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Medizin

WHO: Neues „SARS-Virus“ offenbar wenig ansteckend

Freitag, 28. September 2012

Genf – Im Gegensatz zum „SARS-Virus“, das sich 2003 rasant über Kontinente hinweg ausbreitete, scheint das jetzt entdeckte neue Coronavirus kaum ansteckend zu sein. Eine effiziente Mensch-zu-Mensch-Übertragung findet nach derzeitiger Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht statt.

Die Bezeichnung „SARS-Virus“ ist nicht ganz korrekt. SARS beschreibt das Krankheits­bild des Schweren Akutes Respiratorisches Syndrom, an dem nach Zahlen der WHO in einer kurzen, aber heftigen Epidemie in 37 Ländern 8.422 Menschen erkrankten, von denen 916 starben. Auslöser war ein bis dahin unbekanntes Coronavirus, das sich per Tröpfcheninfektion verbreitet und als äußerst ansteckend eingestuft wurde.

Entsprechend groß war die Aufregung, als am 23. September in einem britischen Speziallabor erneut ein gefährliches Coronavirus entdeckt wurde. Es war bei einem Patienten isoliert worden, der derzeit in einer Klinik in London behandelt wird. Der 49 Jahre alte Mann war am 11. September von einer Klinik in Doha/Qatar aus verlegt worden. In Doha war er zuvor intensivmedizinisch behandelt worden. Nach den ersten respiratorischen Symptomen war es schnell zum schweren Atemnotsyndrom und einem akutem Nierenversagen gekommen. Der Patient schwebt derzeit noch in Lebensgefahr.

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Mit den gleichen Symptomen war im Juni ein Patient in einer Klinik in Jeddah in Saudi-Arabien behandelt worden. Er war dort nach 11 Tagen gestorben. Virologen der Erasmus Universität in Rotterdam hatten danach ebenfalls ein neuartiges Coronavirus als Ursache nachgewiesen. Die Gensequenzen der beiden Viren sind nahezu identisch, so dass die Virologen davon ausgehen, dass es sich um das gleiche Virus handelt.

Eine Übertragung zwischen den beiden Patienten ist jedoch äußerst unwahrscheinlich, da die Erkrankungen örtlich und zeitlich weit getrennt voneinander auftraten. Wahrscheinlicher ist, dass beide Patienten in ihrer Heimat im Nahen Osten dem gleichem Reservoir von Coronaviren ausgesetzt waren. Welche Tiere dies sind, ist noch unbekannt.

Von Anfang an klar war, dass das neue Coronavirus nicht mit dem „SARS-Virus“ identisch ist. Dennoch musste die Gefahr einer raschen Ausbreitung ernst genommen werden. Die britische Health Protection Agency (HPA) ließ deshalb in den letzten Tagen Kontaktpersonen untersuchen, von denen sich aber niemand angesteckt hat, was die HPA und die WHO jetzt zu einer vorsichtigen Entwarnung veranlasst.

Die WHO hatte in den letzten Tagen eine Fall-Definition veröffentlicht. Virologen der Universität Bonn haben einen ersten Nachweistest auf PCR-Basis entwickelt. Das Robert Koch-Institut rät vorsichtshalber, die strengen Hygienemaßnahmen entsprechend den Empfehlungen für Erkrankungen durch das „SARS-Virus“ durchzuführen, sollte es zu Verdachtsfällen in Deutschland kommen. © rme/aerzteblatt.de

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