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Medizin

Afrika: Neuer Salmonellenvariante im Schatten von HIV

Montag, 1. Oktober 2012

Cambridge – Die Immunschwäche von HIV-Infizierten erhöht nicht nur die Anfälligkeit für Infektionen. Auch das Erregerspektrum kann sich verändern. In Afrika hat sich einer Studie in Nature Genetics (2012; doi: 10.1038/ng.2423) zufolge in den letzten Jahr­zehnten eine neue Salmonellenvariante mit einer hohen Letalität ausgebreitet, die teilweise resistent gegen Antibiotika ist.

Infektionen mit S. enterica verlaufen sehr unterschiedlich. Während die Serovare Typhi und Paratyphi schwere systemische Erkrankungen verursachen, bleiben die Symptome bei Infektionen mit non-typhoidalen Serovaren in aller Regel auf den Darm beschränkt. In Afrika ist dies infolge von Mangelernährung, Malaria und HIV anders.

Bei Menschen mit eingeschränkter Immunabwehr kann auch eine Infektion mit non-typhoi­dalen Salmonellen einen invasiven Verlauf nehmen, der in einem Viertel der Fälle tödlich endet. Die Gruppe um Gordon Dougan vom Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge in England hat nun herausgefunden, dass sich in Afrika in den letzten Jahrzehnten eine besondere Variante der invasiven non-typhoidalen Salmonellen­erkrankungen (iNTS) ausgebreitet hat. Sie gehören zum Serovar Salmonella typhimurium, unterscheiden sich aber genetisch von den Salmonella typhimurium außerhalb Afrikas.

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Anhand einer genetischen Untersuchung von 179 Isolaten aus den Jahren 1938 bis 2010 rekonstruierten die Forscher Ursprung und Ausbreitung dieser Variante. Genau genommen handelt es sich um 2 „Linien“, die einmal vor 52 Jahren in Südostafrika und das zweite Mal vor 35 Jahren in Zentralafrika entstanden und sich dann, wie Dougan annimmt, parallel zum HI-Virus in Afrika ausbreiteten. Die Erreger der Linie 2 haben frühzeitig eine Resistenz gegen Antibiotika erworben. Überall dort, wo Chloramphenicol zur Behandlung der iNTS eingesetzt wird, hat sich diese Linie 2 bald durchgesetzt.

Die Gefahr einer Ausbreitung nach Europa scheint nicht zu bestehen. Denn die schwere Immunschwäche, die Voraussetzung für die Ausbreitung ist, ist hierzulande dank der antiretroviralen Therapie selten geworden. Malaria und Mangelernährung entfallen ebenfalls als begünstigende Faktoren. © rme/aerzteblatt.de

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