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Medizin

Schwere Erkrankungen durch neues Coronavirus könnten zoonotischen Ursprung haben

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Köln – Es sind bislang zwar nur zwei sporadische Erkrankungen bekannt geworden, die ein neuartiges Coronavirus hervorgerufen hat. Aber diese sind sehr schwer verlaufen, bei einem Patienten tödlich. Charakteristisch sind die Symptomenkombination aus schwerem Atemnotsyndrom und frühem akutem Nierenversagen und die Herkunft der Patienten von der arabischen Halbinsel.

Bei beiden Patienten war ein neuartiges Coronavirus als Ursache entdeckt worden, das in der nachgewiesenen Sequenz übereinstimmt, mit Ausnahme nur eines Nukleotids. Angesichts des internationalen Flugverkehrs hat sich auch die Bundesrepublik auf eine mögliche Einreise Infizierter vorbereitet. Was ist über den Erreger bisher bekannt? Wie ist darauf zu reagieren?

5 Fragen an Walter Haas von der Abteilung Infektionsepidemiologie des Robert-Koch-Instituts in Berlin.

DÄ: Ist bekannt, woher der neue Erreger stammt?
Haas: Nach derzeitigem Erkenntnisstand ist diese Frage ungeklärt. Die raschen, kompletten Analysen der Genome beider Viren legen den Schluss nahe, dass es sich um eine Zoonose handeln könnte, da es phylogenetische Ähnlichkeiten zu Coronaviren bei Tieren gibt. Wir müssen zum Beispiel bei Coronaviren, aber auch bei anderen viralen Erregern wie den Influenzaviren damit rechnen, dass neue Varianten auftreten, die die Speziesbarriere überwinden und für den Menschen pathogen sein können. Vermutlich ist nur ein kleiner Teil der Virusvarianten bei Tieren bekannt. 

DÄ: Wie infektiös ist das neue Virus?
Haas: Auch darüber wissen wir noch wenig. Aber bislang haben sich offenbar weder Kontaktpersonen infiziert, noch sind weitere Erkrankungsfälle bekannt geworden. Das spricht nicht für ein hohes Übertragungspotenzial. Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Fälle auftreten. Hinweise hierauf oder auf asymptomatische Infektionen gibt es bisher nicht. 

DÄ: Die Gefahr für eine Ausbreitung ist also gering?
Haas: Die bisher bekannt gewordenen Informationen scheinen dies zu bestätigen. Das Robert-Koch-Institut stellt aktuell dem öffentlichen Gesundheitsdienst und für Ärzte in Einrichtungen zur Versorgung von Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen eine kürzlich aktualisierte, spezifische Falldefinition zur Verfügung. Zusätzlich werden Informationen zur Diagnostik veröffentlicht falls in Deutschland weiter abzuklärende Fälle bekannt werden. Diese Materialien wurden in Zusammenarbeit mit den internationalen Gesundheitsbehörden entwickelt. Solange wir keine weiteren Erkenntnisse haben, müssen bei der Versorgung von Patienten mit entsprechendem Verdacht strenge Hygienemaßahmen eingehalten werden - in Anlehnung an die Empfehlungen des RKI für SARS.

DÄ: Ließe sich der Erreger sicher diagnostizieren?
Haas: Ja. Es stehen am RKI und der Universität Bonn verschiedene, spezifische Tests zur Verfügung. Die Diagnostik ist etabliert und sie muss zur raschen diagnostischen Klärung von Fällen bei entsprechendem klinischem Verdacht vorgehalten werden.

DÄ: Bei einigen hochpathogenen neuen Erregern hat man in der Vergangenheit sehr aktiv nach dem Virusreservoir in Tieren gesucht. Wird man auch bei dem neuen Virus versuchen, das Reservoir finden?
Haas: Natürlich wäre es hilfreich zu wissen, woher das Virus kommt, wie es verbreitet wird. Aber die Spurensuche ist ohne konkrete Anhaltspunkte schwierig. Allerdings wurden eng verwandte Coronaviren bereits in Fledermäusen beschrieben. © nsi/aerzteblatt.de

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