NewsVermischtesKinder sind keine kleinen Erwachsenen – auch nicht für Laborärzte
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – auch nicht für Laborärzte

Freitag, 21. September 2012

dpa

Bonn/Mannheim – Auf die besonderen Aufgaben, die sich Laborärzten bei der Mitbe­treuung von Kindern und Jugendlichen stellen, hat die Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) hingewiesen. Untersuchungen bei dieser Patientengruppe seien für Labormediziner eine spezielle Herausforderung, nicht zuletzt bei der Präanalytik, Analytik, und Postanalytik von Laboruntersuchungen zum Beispiel bei Stoffwechselstörungen, bei genetisch determinierten Krankheiten oder bei Infektionen.

Eine große Herausforderung seien Probenmengen, die den Medizinern bei den kleinen und kleinsten Patienten in der Diagnostik zur Verfügung stünden. „Ein 1.000 Gramm leichtes Frühchen hat insgesamt nur 80 Milliliter Blut. Bei einer normalen Blutentnahme beim Erwachsenen werden etwa zehn Milliliter abgenommen. Dies geht natürlich bei kleinen Kindern nicht“, sagte Klaus Kohse, Mitglied des Präsidiums der DGKL und Direktor des Instituts für Laboratoriumsdiagnostik und Mikrobiologie am Klinikum Oldenburg.

Anzeige

Der Labormediziner müsse mit extrem kleinen Volumina auskommen und vor der Geburt sogar auf gänzlich andere Testverfahren zurückgreifen. Die Spanne reiche dabei von der Untersuchung des genetischen Materials, die seit Kurzem auch über das Blut der Mutter erfolgen könne, bis zur Bestimmung des Blutbildes mit Hilfe einer Probennahme aus der Nabelschnur vor der Geburt. „Daran wird deutlich, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind und die pädiatrische Laboratoriumsmedizin eine eigene medizinische Fachdisziplin ist“, betonte Kohse.

Ein weiteres Problem sind laut der DGKL die sogenannten Referenzintervalle. Es sei bei Kindern und Jugendlichen oft schwierig, Laborergebnisse eindeutig dem Bereich „krank“ oder „gesund“ zuzuordnen. Daher benötigen die Labormediziner für jede Entwicklungs­phase passende Bezugsgrößen, eben jene Referenzintervalle. Doch trotz einer Vielzahl von entsprechenden Ansätzen in den vergangenen Jahren sind die Referenzintervalle der Ergebnisse von Laboratoriumsuntersuchungen laut der Fachgesellschaft für die pädiatrische Population oft nur schlecht definiert.

Der Grund: Referenzintervalle für Kinder festzulegen, sei sehr schwierig, denn hierzu seien viele gesunde Freiwillige nötig. „Wir benötigen weitere Studien, die von uns als Fachgesellschaft initiiert und nach Möglichkeit mit Finanzmitteln aus der Politik und der Wissenschaftsförderung kommen sollten“, forderte daher Joachim Thiery, Präsident der DGKL und Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik am Universitätsklinikum Leipzig. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

30. November 2020
Heidelberg – Die Gesellschaft für Virologie (GfV) hat auf die hohe Zuverlässigkeit des PCR-Tests (Polymerase Chain Reaction) in der Diagnostik von SARS-CoV-2 hingewiesen. Die Sensitivität des
PCR-Test auf SARS-CoV-2 zeigt hohe klinisch-diagnostische Sensitivität von nahezu 100 Prozent
25. November 2020
Passau – Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund ist mit der Zahl der Coronatests in Deutschland unzufrieden. „Pro eine Million Einwohner wird beispielsweise in Belgien und Spanien viel mehr, in
Marburger Bund hält Zahl der Coronatests in Deutschland für zu niedrig
24. November 2020
Berlin – Die Zahl der PCR-Tests auf SARS-CoV-2 ist in der vergangenen Woche mit 1.254.799 unverändert hoch geblieben. Die Zahl der positiven Tests ist hingegen weiter auf jetzt 9,6 Prozent gestiegen
Corona-PCR-Tests: Neuer Höchstwert bei der Positivrate
17. November 2020
Berlin – Die vom Robert-Koch-Institut (RKI) vorgestellten Testkriterien für den Herbst und Winter zeigen erste Auswirkungen: Die Zahl der SARS-CoV-2-PCR-Tests ist zurückgegangen. „Unsere
Weniger PCR-Corona-Tests, aber höchste Positivrate
12. November 2020
Berlin – Die Verbandschefin der Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD) hat sich gegen Bayerns Sonderweg mit kostenlosen Tests auf SARS-CoV-2 auch für symptomfreie Menschen ausgesprochen. „Ich
BVÖGD kritisiert Bayern für Teststrategie
11. November 2020
Berlin – Deutschland diskutiert über die beste Strategie für den Winter, über eine „wellenbrechende“ Strategie. Bislang galten die niedergelassenen Ärzte als „Schutzwall“. Das Deutsche Ärzteblatt (DÄ)
„Die Teststrategie müsste eher eine wissenschaftliche Leitlinie sein, als ein juristischer Text“
10. November 2020
Berlin – Der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) drängt darauf, dass Arztpraxen den Datenaustausch mit den medizinischen Laboren digitalisieren. Mit einem schnelleren Anschluss gerade der
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER