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Medizin

ADHS: Quecksilber erhöht, Fischmahlzeiten senken Risiko

Dienstag, 9. Oktober 2012

dapd

Boston – Eine erhöhte Quecksilberbelastung während der Schwangerschaft war in einer US-Studie mit einer erhöhten Rate von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) assoziiert. Gleichzeitig senkte allerdings ein hoher Fischkonsum, die wichtigste Quelle für eine Quecksilberbelastung, das Risiko der Kinder, wie aus der Publikation in den Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine (2012; doi: 10.1001/archpediatrics­.2012.1286) hervorgeht.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Quecksilber in organischen Verbindungen neurotoxisch ist. Die Bilder von Kindern mit der Minamata-Krankheit sind vielen noch in lebhafter Erinnerung. In der japanischen Stadt kamen bis Ende der 60er Jahren viele Kinder mit neurologischen Behinderungen zur Welt, weil eine Firma über Jahrzehnte Methylquecksilber ins Meer geleitet hatte. Über den Verzehr von kontaminierten Fischen war das Toxin ins Blut von Schwangeren und ihren ungeborenen Kindern gelangt.

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Die Minamata-Krankheit (die Symptome reichen von Müdigkeit und Kopfschmerzen bis zu Lähmungen und einem Koma) ist nicht im Ansatz mit den Symptomen der ADHS vergleichbar. Tierexperimente, die Sharon Sagiv von der Boston University School of Public Health zitiert, haben jedoch gezeigt, dass Methylquecksilber zu Störungen der dopaminergen Neurotransmitter führen kann. Eine Verbindung zwischen einer Umweltbelastung mit geringen Mengen organischem Quecksilber und ADHS erscheint ihr deshalb biologisch durchaus plausibel.

Um den Zusammenhang zu untersuchen hat Sagiv die Daten der New Bedford Geburtenkohorte analysiert. Diese Studie hatte in den 90er Jahren die Auswirkungen von polychlorierten Biphenylen (PCB) auf neurologische Störungen von Kindern untersucht. In den Hafen der Küstenstadt im US-Staat Massachusetts waren größere Mengen der heute verbotenen PCB verklappt worden.

Sagiv konnte jetzt in den archivierten Haarproben der Mütter die Konzentration von Methylquecksilber bestimmen lassen und die Exposition mit den Befunden von neuropsychiatrischen Untersuchungen der Kinder im Alter von 8 Jahren in Beziehung setzen. Sie fand, dass eine Belastung oberhalb eines Schwellenwerts von 1 µg/g Quecksilber mit einer um 40 Prozent erhöhten Rate von milden bis mittelschweren Aufmerksamkeitsstörungen einherging. Ein impulsives oder hyperaktives Verhalten trat nach dieser Exposition zu 70 Prozent häufiger auf. Beide Assoziationen waren signifikant, und sie blieben auch nach der Korrektur von möglichen anderen Ursachen bestehen.

Die Assoziation fiel zwar insgesamt schwach aus, wenn sie aber kausal wäre, könnte eine niedrige Belastung mit organischem Quecksilber ein wichtiger Auslöser von ADHS-Störungen sein, deren Prävalenz in den letzten Jahren weiter gestiegen ist, meint der Editorialist Bruce Lanphear, Vancouver.

Die wichtigste Quelle von Methylquecksilber ist der Verzehr von Fisch. Aufgrund der erhöhten Belastung rät die US-Aufsichtsbehörde FDA Schwangeren (und Frauen, die eine Schwangerschaft planen) vom Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten ab. Dieser Ratschlag ist allerdings umstritten, da Fische einen hohen Nährwert haben. Sie sind reich an Omega-3-Fettsäuren und anderen mehrfach ungesättigten Fettsäuren, denen eine positive Wirkung auf die Hirnentwicklung nachgesagt wird. Genau dies bestätigt jetzt auch Sagiv in ihrer Untersuchung: Die Kinder von Schwangeren, die mehr als zwei Mal in der Woche Fisch verzehrten, erkrankten zu 60 Prozent seltenen an ADHS als die Kinder von Frauen mit einem geringeren Fischkonsum.

Diese beiden Ergebnisse der Studie sind nur schwer auf einen Nenner zu bringen. Fisch könnte eine „protektive“ Wirkung vor einer ADHS haben, aber durch die dadurch erhöhte Belastung mit Quecksilber könnte der Verzehr von Fisch die Störung auch begünstigen. Sagiv rät deshalb zur sorgfältigen Auswahl der Fischgerichte. Hoch mit Quecksilber belastete Raubfische wie Schwertfisch, Haifisch, frischer Thunfisch oder Königsmakrele sollten Schwangere meiden. Wenig belastet seien dagegen Flunder, Schellfisch oder Lachs. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #32615
ahierl
am Dienstag, 9. Oktober 2012, 22:04

Weitergedacht...

Warum sind denn die Fische mit Quecksilber belastet? Industrie!
Warum verwendet die Industrie Quecksilber? Billig!
Wer kann Quecksilber verbieten? Wir!
http://www.avaaz.org/de/petition/ein_weltweites_Quecksilberverbot_ist_dringend_notig_stop_mercury_all_over_the_world
LNS

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