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Medizin

Hirnaneurysma: Neuroprotektivum mildert Schlaganfallrisiko

Montag, 8. Oktober 2012

Calgary – Das Neuroprotektivum NA-1 soll die Hirnschäden nach einem ischämischen Schlaganfall begrenzen. In einer ersten klinischen Phase-II-Studie in Lancet Neurology (2012; doi: 10.1016/S1474-4422(12)70225-9) konnte NA-1 tatsächlich die Zahl der iatrogenen ischämischen Läsionen nach endovaskulärer Aneurysmaausschaltung verringern. Für die meisten Patienten mit einem spontanen Schlaganfall dürfte die Therapie nach Einschätzung eines Editorialisten jedoch zu spät kommen.

NA-1 ist das Ergebnis einer gezielten Suche nach einem Neuroprotektivum. Das Peptid blockiert im Gehirn das Postsynaptic Density Protein 95 (PSD-95). Dies soll eine Signalkette verhindern, die über die Aktivierung von NMDA-Rezeptoren den Zelluntergang fördert. Bei Affen kann PSD-95 Schlaganfall-bedingte Läsionen vermindern. In der ENACT-Studie wurde der Wirkstoff erstmals am Menschen untersucht. Die beiden Hersteller entschieden sich für einen Behandlungsversuch bei Patienten mit endovaskulärer Aneurysmaausschaltung, da es bei dieser Behandlung häufig zu ischämischen Läsionen kommt und die Therapie hier frühzeitig begonnen werden kann. In der Studie wurde die Infusion vor der Katheterbehandlung eingeleitet.

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Michael Hill von der Universität von Calgary und Mitarbeiter randomisierten an 14 Zentren in den USA und Kanada 185 Patienten auf eine intravenöse Therapie mit NA-1 oder Kochsalzlösung. Der PSD-95-Inhibitor senkte signifikant die Zahl der neuen Hirnläsionen, die drei Stunden nach der Therapie in der Kernspintomographie sichtbar waren von 7,3 auf 4,1 (Hazard Ratio 0,53; 0,38-0,74). Das Gesamtvolumen der Läsionen verminderte sich allerdings nicht. Die Therapie erwies sich als sicher. Nur bei 2 Patienten kam es zu einem vorübergehenden Blutdruckabfall.

Die Reduktion der Läsionen war nicht spektakulär und die klinische Bedeutung für den einzelnen Patienten ist offen. Dennoch ist der Editorialist Markku Kaste von der Universitätsklinik in Helsinki beeindruckt. Der Grund für seinen Optimismus: Die Entwicklung von Neuroprotektiva war bisher stets von Misserfolgen gekennzeichnet. NA-1 könnte das erste Mittel sein, das überhaupt wirksam ist und den therapeutischen Nihilismus auf diesem Gebiet überwinde. Kaste weist darauf hin, dass mit Edaravon und Ginsenosid-Rd zwei weitere aussichtsreiche Neuroprotektiva in der Entwicklung sind.

Edaravon, ein Radikalenfänger, sei jüngst in Japan zur Behandlung von Patienten mit ischämischem Schlaganfall zugelassen worden. Die Evidenz basiere hier aber nur auf einer kleinen randomisierten Studie. Ginsenosid-Rd, ein in China entwickelter spezieller Kalziumantagonist scheint ebenfalls beim Schlaganfall wirksam zu sein.

Ob diese beiden Wirkstoffe den Ansprüchen der hiesigen Arzneibehörden genügen, bleibt abzuwarten, sofern die Hersteller überhaupt eine Zulassung beantragen. Ob NA-1 auch beim spontanen Schlaganfall wirksam wäre, ist unklar. Kaste ist pessimistisch, da die meisten Patienten die Klinik erst spät erreichen. © rme/aerzteblatt.de

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