NewsMedizinMaus: Eizellen aus Stammzellen hergestellt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Maus: Eizellen aus Stammzellen hergestellt

Freitag, 5. Oktober 2012

Die Jungen sind mit Hilfe embryonaler Stammzellen entstanden Katsuhiko Hayashi/dpa

Kyoto – Nachdem es japanischen Forschern im letzten Jahr gelungen war, Stammzellen der Maus in Spermienvorläufer zu differenzieren, ist ihnen das gleichen Kunststück jetzt mit weiblichen Keimzellen gelungen. In Science (2012; doi: 10.1126/science.1226889) berichten sie über die Generierung von Eizellen. Nach einer künstlichen Befruchtung wurden die Embryonen erfolgreich ausgetragen.

Die Generierung von Keimzellen aus Stammzellen galt als besonders schwierig, da diese Zellen während der Differenzierung zu Spermien oder Eizellen einer Reifeteilung (Meiose) unterzogen werden müssen, in der sich der Chromosomensatz halbiert. Doch dies scheint nur eine Frage der richtigen Mischung von Wachstumsfaktoren und Botenstoffen zu sein. Werden sie zur geeigneten Zeit der Nährstofflösung zugesetzt, entwickeln sich in der Petrischale embryonale Stammzellen oder auch induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) bereitwillig in primordiale Keimzellen („Urgeschlechtszellen“). Sie sind der Ausgangspunkt für die Spermatogenese im Hoden und die Oozytogenese im Eierstock.

Anzeige

Dies hatten Katsuhiko Hayashi von der Universität Kyoto und Mitarbeiter im letzten Jahr in Cell (2011; 146: 519–532) bereits für Spermienvorläufer zeigen können. Jetzt wiederholten sie das Kunststück für Eizellvorläufer. Der Aufwand war allerdings ungleich größer. Während die in der Petrischale generierten Spermienvorläufer nur in den Hoden von infertilen Mäusen injiziert werden mussten, verlangen Eizellvorläufer nach einer spezielleren Umgebung.

Das japanische Team differenzierte die Stammzellen (iPS oder embryonale Stammzellen) zunächst in Vorläuferkeimzellen (primordial germ cell–like cells). Diese wurden dann im Labor mit fetalen Ovarialzellen zusammengebracht, die die Forscher zunächst anderen Mäusen entnommen hatten. Beide bildeten noch in vitro ein „rekonstituiertes Ovar“. In ihm wurden die Oozyten auf die abschließende Meiose vorbereitet. Diese erfolgte dann nach Implantation des Ovars in eine Maus.

Innerhalb von vier Wochen reifte dort eine befruchtungsfähige Eizelle heran. Die For­scher entnahmen sie für eine In-vitro Fertilisation. Nach der künstlichen Befruchtung wurde der Embryo einer Leihmuttermaus implantiert. Diese brachte nach drei Wochen einen gesunden Wurf zur Welt. Die Mäuse sind inzwischen ausgewachsen und selbst wieder fruchtbar, wie Hayashi versichert.

Während aus Stammzellen gezüchtete Spermien eine realistische klinische Behand­lungs­methode männlicher Infertilität ist, die allerdings noch nirgends am Menschen versucht wurde, dürften die technischen und ethischen Hürden bei den Eizellen zu hoch sein. Wenn eine Insuffizienz des Ovars Ursache der Infertilität wäre, würde für die Reifung im „rekonstituierten Ovar“ eine Organspenderin benötigt. Hinzu käme eventuell noch eine Leihmutter, so dass am Ende drei Frauen beteiligt wären. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. November 2020
Hannover – Der Teillockdown zur Bekämpfung der Coronapandemie macht es immer schwerer, Stammzellspender für Leukämiekranke zu finden. Allein in Niedersachsen warteten 47 Blutkrebspatienten
Leukämie: Stammzellspender gesucht
11. November 2020
Freiburg – Eine gesteigerte Bildung von Milchsäure durch die Leukämiezellen vermindert bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) offenbar die Wirksamkeit einer allogenen Stammzelltransplantation.
AML: Natriumbikarbonat könnte Effektivität der Stammzelltherapie verbessern
28. Oktober 2020
New York – US-Forscher haben in einem 2-Kammer-Bioreaktor aus Stammzellen ein passgenaues Kiefergelenk mit Knochen und Gelenkknorpel gezüchtet, das sich nach der Implantation in Versuchstieren über 6
Kiefergelenke aus Stammzellen bei Schweinen erfolgreich getestet
14. September 2020
Magdeburg – Die Suche nach potenziellen Knochenmarkspendern ist wegen der Coronapandemie erschwert worden. „Es gibt gerade weniger Typisierungen“, sagte Claudia Herbst von der Aktion Knochenmarkspende
SARS-CoV-2 erschwert Suche nach Knochenmarkspendern
20. August 2020
La Jolla/Kalifornien– US-Forscher haben Stammzellen im Labor dazu bewegt, Inselzell-artige Organoide zu bilden, die auf einen erhöhten Blutzucker mit der Freisetzung von Insulin reagieren. Durch die
Typ-1-Diabetes: Beta-Zellen aus dem Labor entgehen der Immunabwehr
5. August 2020
Shanghai – Chinesischen Forschern ist es gelungen, Leberzellen im Labor in ausreichender Menge zu züchten, um damit einen Bioreaktor zu bestücken, mit dem laut einem Bericht in Science Translational
Künstliche Leber bei Minischweinen erfolgreich erprobt
6. Juli 2020
Köln – Neuregistrierungen von potenziellen Stammzellspendern sind nach Einschätzung der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) derzeit besonders wichtig. Durch die Coronakrise hätten sich etwa 60
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER