Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Verdacht auf manipulierte Laborwerte bei Organvergabe in München

Donnerstag, 4. Oktober 2012

München – Die Staatsanwaltschaft unter­sucht den Verdacht auf vorsätzliche Mani­pu­­lation bei der Vergabe von Organen am Münchner Klinikum rechts der Isar. Die jüngsten Erkenntnisse würden in den „Prüfvorgang“ mit ein­fließen, sagte ein Sprecher der Münch­ner Anklagebehörde am Dienstag. Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom Donnerstag zufolge erhärtet sich der Verdacht auf Manipulationen bei zwei weiteren Lebertransplantationen.

Zuvor hatte das Krankenhaus dem Gesundheits- und dem Wissenschaftsministerium mitgeteilt, dass womöglich doch Laborwerte vorsätzlich gefälscht worden waren, um einen Patienten bei der Organverteilung gezielt zu bevorzugen. Zunächst war die Klinikleitung davon ausgegangen, dass zwar Fehler gemacht, aber keine vorsätzlichen Verstöße begangen wurden.

Anzeige

Neun auffällige Transplantationen
Insgesamt gibt es bei neun Lebertransplantationen am Klinikum rechts der Isar Auffälligkeiten, die derzeit von der Prüfungs- und der Überwachungskommission der Bundes­ärzte­kammer untersucht werden. Der Ärztliche Direktor des Klinikums, Reiner Gradinger, erklärte: „Wir müssen davon ausgehen, dass in einem Fall manipulierte Laborwerte zu einer Transplantation geführt haben könnten.“ Daher sei umgehend die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden.

Nun werde alles daran gesetzt, dass dieser Vorgang aufgeklärt werde. Da es sich um ein laufendes Verfahren handele, könnten zu den beteiligten Personen und den näheren Umständen keine Angaben gemacht werden, sagte Gradinger.

Eurotransplant widerspricht der Klinik
Laut Süddeutscher Zeitung widerspricht die Stiftung Eurotransplant bei zwei weiteren Lebertransplantationen der Darstellung des Klinikums. Demnach sollen zwei Krebs­patienten eine Leber erhalten haben, deren Erkrankung offenbar bereits metastasiert war. Dies sei nach den Richtlinien der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) aber ein Ausschluss­kriterium für eine Lebertransplantation.

Dass Patienten dennoch einen Platz auf der Warteliste bekommen hätten, „war mit der Organvermittlungsstelle Eurotransplant abgesprochen“, sagte der Leiter des Trans­plantations­zentrums, Uwe Heemann, dem Blatt. Dem widersprach die Vermittlungsstelle.

Es habe keine Absprachen über die Aufnahme von Patienten auf eine der Wartelisten gegeben, sagte der medizinische Direktor von Eurotransplant, Axel Rahmel, der Zeitung. Eurotransplant könne bei der Vermittlung von Spenderorganen wohl kaum Verstöße gegen die Transplantationsrichtlinien genehmigen. „Allein die Transplantationszentren sind für die Entscheidung über die Aufnahme auf eine der Wartelisten verantwortlich“, sagte Rahmel.

Stiftung fordert Schwerpunktstaatsanwaltschaft
Die Deutsche Hospiz Stiftung forderte, dass sich eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft mit den deutschen Organskandalen befasst: Das Transplantationssystem sei bundesweit organisiert. Daher mache es keinen Sinn, dass die Ermittler an Ländergrenzen Halt machen müssten, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) müsse zudem sofort eine Task Force einrichten. © dapd/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

johann.gruber
am Sonntag, 7. Oktober 2012, 23:41

Fälschung, nicht Manipulation

WIKIPEDIA erläutert: "Eine FÄLSCHUNG ist die bewusste Herstellung eines Objektes oder einer Information zur Täuschung Dritter."
Bitte nennen Sie künftig eine Fälschung auch eine Fälschung und nicht verharmlosend eine Manipulation!
Andreas Skrziepietz
am Donnerstag, 4. Oktober 2012, 16:13

Spenderausweis unverzüglich im Mülleimer ablegen

Falls noch jemand einen besitzt. Man müßte ja wirklich total bescheuert sein, wenn man als Ersatzteillager für Reiche dienen wolte.
Ein gutes hat die Sache aber: der Engländer wird sich in zahlreichen TV-Sendungen wichtig machen können.

Nachrichten zum Thema

26.04.17
München – Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) und das Bayerische Gesundheitsministerium wollen beim nächsten Spieltag im Amateurfußball für Organspenden werben. „Das Thema Organspende geht die ganze......
25.04.17
Dresden – Sachsens Regierung will mehr Menschen für eine Organtransplantation gewinnen. Dem dient auch eine Gesetzesnovelle zum Transplantationsgesetz, über die Gesundheitsministerin Barbara Klepsch......
18.04.17
Organspenden gehen im ersten Quartal leicht zurück
Berlin – Die Zahl der postmortalen Organspenden in Deutschland ist im ersten Quartal 2017 im Vergleich zum Vorjahr weiter leicht gesunken. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Deutschen Stiftung......
18.04.17
Kapstadt – Eine makabre Kinowerbung hat in Südafrika zu einem deutlich Anstieg von Organspenderegistrierungen geführt. In dem Spot wirbt eine fiktive „New Day Clinic“ in Kapstadt für eine......
07.04.17
Bremen – Die Krankenkasse Barmer hat gefordert, die Zahl der Transplantationszentren um mehr als die Hälfte zu reduzieren. „Wir benötigen keine 50, sondern maximal 20 Transplantationszentren in......
02.03.17
Minneapolis – US-Forscher haben einen möglichen Ansatz zur längeren Aufbewahrung von Spenderorganen entwickelt. Im Labor gelang es ihnen, tierische Gewebeteile mit einem besonderen Verfahren schonend......
31.01.17
Organspende: Hohe Bereitschaft, wenig Vertrauen
Hamburg – Die grundsätzliche Bereitschaft zur Organspende in Deutschland ist hoch, auch wenn die tatsächlichen Spenderzahlen im vergangenen Jahr auf einen Tiefststand gefallen sind. Das geht aus einer......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige