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Ausland

In Syrien droht Flüchtlings­katastrophe

Donnerstag, 27. September 2012

EIn Mann geht durch das Flüchtlingslager Za'atari in Jordanien dapd

Genf/Beirut – Angesichts der anhaltenden Kämpfe in Syrien befürchten die Vereinten Nationen einen regelrechten Flüchtlingsstrom in die Nachbarländer. Bis Jahresende könnte die Zahl der ins Ausland geflüchteten Syrer von derzeit 300.000 auf 700.000 steigen, warnte der zuständige Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Donnerstag. Laut Aktivisten war Mittwoch mit mehr als 300 Toten der blutigste Tag seit Beginn der Proteste im März 2011.  

Allein im August flohen rund 100.000 Syrer vor den Kämpfen. „Uns geht die Zeit aus“, warnte der UNHCR-Koordinator für Syrien, Panos Moumtzis, in Genf. Angesichts des nahenden Winters müssten umgehend Maßnahmen getroffen werden, um sich auf die erwarteten weiteren Flüchtlinge vorzubereiten. Der Hilfsbedarf bis Ende des Jahres wird derzeit auf 379 Millionen Euro geschätzt. Laut Moumtzis sind davon nur rund 110 Millionen Euro gedeckt.  

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UNHCR-Schätzungen zufolge treffen auf der Flucht vor den Kämpfen in Syrien täglich 2.000 bis 3.000 Menschen in den Nachbarländern ein. Etwa 75 Prozent der Flüchtlinge sind demnach Frauen und Kinder. „Wir sind überwältigt worden“, sagte Moumtzis zu dem unerwartet starken Flüchtlingsstrom, der seit Juli noch einmal deutlich angeschwollen sei. Angesichts des sehr hohen Anteils an Kindern bestehe verstärkt Bedarf an Mitteln für Bildung und Gesundheitsversorgung.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London berichtete unterdessen, dass Mittwoch der bislang blutigste Tag seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad war. Mehr als 305 Menschen seien innerhalb von 24 Stunden getötet worden, sagte der Leiter der oppositionsnahen Organisation, Rami Abdel Rahman. Gezählt worden seien dabei nur namentlich bekannte Opfer, sonst wäre die Zahl sogar noch weitaus höher. Die Angaben der Beobachtungsstelle sind ebenso wie der der syrischen Regierung von unabhängiger Seite nicht nachprüfbar.

Der UN-Sicherheitsrat erreichte derweil erneut keine Einigung zum Konflikt in Syrien. „Die Gräuel verschlimmern sich, während der Sicherheitsrat gelähmt bleibt“, kritisierte US-Außenministerin Hillary Clinton, die einen erneuten Anlauf für Strafmaßnahmen gegen Assad forderte. Der französische Außenminister Laurent Fabius nannte es „schockierend“, dass der Sicherheitsrat bisher nicht gehandelt habe.  

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) beklagte, dass Frieden für die Menschen in Syrien ein „ferner Traum“ bleibe. Die internationale Gemeinschaft müsse „vereint“ der Gewalt ein Ende setzen und einen politischen Übergangsprozess einleiten. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte seinerseits, ein „bedeutender Anteil an der Verantwortung für das Blutvergießen“ liege bei jenen Staaten, die Assads Gegner „aufhetzten“.afp

  

© afp/aerzteblatt.de

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