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Ärzteschaft

Internisten sprechen sich gegen Praxisschließungen aus

Donnerstag, 27. September 2012

Berlin – Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) hat sich im anhaltenden Honorarstreit mit den Krankenkassen gegen Praxisschließungen ausge­sprochen. „Um unsere berechtigten Forderungen durchzusetzen, sollten wir nichts tun, was auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird“, sagte BDI-Präsident Wolfgang Wesiack beim 5. Deutschen Internistentag, der noch bis Samstag in Berlin stattfindet. Es gebe auch andere Formen des Protests. So stehe der BDI ausdrücklich hinter dem Vorhaben, die Vertragsärzte und Psychotherapeuten flächendeckend zum Sicherstellungsauftrag zu befragen. Den Ärzten gehe es bei dem Streit nicht in erster Linie um Honorarsteigerungen, sondern um eine angemessene Finanzierung der medizinischen Versorgung der Patienten.

Die zuwendungsorientierte Behandlung der Kranken trete ohnehin mehr und mehr in den Hintergrund. „Inzwischen dominiert die Ökonomie die Medizin“, erklärte der BDI-Prä­sident. Von einem Dauerkonflikt zwischen dem Wohl des Patienten und den Wirtschafts­interessen der Krankenhäuser sprach seine Vorstandskollegin Petra-Maria Schumm-Draeger.

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Dort würden vermehrt Zielvereinbarungen zur Patientenversorgung vorge­geben, die bezüglich der Zahl der Fälle, der anzustrebenden Verweildauer und des Schweregrades der Erkrankung eher an Vorgaben aus der Industrie erinnerten. Das Mehr an Leistungen müsse zudem mit immer weniger Personal erbracht werden.

„Diese Situation ist patientenfeindlich“, sagte Schumm-Draeger. Älteren multimorbiden Patienten könne man unter solchen Bedingungen nicht mehr gerecht werden. Heftig kritisierte sie zudem Bonusverträge zur Effizienzsteigerung, die mit Chefärzten geschlossen werden. Diese erzeugten eine ungesunde Atmosphäre und stünden im krassen Gegensatz zu einer adäquaten Patientenversorgung. „Der BDI lehnt Bonusverträge ab“, sagte Wesiack. „In die Berufsordnung gehört hinein, dass solche Verträge sittenwidrig sind.“ Deshalb appellierte er an die Bundes­ärzte­kammer, sich für eine solche Änderung einzusetzen.

Mit Blick auf den drohenden Hausärztemangel forderte Wesiack mehr Flexibilität der Versorgungsstrukturen.  „Es gibt ein objektives Problem in der hausärztlichen Versorgung“, so der niedergelassene Internist. Die Zahl der Allgemeinmediziner gehe kontinuierlich zurück, während die der hausärztlichen Internisten stetig steige.

Das allein reiche aber nicht aus, um die künftige Versorgung sicherzustellen. Deshalb müsse man das bisherige Konzept überdenken und auch andere patientennahe Fachärzte in die hausärztliche Versorgung einbinden. Denn, so Wesiack, der Hausarzt der jungen Frau sei oft der Gynäkologe. © HK/aerzteblatt.de

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