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Medizintechnik: Was Chirurgen und Ingenieure voneinender lernen können

Dienstag, 9. Oktober 2012

Köln – Die Forschungsgruppe für Minimal-invasive Interdisziplinäre Therapeutische Intervention (MITI) des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München hat gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT) im VDE erstmals einen Hands-on-Intensivkurs für Ingenieure unter dem Thema „Chirurgie in der Praxis“ veranstaltet, um die Zusammenarbeit von Chirurgen auf der einen und Ingenieuren, Informatikern und Medizintechnikern auf der anderen Seite zu verbessern.

5 Fragen an Frau Priv.-Doz. Dr. med. Sonja Gillen, Fachärztin und Lehrverantwortliche der Chirurgie, Chirurgische Klinik und Poliklinik, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München

DÄ: Warum ist ein solcher Intensivkurs aus Ihrer Sicht nötig?
Gillen: Die Chirurgie ist ein medizinisches Fachgebiet, das in hohem Maße von medizin­technischen Geräten und Systemen beeinflusst wird. Entscheidend dafür ist jedoch nicht nur die Bereitstellung neuer medizin­tech­nischer Werkzeuge und Verfahren sondern viel­mehr eine interdisziplinäre Entwicklung, die eine enge Verzahnung der Berufsgruppen voraussetzt. Um die Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Konzepte zu beschleunigen und zielgerichteter zu gestalten, ist daher ein intensiverer Dialog zwischen den Chirurgen als Anwendern und den Grundlagenwissenschaftlern und Entwicklern dringend erforderlich.

DÄ: Welches sind aus Ihrer Sicht die Hauptprobleme an der Schnittstelle Chirurgie – Medizintechnik?
Gillen: In praxi ist dieser Austausch häufig schwieriger als gedacht, denn Ingenieure und Mediziner leben in zwei verschiedenen beruflichen Welten. Die unterschiedlichen Wissens­domänen zeichnen sich durch unterschiedliche Terminologien und methodische Ansätze aus und benötigen dringend neue Formen von gemeinsamen Schnittstellen. Zudem kommt die Zusammenarbeit der Berufsgruppen meist erst in der Endphase der Entwicklung von Medizinprodukten zustande. Um zu einem besseren Verständnis des chirurgischen Tätigkeitsfelds zu kommen und die Zusammenarbeit beider Berufsgruppen zu verbessern, hatten wir uns entschlossen zusammen mit Cord Schlötelburg von der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT) im VDE, erstmals einen Hands-on-Intensivkurs für Ingenieure mit dem Thema „Chirurgie in der Praxis“ zu veranstalten.

DÄ: Welche inhaltlichen Schwerpunkte lassen sich in einem derartigen Kurs umsetzen?
Gillen: Ein solcher Kurs wurde im Mai dieses Jahres erstmals im Klinikum rechts der Isar durchgeführt. Insgesamt 20 Teilnehmer aus Industrie und Forschung bekamen einen praktischen Einblick im Rahmen einen zweitägigen Intensivprogramms, das Basiswissen über interventionelle und chirurgische Vorgehensweisen (offene und laparoskopische Interventionsverfahren, Indikationen und Instrumente) sowie über flexibel endoskopische Interventionsmöglichkeiten umfasste. Curricular aufgebaut fanden praktische Übungen in Kleingruppen statt, welche die flexible Endoskopie am Modell, laparoskopische OPs, verschie­dene Naht- und Klammertechniken und eine Führung durch den OP bein­halteten. Aufbauend auf der geschaffenen Wissensbasis erfolgten chirurgische Demonstrationen spezifischer relevanter technischer Interventionsmöglichkeiten im Tieroperationssaal.

DÄ:  Wie bewerten Sie den Erfolg des Kurses bei den Teilnehmern?
Gillen: Die Kurskonzeption stieß auf eine sehr positive Resonanz. Die Teilnehmer beton­ten die Wichtigkeit des unmittelbaren  Praxisbezugs. Entsprechende Kenntnisse als Voraussetzung für die Entwicklung von Medizinprodukten seien wichtig, um einen Nutzen für den Patienten haben und auf Akzeptanz bei den anwendenden Ärzten treffen. Zudem begrüßten alle Teilnehmer eine engere Zusammenarbeit zwischen medizintechnischen Berufen und Medizinern im Sinne des interdisziplinären Austauschs. Alle Teilnehmer sprachen sich dafür aus, dass weitere Seminare dieser Art durchgeführt werden sollten, um die Schnittstelle zwischen Chirurgie und medizintechnischen Berufen weiter zu verbessern. Daher ist ein Folgekurs im Dezember 2012 in München geplant.

DÄ: Welche Entwicklungen der interventionellen Medizin stellen für die Medizintechnik derzeit die größten Herausforderungen dar?
Gillen: Mittlerweile ist der Operationssaal zu einen Hightech-Umfeld geworden, in dem Mensch und Technik in komplexer Art und Weise miteinander interagieren. Die Neu- und Weiterentwicklung chirurgischer Verfahren und damit die Verbesserung der Patienten­versorgung sind unmittelbar mit medizintechnischen Innovationen verknüpft. Eine der größten Herausforderungen ist sicherlich eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit um den modernsten Behandlungsverfahren Rechnung zu tragen.

Weitere Herausforderungen sind die Schaffung eines patientensicheren Umfeldes durch moderne Überwachungssysteme, die Schaffung von modernen Operationsplattformen, um weitere minimalinvasivere Eingriffe durchführen zu können, und ein adäquates Teamtraining aller Operationsteilnehmer, um ein optimiertes Notfall- und Komplikations­management zu erreichen. Das MITI hat mit diesem Workshop sicher die Pilotfunktion einer gemeinsamen Plattform für Mediziner und Ingenieure übernommen, um die genannten Ziele zu erreichen. © KBr/aerzteblatt.de

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