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Signale des Kindes richtig deuten

Mittwoch, 19. September 2012

Berlin – Die Debatte am Runden Tisch gegen sexuellen Kindesmissbrauch hat gezeigt, dass in der beruflichen Praxis ein großer Bedarf an mehr Wissen und Kompetenzen zur Missbrauchsprävention besteht. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert deshalb die Entwicklung und Erprobung des von der Universität Ulm konzipierten Lernprogramms „Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch“. Das E-Learning-Portal bietet Ärzten, Psychotherapeuten, Lehrern und Erziehern, eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung. Mit Hilfe von interaktiven Fallbeispielen, Filmse­quenzen und Texten sollen die Nutzer sensibilisiert werden, um Anzeichen von sexuellem Missbrauch zu erkennen.

„Gerade für junge Ärzte sind webbasierte Fortbildungen sehr gut geeignet“, sagte Cornelia Goesmann, Hausärztin  und Beauftragte der Bundesärztekammer für Fragen der ärztlichen Psychotherapie, bei der Podiumsdiskusssion zur Freischaltung des E-Learning-Portals heute in Berlin. Goesmann begrüßte, dass das Thema Kindesmiss­brauch durch die Kampagne der Bundesregierung „aus der Tabuzone herausgeholt wurde“.

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Johannes Klein-Heßling, Referent bei der Bundesspsychotherapeutenkammer, betonte, dass Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsycho­thera­peuten bereits gute Voraussetzungen durch das Studium und die anschließende Ausbildung beim Umgang mit traumatisierten Patienten mitbringen. „Das gehört zu den Kernkompetenzen“. Er wünschte sich unterschiedlich spezialisierte Module je nach den Voraussetzungen der Nutzer. „Wir brauchen andere Inhalte als Ärzte oder Lehrer.“

Ein erster Kurs startete im Juli mit 1.169 Teilnehmenden. „Ich freue mich sehr über das große Interesse, auf das das Vorhaben bereits in der Erprobungsphase stößt“, erklärte die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, anlässlich der offiziellen Freischaltung des Kurses. „Dies ist ein wichtiger Schritt auf unserem Weg, Kinder und Jugendliche besser vor sexueller Gewalt zu schützen. Wir haben es mit dem Runden Tisch geschafft, das Thema in die Mitte der gesellschaftlichen Diskussion zu rücken. Das E-Learning-Programm trägt dazu bei, dass es sich dort verankert und zu einem neuen Bewusstsein führt.“

Der Ärztliche Direktor der Universität Ulm und Leiter des E-Learning-Angebots, Jörg Fegert, sagte: „Mit dem Vorhaben wollen wir Kontaktpersonen von Kindern mit einem niedrigschwelligen Angebot in die Lage versetzen, auf sexuellen Missbrauch ange­messen zu reagieren. Erste Ansprechpartner für betroffene Kinder sind oft Pädagogen, Mediziner oder Therapeuten aus ihrem Umfeld. Wir haben festgestellt, dass diese oft nicht in der Lage sind, die Signale des Kindes richtig zu deuten. Hier möchten wir ansetzen.“

Vorteil des E-Learning als Weiterbildungsmethode ist, dass Praktiker die Möglichkeit haben, sich zeitlich und örtlich flexibel mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen. In einer begleitenden Studie wird untersucht, ob sich der Kurs als reines Onlineangebot bewährt oder eine Verknüpfung mit Präsenzkursen angezeigt ist. Nach kontinuierlicher Erprobung und Evaluation wird der Kurs voraussichtlich im Sommer 2014 mit allen Lerninhalten zur Verfügung stehen. © pb/aerzteblatt.de

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