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Medizin

IQWiG: Nutzen von Darmkrebs-Früher­kennung bei familiärem Risiko unklar

Mittwoch, 19. September 2012

Köln – Ob Menschen mit familiärem Risiko, die jünger als 55 Jahre sind, von der Darmkrebs-Früherkennung profitieren, ist offen. Das ist das Ergebnis eines jetzt veröffentlichten Vorberichts des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Demnach bleiben Nutzen und Schaden eines solchen Screenings unklar, weil entsprechende Studien fehlen.

Laut IQWiG ist das Kolorektalkarzinom in Deutschland sowohl bei Männern als auch bei Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung und die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Etwa 25 Prozent dieser Fälle trete zwar familiär gehäuft auf, eine konkrete genetische Ursache lasse sich jedoch nur bei etwa 5 Prozent der Erkrankungen feststellen.

Im Alter von 50 bis 54 Jahren haben alle Versicherten jährlich Anspruch auf einen Stuhltest (Okkultbluttest), und bei auffälligem Befund auf eine große Darmspiegelung (Koloskopie). Ab dem Alter von 55 Jahren können Versicherte wählen, ob sie alle zwei Jahre einen Stuhltest machen oder eine große Darmspiegelung in Anspruch nehmen.

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Das aktuell diskutierte sogenannte Krebsplan-Umsetzungsgesetz sieht vor, diese gesetzlich festgelegten Altersgrenzen aufzuheben. Stattdessen soll der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) medizinische Kriterien festlegen. So könnten Personen­gruppen, die als gefährdet gelten, früher oder häufiger eine Früherkennungs­unter­suchung angeboten werden. Der G-BA hat das IQWiG beauftragt, zu prüfen, ob und inwiefern Menschen mit an Darmkrebs erkrankten Verwandten ein erhöhtes Risiko haben, selbst zu erkranken, und wie verlässlich sie durch anamnestische Instrumente identifiziert werden können.

Die IQWiG-Wissenschaftler stellten fest, dass Menschen unter 55 Jahren mit mindestens einem Fall von Darmkrebs bei Verwandten ersten Grades ein 1,7 bis 4,1-fach höheres Erkrankungsrisiko haben als Menschen gleichen Alters, in deren Verwandtschaft Darmkrebs bislang nicht aufgetreten ist. Wie der Vorbericht jedoch zeigt, ist die Datenlage insgesamt schlecht.

So mussten die Forscher die Frage unbeantwortet lassen, welchen Nutzen eine Screeningstrategie hat, bei der zunächst mit Hilfe eines Fragebogens Personen mit familiärem Risiko identifiziert werden sollen, um ihnen anschließend eine Früher­kennungsuntersuchung anzubieten. „Zu dieser Frage gibt es derzeit keine aussage­kräftigen Studien“, so die Wissenschaftler. Auch für Menschen, bei denen bereits ein höheres Risiko für Darmkrebs festgestellt wurde, lägen noch keine Studienergebnisse zum Nutzen von Screeningmaßnahmen vor.

„Ob es dennoch gerechtfertigt ist, eine sogenannte risikoadaptierte Screeningstrategie einzuführen, muss sorgsam abgewogen werden“, erklärten die Wissenschaftler. Denn solche Tests hätten nicht nur Potenzial für einen Nutzen, sondern auch für einen Schaden. Dieser könne etwa darin bestehen, dass Personen fälschlicherweise der Risikogruppe zugeordnet werden, was für sie unnötig psychisch belastend sei.

Zu diesem Vorbericht können bis zum 18. Oktober Stellungnahmen abgegeben werden. Diese will das IQWiG nach Ablauf der Frist sichten. Danach wird der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht an den Auftraggeber G-BA weitergeleitet.  © hil/aerzteblatt.de

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