die seelische Gesundheit auswirkt. „Return to Work ist das Ziel“, sagte Gaebel.

„Wichtig ist, dass der Arzt das Thema Arbeitsunfähigkeit thematisiert“, forderte Gaebel. In den meisten Fällen (72 Prozent) wendeten sich die Betroffenen mit dem Wunsch nach Krankschreibung an einen Hausarzt oder einen Facharzt für Psychosomatische Medizin. Nur 3,4 Prozent würden direkt von Psychiatern oder Psychotherapeuten behandelt. Die Krankschreibung sollte dabei nicht länger als sechs Wochen sein, ansonsten sollte der Patient in eine stationäre oder teilstationäre Therapieeinrichtung überwiesen werden.

Hausarzt als wichtiger Ansprechpartner
„Hausärzte spielen eine wichtige Rolle in der Aufdeckung, Diagnostik, Therapie  und Rehabilitation von Patienten mit psychischen Erkrankungen, weil wir die Betroffen meist seit vielen Jahren kennen, sagte Cornelia Goesmann. Die BÄK-Beauftragte für Fragen der ärztlichen Psychotherapie ist selbst seit 27 Jahren als Hausärztin mit Zusatzbe­zeichnung Psychotherapie in Hannover tätig.

Viele Patienten scheuten sich – im Gegensatz zu früher - nicht mehr, von einer psychischen Erkrankung zu berichten. „Ich frage immer nach dem Beruf und ob die Probleme eventuell dort liegen“, sagte Goesmann. Sie sieht sich als Fallmanagerin des Betroffenen, im besten Fall zusammen mit einem Psychiater oder Psychotherapeuten.

„Leider gibt es nicht genügend Psychiater oder Psychotherapeuten, die Therapieplätze anbieten können, so dass es doch an uns Hausärzten hängen bleibt.“ Die Wartezeiten betrügen selbst in schweren Fällen beispielsweise bei Psychiatern acht bis zwölf Wochen. Werde eine stationäre Reha-Maßnahme oder eine Mutter-Kind-Kur beantragt, „müssen wir mit einer Ablehnungsquote von rund 36 Prozent rechnen – das erschließt sich mir nicht“, kritisierte Goesmann.  Die Wiedereingliederung sei zudem für den Betroffenen und den Hausarzt mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden.

Hausärztin Goesmann wünscht sich angesichts dieser umfangreichen Aufgaben Fortbildungen in der Allgemeinmedizin zu rehabilitativer Medizin, außerdem regelmäßige, auch honorierte Kontakte zwischen Hausärzten und dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen sowie den Rehabilitationseinrichtungen. Landesweite Vermittlungsstellen für ambulante Psychotherapie und Notfallplätze in Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie hält sie ebenfalls für dringend erforderlich. „Außerdem sollten hausärztliche Gesprächsleistungen besser honoriert werden.“

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine bundesweite Initiative unter der Schirmherrschaft von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr. Zu den 75 Mitgliedsorganisationen zählt auch die Bundes­ärzte­kammer, die seit der Gründung im Jahr 2006 Mitglied ist. Das Aktionsbündnis hat gemeinsam mit dem Bundesverband Angehöriger psychisch Kranker Schulungen für Führungskräfte zum Umgang mit psychisch erkrankten Mitarbeitern und zur Prävention psychischer Belastung im Arbeitsalltag entwickelt. © pb/aerzteblatt.de

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