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Deutsche leben ungesund und sind bewegungsfaul

Freitag, 5. Oktober 2012

-dpa

Düsseldorf – Viele Deutsche leben ungesund, vor allem in jungen und mittleren Jahren. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Zentrums für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln im Auftrag der DKV Deutsche Kran­ken­ver­siche­rung. Laut DKV-Report 2012 ernährt sich jeder Zweite nicht ausreichend abwechslungsreich, jeder Zweite empfindet ungesunden Stress, und die körperliche Aktivität ist gegenüber dem DKV-Report 2010 sogar gesunken. Gleichzeitig ist der Anteil der Menschen, die gemäß ihrer eigenen Angaben übergewichtig sind, von 44 auf 46 Prozent gestiegen.

„Wir fahren im Auto, arbeiten am Computer, und in der Freizeit steigt unsere Medien­nutzung: Während wir uns in sozialen Netzwerken austoben, bleibt der Körper passiv“, kommentierte der wissenschaftliche Leiter des DKV-Reports, Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln.

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So erreichten gerade mal 54 Prozent der Befragten die Mindestempfehlung der Welt­gesund­heits­organi­sation von 150 Minuten moderater körperlicher Aktivität pro Woche, 2010 waren es noch 60 Prozent. Die deutlichste Bewegungsarmut zeigte sich dabei in den mittleren Altersgruppen: Bei den 30- bis 45-Jährigen bewegen sich nur 50 Prozent der Menschen ausreichend. Fast dreißig Prozent aller Befragten gaben an, in ihrer Freizeit überhaupt nicht körperlich aktiv zu sein.

Dieses Verhalten spiegelt sich auch in den Sitzzeiten der Befragten. So gaben die jüngsten Teilnehmer der Umfrage, die 18- bis 29-Jährigen, mit durchschnittlich sechs Stunden pro Tag die längste Sitzzeit an. „Interessanterweise bewegen sich überge­wichtige Menschen gar nicht so viel weniger als der Durchschnitt“, so Froböse. Erst bei Adipositas seien stärkere Abweichungen im Gesundheitsverhalten zu sehen. „Zu wenig Bewegung ist zwar für jeden gesundheitsschädlich, macht aber nicht jeden dick“, erklärte der wissenschaftliche Leiter.

Gleichzeitig halten 79 Prozent der Befragten Übergewicht für „ein großes gesellschaft­liches Problem“. 74 Prozent sprechen sich für ein Ampelsystem zur Kennzeichnung gesunder und ungesunder Lebensmittel aus. Dagegen ergab die Umfrage eine positive Entwicklung bei Tabak und Alkohol: Die Zahl der Raucher ist gegenüber dem DKV-Re­port 2010 gesunken (von 25 auf 22 Prozent), ebenfalls die Zahl der Menschen mit ungesundem Alkoholkonsum (von 19 auf 16 Prozent).

DKV-Vorstandschef Clemens Muth und Froböse warnten, der Negativtrend könne sich in Deutschland fortsetzen, und rieten deshalb zu mehr Aufklärung in der Bevölkerung. Denn knapp 60 Prozent der Deutschen sind laut der Studie der Meinung, dass sie gesund oder sogar sehr gesund leben, fügte Froböse hinzu. Die Ergebnisse sprächen aber eine andere Sprache.

Muth sagte: „Die Aufklärung gegen Übergewicht und Bewegungsmangel braucht gesellschaftlich den gleichen Stellenwert wie die Aids-Prävention." Herz- und Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Rückenschmerzen seien Folgen des Lebensstils vieler Deutscher – damit stiegen zugleich die Kosten im Gesundheitswesen.

Froböse forderte, mehr Bewegungsräume im Alltag zu schaffen. „Wir gestalten unsere Umwelt im Zuge der Verkehrsoptimierung, aber nicht nach der Biologie." Oftmals sei es schon hilfreich, im Alltag die Treppe statt der Rolltreppe zu benutzen, sagte er. © hil/aerzteblatt.de

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