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Medizin

Alkoholismus: Kernspin zeigt Rückfallrisiko an

Mittwoch, 19. September 2012

Berlin – Strukturelle und funktionelle Veränderungen im Cortex, die mittels der Kernspintomographie festgestellt werden können, zeigten in einer Studie in den Archives of General Psychiatry (2012; 69: 842-85) ein mögliches Rückfallrisiko von entgifteten Alkoholkranken an.

Das Team um Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité, hatte 46 entgiftete Alkoholpatienten sowie eine ebenso große Kontrollgruppe mittels der Kernspintomographie untersucht. Die Alkoholkranken zeigten in den Bildern des 1,5-Tesla starken Scanners Auffälligkeiten, die für die Krankheit als typisch gelten. Dazu gehört eine gewisse Atrophie in Abschnitten des orbitofrontalen Cortex, die an der Verhaltensregulierung und der Emotionskontrolle beteiligt sind. Diese Veränderungen waren den Autoren zufolge bei Patienten, die bei einer Nachuntersuchung nach drei Monaten rückfällig geworden waren, besonders deutlich aufgeprägt.

Unterschiede fanden die Hirnforscher auch in der funktionellen Kernspintomographie. Sie stellt die Veränderungen der Hirnaktivität bei bestimmten Aufgaben oder Schlüsselreizen dar. Bei Alkoholkranken löst bereits der Anblick eines frisch gezapften Bieres andere Reaktionen aus als bei einem Gesunden. Die Berliner Forscher fanden hier Unterschiede zwischen den abstinenten und den später rückfälligen Patienten.

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Bei den Rückfallpatienten wurden durch die Schlüsselreize vor allem Hirnareale aktiviert, die in erster Linie mit der Aufmerksamkeitslenkung assoziiert sind. Im Gegensatz dazu zeigten die abstinenten Alkoholpatienten eine Aktivierung der Hirnbereiche, die unter anderem der Verarbeitung von Reizen zugeordnet werden, die Widerwillen hervorrufen (aversive Reize) oder besonders bedeutsam sind (saliente Reize).

Anne Beck, die Erstautorin der Studie, interpretiert dies als mögliche Warnsignale, die im günstigen Fall einen Rückfall des Alkoholkranken verhindern. Die Forscherin hält es für möglich, dass in Zukunft kernspintomographische Untersuchungen genutzt werden können, um rückfallgefährdete Menschen frühzeitig zu identifizieren. Dies müsste allerdings erst in größeren prospektiven Studien überprüft werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #99598
Clemens-X
am Donnerstag, 20. September 2012, 13:30

Und welche konkreten Folgerungen ergeben sich nun daraus?

Zitat: „Anne Beck, die Erstautorin der Studie, interpretiert dies als mögliche Warnsignale, die im günstigen Fall einen Rückfall des Alkoholkranken verhindern. Die Forscherin hält es für möglich, dass in Zukunft kernspintomographische Untersuchungen genutzt werden können, um rückfallgefährdete Menschen frühzeitig zu identifizieren. Dies müsste allerdings erst in größeren prospektiven Studien überprüft werden.”

Ich habe den Eindruck, dass hier mal wieder mit der einseitigen Betrachtung und Interpretation von Hirnforschungsergebnissen unzulässige Folgerungen gezogen werden: Solche Folgerungen können zum Schluss führen, dass jemand mit einer bestimmten Auffälligkeit der Hirnaktivität oder Hirnstruktur zu bestimmten Verhaltensweisen neigt.

Richtig wäre meiner Meinung nach der psychotherapeutische Ansatz, ergänzt durch moderne Hirnforschung:

1.) Der Alkoholkranke ist deshalb alkoholkrank geworden, weil er für die Bewältigung seiner Konflikte keine bessere Strategie zur Verfügung hatte. Sein Verhalten, in die Sucht zu flüchten, stellt eine dysfunktionale Bewältigungsstrategie dar. Und die Sucht entwickelt sich aus der Eigendynamik, die am besten beschrieben wird durch das Motto: „Mehr davon! / Mehr vom Gleichen!” ...weil die bisher zugeführte Menge Alkohol als nicht zur Problemlösung ausreichend wahrgenommen wurde.
Eine ursächlich arbeitende, ehrliche Therapie muss hier ansetzen.

2.) Im Zuge der Entwicklung der dysfunktionalen Bewältigungsstrategie fand beim Alkoholkranken ein Lernprozess statt. Und die moderne Hirnforschung hat seit Jahren bewiesen, dass dieser Lernprozess konkrete substanzielle Veränderungen in der Hirnstruktur bewirkt (Stichwort Neuroplastizität).

Wenn also die Forscher hier typische Veränderungen in den Hirnen von Alkoholkranken gefunden haben, ist dies eher ein Beleg dafür, dass die Neuroplastizität auch wirksam ist beim Erlernen von Suchtverhalten. Sie ist aber kein Beleg dafür, dass Menschen womöglich von Anfang an bestimmte Hirnstrukturen und veränderte Aktivitätspotenziale aufweisen, die ein späteres Suchtverhalten begünstigen.
Es geht mir also darum, darauf hinzuweisen, dass bei solchen Forschungsergebnissen zuweilen Ursache und Wirkung vertauscht werden!

Warum das keinesfalls selbstverständlich ist? — Weil bei der Diagnose AD(H)S oder der Diagnose Depression ganz ähnlich argumentiert wird und diese Art der Argumentation der Pharma-Industrie nutzt, die Milliarden-Beträge an Psychopharmaka verdienen kann — zu Lasten der Betroffenen und zu Lasten der Solidargemeinschaft des Gesundheitswesens!
Und wer meint, dass meine Meinung lediglich die eines Außenseiters sei (mit der für solch eine Beurteilung angeblich unzureichenden Ausbildung als Heilpraktiker der Psychotherapie), dem empfehle ich, z.B. das Buch „Neues vom Zappelphilip„ zu lesen, das vom Hirnforscher Gerald Hüther verfasst wurde. Mit der extremen Genauigkeit und Logik eines seriösen Forschers belegt er hier minutiös, wie von bestimmten Kreisen der Forschung Ursache und Wirkung vertauscht wurden, dann eine kreisförmige Argumentationskette erfunden wurde, die dann in internationalem Maßstab treu nachgebetet wurde, bis deren „Richtigkeit” kaum noch jemand in Frage zu stellen wagt. Ganz wie bei „Des Kaisers neue Kleider”!

Man kann aber auch diese Forschungen unter dem Gesichtspunkt „Cui bono?” betrachten und das Buch „Nebenwirkung Tod” von Dr. John Virapen lesen, in dem die kriminellen Machenschaften eines der weltgrößten Pharma-Riesen im Detail beschrieben werden, einschließlich der offenen Fälschung von Forschungs-Studien!

Ich wünsche Ihnen allen die nötige kritische Sichtweise
und einen angenehmen, erfolgreichen Tag!

Clemens M. Hürten - Lebenslust jetzt! - Rottweil
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