NewsMedizinBluttests erkennen Aggressivität von Prostatakarzinomen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Bluttests erkennen Aggressivität von Prostatakarzinomen

Dienstag, 9. Oktober 2012

New York/London – Krebsleiden können die Genaktivität von Abwehrzellen im peripheren Blut verändern. Zwei Forscherteams aus den USA und Großbritannien haben jetzt Bluttests entwickelt, die die Prognose eines kastrationsresistenten Prostatakarzinoms möglicherweise besser vorhersagt als alle bisherigen klinischen Marker.

Die Bildung von Boten-RNA zeigt an, welche Gene in einer Zelle aktiv sind. Ihre Menge kann heute mit der quantitativen Polymerasekettenreaktion bestimmt werden. Die Akti­vierung bestimmter Gene ergibt eine RNA-Signatur, die für Krebserkrankungen spezi­fisch sein kann. Die RNA-Signatur betrifft nicht nur die Krebszellen selbst, sondern auch das Immunsystem, deren Zellen im peripheren Blut zirkulieren.

Anzeige

Ein Forscherteam um Johann de Bono vom Institute of Cancer Research in London hat im Blut von Patienten mit fortgeschrittenem kastrationsresistenten Prostatakarzinom nach einer RNA-Signatur gesucht, die Aufschluss über die Aggressivität des Tumors geben könnte. Sie verglichen dazu die Boten-RNA von 64 Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom und die Boten-RNA von 30 Patienten mit lokalisiertem Prostata­karzinom, die sich gegen eine Operation und für eine aktive Surveillance entschieden hatten.

Wie die Forscher in Lancet Oncology (2012; doi: 10.1016/S1470-2045(12)70372-8) berichten, unterschieden sich beide Gruppen vor allem in einer Gruppe von neun Genen, die sie als LPD1 bezeichnen. Die Signatur war bei den Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom mit einer verkürzten Überlebenszeit assoziiert. Patienten mit LPD1-Signatur lebten im Durchschnitt noch 10,7 gegenüber 25,6 Monate bei den Patienten ohne LPD1-Signatur. Die Ergebnisse konnten in einer weiteren Gruppe von Patienten bestätigt werden. Hier betrug die Überlebenszeit 9,2 gegenüber 21,6 Monate.

Eine weitere RNA-Signatur hat ein Forscherteam um William Oh von der Mount Sinai School of Medicine in New York entdeckt, die ihre Ergebnisse ebenfalls in Lancet Oncology (2012; doi: 10.1016/S1470-2045(12)70263-2) vorstellt. Der „Barcode“ der US-Forscher basiert auf der Aktivität von sechs Genen, die die mediane Überlebenszeit von 34,9 auf 7,8 Monate verkürzte. Die US-Forscher konnten ihre Ergebnisse ebenfalls in eine zweite Patientengruppe validieren. Hier verkürzte die Signatur die Überlebenszeit von 18,5 auf 9,2 Monate.

Die biologischen Grundlagen der Signaturen sind weitgehend unbekannt. Es ist unklar, welche Funktion die aktivierten Gene haben und wie dies die Aggressivität des Tumors erhöhen könnte. Für den klinischen Einsatz der Signatur wäre dies allerdings nicht von Bedeutung, solange der Marker die Prognose der Patienten zuverlässig vorhersagt.

Vor einer Einführung der Tests müssen die Ergebnisse allerdings noch von anderen Gruppen bestätigt werden. Dann muss ihre Aussagekraft mit anderen derzeit untersuchten Prognosemarker wie C-reaktives Protein, Makrophagen-inhibitorisches Zytokin-18 oder dem Nachweis von zirkulierenden Tumorzellen im Blut verglichen werden. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER