NewsMedizinRNA-Signatur teilt multiple Sklerose neu ein
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

RNA-Signatur teilt multiple Sklerose neu ein

Donnerstag, 27. September 2012

Boston – Ob eine multiple Sklerose zu einem schubförmigen Verlauf neigt, könnte künftig durch eine Blutuntersuchung vorhersehbar werden. Die in Science Translational Medicine (2012; 4: 153ra131) vorgestellte Transkriptom-Analyse könnte auch zur Grundlage für eine zielgerichtete Therapie werden.

Das Transkriptom ist die Summe aller RNA-Moleküle in einer Zelle. Da die Boten-RNA das Bindeglied zwischen dem Datenspeicher (DNA) und den Proteinproduzenten (Ribosomen) bildet, ist die Transkriptom-Analyse ein Spiegelbild der Zellaktivität. Bei der multiplen Sklerose gehört dazu eine erhöhte Bereitschaft der Abwehrzellen zum Angriff auf die Myelinscheiden im Zentralnervensystem.

Dies kann auch im peripheren Blut untersucht werden. Wie Philip de Jager vom Brigham and Women’s Hospital in Boston berichten, kommt es in den Monozyten zu einer vermehrten Expression von bestimmten Rezeptoren aus der Signalkette der Lymphozyten. Aufgrund der Transkriptom-Analyse von 141 unbehandelten MS-Patienten unterscheidet de Jager zwei Gruppen von MS-Patienten, die er als MSA und MSB bezeichnet.

Anzeige

Eine MSA-Signatur zeigt dabei einen besonders aggressiven Krankheitsverlauf mit häufigen Schüben an. Dies war in einer zweiten Kohorte von 232 Patienten auch dann der Fall, wenn die Patienten mit Glatiramer oder Interferon beta behandelt wurden. Hier kam es bei MSA-Patienten signifikant häufiger als bei MSB-Patienten zu einem erneuten Schub. De Jager hofft, dass die Signatur eines Tages eine zielgerichtete Therapie der multiplen Sklerose ermöglicht.

Dabei würden MSA-Patienten gleich zu Beginn der Therapie stärkere Medikamente erhalten als MSB-Patienten. Eine Umsetzung der Idee ist indes noch nicht in Sicht. Die Transkriptomforschung befindet sich derzeit noch in den Kinderschuhen. Als nächstes wollen die Forscher untersuchen, ob sich das Transkriptom im Verlauf der Erkrankung verändert, was den Vorhersagewert einer einzelnen Untersuchung herabsetzten könnte. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

7. Februar 2019
Freiburg – Bislang unbekannte Immunzellen haben Wissenschaftler um Marco Prinz, Ärztlicher Direktor des Instituts für Neuropathologie am Universitätsklinikum Freiburg, im Gehirn von Patienten mit
Neuentdeckte Art Immunzellen an Multipler Sklerose beteiligt
16. Januar 2019
Chicago und Melbourne – Eine nicht myeloablative Stammzelltherapie hat in einer offenen randomisierten Vergleichsstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 321: 165-174) Patienten mit
Multiple Sklerose: Stammzelltherapie zeigt in Vergleichsstudie überlegene Wirkung
28. Dezember 2018
Essen/Münster – Die Blutgerinnung und das Enzym Kallikrein nebst seiner Vorstufe Kinin tragen dazu bei, dass weiße Blutkörperchen bei der Multiplen Sklerose (MS) die Blut-Hirn-Schranke überwinden und
Wie Immunzellen bei Multipler Sklerose die Blut-Hirn-Schranke überwinden
19. Dezember 2018
München – Fingolimod (Gilenya) hat in der Europäischen Union (EU) eine Zulassung für die Therapie einer Multiplen Sklerose (MS) bei Kindern ab zehn Jahren erhalten. Bislang war der Wirkstoff nur für
Fingolimod erhält in der EU Zulassung zur MS-Therapie bei Kindern und Jugendlichen
22. November 2018
Silver Spring/Maryland – Das Absetzen des Immunsuppressivums Fingolimod, das seit 2011 zur Behandlung einer hochaktiven, schubförmig-remittierend verlaufenden Multiplen Sklerose (MS) zugelassen ist,
FDA warnt bei Multipler Sklerose vor deutlicher Verschlechterung nach Absetzen von Fingolimod
29. Oktober 2018
München – Das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) hat sein neues Qualitätshandbuch mit den aktualisierten Empfehlungen zur Behandlung der MS vorgestellt. Das KKNMS gibt seine
Handbuch zur Therapie der Multiplen Sklerose aktualisiert
12. Oktober 2018
Zürich – Schweizer Forscher haben möglicherweise das lang gesuchte Autoantigen entdeckt, das der Auslöser für die Multiple Sklerose ist. Laut ihrem Bericht in Science Translational Medicine (2018;
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER