NewsMedizinDurchseuchung der Bevölkerung mit multiresistenten gramnegativen Bakterien nimmt zu
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Durchseuchung der Bevölkerung mit multiresistenten gramnegativen Bakterien nimmt zu

Dienstag, 2. Oktober 2012

Hamburg – Gramnegative, Beta-Laktamase bildende Bakterien machen aktuellen Studien zu Folge circa die Hälfte der Erreger mit Antibiotikaresistenzen bei den nosoko­mialen Infektionen auf deutschen Intensivstationen aus. Das hat Petra Gastmeier von der Charite Berlin bei der 64. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie in Hamburg berichtet.

Zunehmend werde eine Ausbreitung von Enterobacteriaceen mit einem erweiterten Spektrum von Beta-Laktamspaltenden Enzymen (extended spectrum beta-lactamases producing Enterobacteriaceen, ESBL) in der Umwelt nachgewiesen, ebenso die Durchseuchung der Normalbevölkerung. ESBL könnten überall überleben: im Abfall, im Erdboden, in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln.

So seien zum Beispiel ESBL bei 44 Prozent von 399 Hühnerfleischabstrichen aus deutschen Super- und Biomärkten in einer Untersuchung vom vergangenen Jahr nachgewiesen worden, sagte Gastmeier. Dabei wurden ESBL mit Resistenz-Genen der Familien CTX-M, TEM und SHV nachgewiesen. Beide Resistenz-Genfamilien wurden auch in Isolaten vom Menschen beschrieben.

Anzeige

„Die neuen Regelungen zur Verminderung der Antibiotikaanwendung in der Tierzucht sind ein Schritt in die richtige Richtung, reichen aber nicht aus“, sagte Gastmeier zum Deutschen Ärzteblatt. „Es sollten konkrete Zielvorgaben für eine Reduktion der Antibiotika in der Nutztierhaltung gemacht werden, besonders für Antibiotika, die auch in der Humanmedizin angewandt werden.“

Die Selektion von multiresistenten gramnegativen Bakterien bei Patienten erfolge vor allem im der ambulanten Versorgung, die meisten Carrier seien asymptomatisch. Circa jeder zwanzigste Bundesbürger könnte kolonisiert sein. „Es gibt derzeit nur Daten zu Punktprävalenzen für die Besiedelung, aber wir gehen davon aus, dass 3,5 bis fünf Prozent der Normalbevölkerung mit ESBL besiedelt sind“, erläuterte.

Für eine Punktprävalenzstudie haben Gastmeier und ihr Team die Teilnehmer einer Konferenz zur nationalen Surveillance von nosokomialen Infektionen auf Intensiv­stationen um einen Abstrich vom Rektum gebeten. Die Proben von mehr als 200 Teilnehmern waren auswertbar.

„Wir brauchen dringend epidemiologische Studien zur ESBL-Besiedelung über längere Zeiträume: sowohl für die Normalbevölkerung, als auch für bestimmte Subgruppen, aber auch für den veterinärmedizinischen Bereich“, sagte Klaus-Peter Hunfeld, Chefarzt am Zentralinstitut für Labormedizin, Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Kranken­haus Nordwest in Frankfurt am Main. So hat ein Screening unter Frauen mit Risiko­schwangerschaften, die an der Charite behandelt worden waren, eine ESBL-Prävalenz von 14 Prozent über drei Monate ergeben, bei den Neugeborenen von zwei Prozent.

Vermehrte Harnwegsinfekte in der Schwangerschaft seien eine mögliche Ursache, sagte Gastmeier. Jetzt müssten größere Studien zu dieser Fragestellung folgen, die auch klären sollten, ob ein ESBL-Screening bei Risikoschwangerschaften sinnvoll sein könne. Außer MRSA waren in letzter Zeit auch ESBL schon Ursache von Ausbrüchen auf Geburtsstationen. © nsi/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #84579
Amtsarzt-2
am Mittwoch, 10. Oktober 2012, 22:03

MRSApp

Die kostenlose App zu MRSA-Hygienetipps mit Videos ...jetzt verfügbar
http://www.rhein-kreis-neuss.de/de/buergerservice/onlinedienste/gesundheits-app.html
QR-Code unter
http://www.eoegd.de/?section=egov-app

LNS
NEWSLETTER