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Politik

Noroviren in Tiefkühl-Erdbeeren nachgewiesen

Montag, 8. Oktober 2012

Berlin – Die Ursache des bisher größten lebensmittelbedingte Ausbruchs von akutem Brechdurchfall in Deutschland ist offenbar aufgeklärt. In Sachsen-Anhalt seien erstmals in einer Probe aus der verdächtigen Charge Tiefkühl-Erdbeeren Noroviren nachge­wiesen worden, teilten das Robert Koch-Institut (RKI), das Bundesinstitut für Risiko­bewertung (BfR) und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Montag mit. Zuvor waren bereits bei einem beträchtlichen Teil der Patienten Noroviren festgestellt worden. Seit dem Wochenende seien keine Neuerkrankungen mehr aufgetreten, hieß es weiter. Der Ausbruch der Magen-Darm-Grippe bei Kindern und Jugendlichen in fünf Bundesländern sei damit beendet.

Seit Samstag seien auch im Sachsen keine neuen Fälle mehr aufgetreten, hieß es in der Mitteilung weiter. Dort war es am Freitag noch vereinzelt zu Neuerkrankungen gekommen. Insgesamt waren rund 11.000 Kindern und Jugendlichen in Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen offenbar nach dem Verzehr der Früchte aus der betreffenden Charge erkrankt. Die Tiefkühl-Erdbeeren wurden Medienberichten zufolge aus China importiert.

Erdbeeren als Auslöser

Bei der letztjährigen EHEC-Epidemie vergingen noch mehrere bange Wochen, bis – nach einem für Gurkenproduzenten in Spanien verhängnisvollen Fehlalarm – der Verursacher gefunden war. Dieses Mal dauerte es nur knapp eine Woche, bis die „sehr wahrscheinliche“ Ursache für den Ausbruch von akutem Brechdurchfall ermittelt wurde, an dem bisher 11.200 Kinder aus den östlichen Bundesländern erkrankt sind.

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Noch keine Entscheidung über mögliche Entschädigungen
Das Catering-Unternehmen Sodexo will sich zu den Details der angekündigten Entschädigung nach den massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen noch nicht äußern. Einzelheiten zum Ausgleich Betroffener würden derzeit erarbeitet, teilte das Unternehmen mit. Zunächst müsse aber der Abschlussbericht der Behörden abgewartet werden. „Erst auf Basis der genauen Faktenlage können wir die möglichen Versäumnisse bewerten, die einem unserer Lieferanten vorgeworfen werden“, hieß es weiter. Unklar bleibt damit nach wie vor, ob die Entschädigungen den Kindern selbst oder den Schulen und Kitas zugutekommen sollen.

Import von Tiefkühl-Erdbeeren aus China stark angestiegen
Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Dienstag ist China aufgrund niedriger Preise inzwischen zu Deutschlands wichtigstem Lieferanten für Tiefkühl-Erdbeeren nach Polen geworden. 2011 seien etwa 31.200 Tonnen im Wert von fast 33 Millionen Euro nach Deutschland geliefert worden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf das Statistische Bundesamt. Gegenüber 2009 sei das ein Anstieg um mehr als ein Drittel gewesen. Die Einfuhr aus Polen, wo der Kilopreis um 30 Cent höher gelegen habe, sei um 17 Prozent zurückgegangen.

Nach dem Bekanntwerden der Krankheitswelle war eine Diskussion über die Qualität des Schulessens und den Import der Früchte aus China entbrannt. Politiker und Elternvertreter forderten, verstärkt auf saisonale Produkte und regionale Caterer zu setzen. © dapd/aerzteblatt.de

Leserkommentare

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Avatar #657573
hygifuzzi
am Dienstag, 9. Oktober 2012, 10:22

eine Menge Arbeit

Sehr geehrter Herr "normalerdoktor",
natürlich haben Sie Recht, mit dem was Sie sagen. Nur Bakterien und Pilze können sich in LM vermehren. Aber Noroviren haben eine sehr geringe Infektionsdosis von 10-100 Viruspartikeln. Dadurch kann es auch durch geringere Kontaminationen des LM zu solchen Erkrankungsausbrüchen kommen.
Herr Dr. Schätzler könnte schon Recht haben mit seinen Vermutungen, aber ich denke da werden die Behörden in China noch eine Menge Arbeit haben, die Ursache der Kontamination aufzudecken. Sind doch noch mehr Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, z.B.:
- belastetes Trinkwasser aus Oberflächen-/ oder oberflächennahen Trinkwasserspeichern zur Reinigung und Eishetstellung (wird in Deutschland übrigens in der Regel auch nicht auf Viren sondern nur auf Bakterien untersucht)
- erkrankte Mitarbeiter die über die Hände oder über Aerosole (z.B. Erbrechen) die Umgebung kontaminiert haben könnten
Die Kontamination durch tierische Ausscheidungen kann man ja schon mal ausschließen, da Noroviren ausschließlich humanen Ursprungs sein können.
Das RKI ist im Moment noch dabei die Daten der Erkrankten auszuwerten, in dennen sicherlich auch erfasst ist, wieviele Folgeerkrankungen es gegeben hat und noch gibt (also einfach dort in nächster Zeit nachschauen und auf den Abschlußbericht wareten: http://www.rki.de/DE/Home/homepage_node.html). Nach dem jetzigen Stand sollen es aber verhältnismäßig wenige gewesen sein. Über die Ursachen lässt sich sicherlich spekulieren. Aber aus eigener beruflicher Erfahrung weiß ich, dass Noro nicht gleich Noro ist, wenn es um die Infektiösität geht.
Avatar #648603
normalerdoktor
am Montag, 8. Oktober 2012, 23:34

Berechtigte Frage

Herr Kollege Schaetzler alias Jauch stellt eine allzu berechtigte Frage mit deren Beantwortung ich wohl meine Probleme hätte.

Bakterien können sich auf bzw. in Nahrungsmitteln schließlich vermehren. Weshalb man diese (selbstgemachte Mayonnaise, Tartar) ja auch kühlen und möglichst schnell verzehren soll, um die Zahl der Keime gering zu halten. Was aber ist mit Viren? Diese, so dachte ich bisher zumindest, können sich doch in Lebensmitteln nicht mehr vermehren, sie brauchen doch einen Wirt mit funktionierndem Stoffwechsel etc. Oder?

Gibt es eine Stelle (Link?), wo berufene Experten uns dieses Problem erläutern? Und wenn 11.000 Kinder durch Erdbeeren mit Noroviren infiziert wurden, wieviele Menschen wurden dann durch diese Kinder wiederum angesteckt?
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 8. Oktober 2012, 22:30

"Wer wird Millionär?"

Die 16.000 € Frage:
Wie kommen Noroviren auf chinesische Tiefkühlerdbeeren?

a) beim Düngen der Erdbeerpflanzen mit menschlichen Ausscheidungsprodukten
b) beim Düngen der Erdbeerpflanzen mit tierischen Ausscheidungsprodukten
c) durch Kontamination bei Weiterverarbeitung und Einfrieren
d) beim Transport der verpackten Tiefkühlware über 10.000 km Luftlinie.

Sie können beim Robert Koch-Institut (RKI), Bundesinstitut für Risiko­bewertung (BfR) und Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) anrufen, einen Infektiologen im Publikum fragen oder keine Erdbeeren mehr essen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #98372
Thelber
am Montag, 8. Oktober 2012, 21:37

"Regionale Versorgung" - das isst das Stichwort !!

Aber so geldgxxl wie wir geworden sind kommt es wirklich drauf an, an einem kg Erdbeeren nochmals 30 Cent einzusparen, völlig unabhängig vom Transportweg, der unsere Umwelt von China zu uns erheblich heftiger verpestet wie auf dem Weg von Polen zu uns.

Ja, wir brauchen im Oktober Erdbeeren !! Unbedingt !! Da gibt es nichts anders !!
LNS
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