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Politik

Studie prognostiziert dramatischen Ärzte- und Pflegenotstand

Freitag, 5. Oktober 2012

dapd

Berlin – Einen massiven Personalmangel im Gesundheitswesen prognostiziert das Wirtschaftsprüfungsunternehmen PricewatherhouseCoopers (PwC) in einer heute erscheinenden Studie „112 – und niemand hilft“. Wenn Deutschland das augenblickliche Versorgungsniveau aufrechterhält, bleiben danach im Jahr 2020 rund 33.000 Arzt-Vollzeitstellen unbesetzt, 2030 sind bereits 76.000 Vollzeitstellen vakant, das entspricht einem Bundesdurchschnitt von 23,7 Prozent der Stellen. Bis zum Jahr 2030 fehlen laut der Studie 106.000 Ärzte.

Auch der Pflegenotstand wird sich laut der Studie weiter verschärfen. 2020 fehlen danach 212.000 Pflegekräfte, im Jahr 2030 328.000. Besonders dramatisch werde die Situation in der Altenpflege: Hier bleiben 2030 rund 33 Prozent der Stellen unbesetzt. Insgesamt fehlen bis 2030 575.000 Pflegekräfte.

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Allerdings ist die regionale Verteilung des Mangels bei Ärzten und Pflegekräften laut PwC sehr unterschiedlich. So prognostiziert die Studie für 2020 für Berlin mit 1,2 Prozent unbesetzbarer Stellen einen geringen Ärztemangel, für Rheinland-Pfalz dagegen eine Quote von 43,3 Prozent vakanter Arzt-Vollzeitstellen. Die Nummer zwei beim Ärztemangel soll laut PwC 2020 Brandenburg mit 34,2 Prozent freier Stellen sein.

PwC weist aber daraufhin, dass es durchaus Strategien gibt, dieses Szenario zu verhin­dern und den Mangel an Ärzten und Pflegekräften zumindest auf dem bereits heute vorhandenen Niveau zu halten. „Unser zentrales Problem ist, dass zu viele der mit erheblichem Aufwand ausgebildeten Fachkräfte ihren Beruf im Gesundheits- oder Pflegewesen erst gar nicht ausüben, ihn zu oft vorzeitig wieder aufgeben, ihn nur in Teilzeit ausüben und dass die vorhandenen Kapazitäten nicht immer effizient zum Einsatz kommen“, heißt es in der Studie.

Fast jeder vierte Arzt gebe die ärztliche Tätigkeit früher oder später auf, so die Ana­lysten. Eine höhere Teilnahmequote der Mediziner an der Patientenversorgung und eine geringere Abwanderung in alternative Berufsfelder sei nur zu erreichen, wenn die Tätigkeit insbesondere in der Klinik attraktiver werde.

PwC kritisiert, dass viele von der Politik initiierte Maßnahmen lediglich darauf abzielten, die Nachfrage nach ärztlichen oder pflegerischen Leistungen zu reduzieren. Dabei rückten die Maßnahmen zur Unterstützung und Motivation von Menschen, die die ärztlichen und pflegerischen Leistungen erbrächten, zu selten in den Fokus.

„Wenn wir heute nicht aktiv werden, wird die Gesundheitswirtschaft mittel- bis langfristig unter einem nie dagewesenen Fachkräftemangel leiden. Die Patientenversorgung in Krankenhäusern, Pflegeheimen und in Arztpraxen in der heute gewohnten Qualität ist erheblich in Gefahr“, so das Fazit von Michael Burkhart, Geschäftsbereichsleiter Gesundheitswesen und Pharma bei PwC und Leiter der Studie. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #107281
gerngesund
am Dienstag, 9. Oktober 2012, 11:20

Wir werden in _allen_ Bereichen Mangel haben!

Die Kinder, die heute nicht geboren sind, können morgen nicht arbeiten.
Das betrifft unsere ganze Gesellschaft.
Das betrifft LKW-Fahrer, die Medikamente transportieren, ebenso wie Apotheker, die diese Medikamente verkaufen und Ärzte, die sie verordnen. Das Betrifft Maurer, die Altenheime und Krankenhäuser bauen oder instandhalten, Rettungsdienste, die Unfallopfer bergen, Techniker, die neue medizinische Geräte entwickeln, Pharmazeuten und und und.
Wann wird endlich der deomgrafische Wandel Thema Nr 1 von Bürgermeister bis zur Bundeskanzlerin, von jedem mittelständischen Betrieb bis zu globalen Firmen?
Avatar #97621
LondonWestEnd
am Sonntag, 7. Oktober 2012, 15:11

Warum werden nicht bessere Studien-Zugangsvoraussetzungen für unsere Abiturienten geschaffen ??

Ich unterrichte "Deutsch für ausländische Ärzte" und habe ein großes Verständnis-Problem ... Wenn ich sehe, was hier alles getan / unternommen und bezahlt wird, um ausländische Ärzte zu rekrutieren, aus Ländern, wo es keinen NC gibt, dann stellt sich mir die Frage, bei dem Ärztemangel, den wir hier haben, warum unsere Kinder hier nicht Medizin studieren können, selbst mit einem Schnitt von 2, ... ??? Dabei stehen die naturwissenschaftlichen Fächer bei dem heutigen Abitur noch nicht einmal im Vordergrund (!) und diese Notengebung sagt nichts über die möglichen Kompetenzen unserer potentiellen "Möchte-Gern-Studierenden" aus.
Es ist paradox, immer wieder zu hören, dass viele deutsche Abiturienten gern Medizin studieren möchten, es aber nicht können, wegen des fehlenden NCs,
6 Jahre Wartezeit haben (!), einen Studienplatz einklagen müssen oder eben dann ins Ausland abwandern - dahin, von wo wir Ärtzte rekrutieren (!), z.B. Rumänien (!!)
Wie wäre es mal mit einer Initiative, unter dem Motto " Was können wir tun, damit das Studium für deutsche, willige Studenten angepasst, attraktiv gestaltet werden kann, und was können wir leisten, um die Abwanderung unserer Ärzte und Fachkräfte zu verhindern" ? Hier werden die Zugangsvoraussetzungen für ausländische Ärzte gelockert, die weder einen NC kennen, noch diesen in ihrem Ursprungsland für ihr Studium nachweisen mussten. Ferner werden Sprachnachweise erteilt, die dem eigentlichen level meistens nicht entsprechen, ferner werden Sprachkurse in vielen Varianten, interkulturelles Training, etc. angeboten ... und unsere Abiturienten, die der deutschen Sprache, in der Regel, mächtig sind, den passenden kulturellen Background mitbringen, haben hier keine Chance, ein Medizin-Studium aufzunehmen, wegen eines NCs, den unsere importierten Ärzte aus anderen Bildungssystemen wie z.B. Rumänien, Bulgarien, Syrien, Jemen, Jordanien, Saudi-Arabien etc. weder, wie bereits erwähnt, kennen noch nachweisen können ... (???) Das verstehe ich nicht ! Ich würde es daher durchaus begrüßen, eine Strategie zu entwickeln, die unsere deutschen Studenten in dem Maße fördert und willkommen heißt.
Avatar #98372
Thelber
am Freitag, 5. Oktober 2012, 22:12

Tja, die ganz schlauen Köpfe wandern ab....

... und lassen sich nicht mit dem ärztlichen Ethos ködern.

Aber vielleicht gibt es in 15-20 Jahren ja Apps, die einem die Diagnostik durch den Menschen abnehmen und Pflegeroboter. Die kriegen dann keine Bandscheibenleiden, sondern benötigen lediglich regelmäßige Schmierungen der Metallgelenke.
Oh mir graust vor meiner Zukunft !!
LNS

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