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Medizin

Kaffee verkürzt postoperativen Ileus nach Kolektomie

Dienstag, 9. Oktober 2012

Heidelberg – Ein starker Kaffee ist ein einfaches, kostengünstiges und sicheres Mittel, um nach abdominalen Operationen die Darmtätigkeit anzuregen. In einer randomisierten Studie im British Journal of Surgery (2012; 99: 1530-1538) wurde die Zeit bis zur ersten Darmentleerung verkürzt.

Ein postoperativer Ileus ist ein häufiges Problem nach Darmoperationen, berichtet Privatdozent Sascha Müller, der inzwischen am Kantonsspital St. Gallen in der Schweiz tätig ist. Ein probates Mittel ist ein Glas warmes Wasser. Es wirkt anregend auf die Darmperistaltik und enthält keine Substanzen, die dem Darm in der Heilungsphase gefährlich werden könnten.

Stärker als Wasser könnte ein starker Kaffee wirken. Doch viele Krankenhäuser scheuen sich, ihren Patienten nach der Operation ein derartiges Getränk zu servieren. Dies gilt insbesondere nach Eingriffen am Darm. Ein Ziel der randomisierten Studie, die Müller an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universität Heidelberg initiiert hat, war es deshalb, die Sicherheit von Kaffee zu prüfen.

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An der Studie nahmen 80 Patienten teil, bei denen zur Behandlung eines Kolonkarzinoms, einer Divertikulitis, einer entzündlichen Darm­er­krank­ung oder aus anderen Gründen Erkrankungen eine Kolektomie geplant war. Die Patienten wurden auf zwei Therapiearme randomisiert. Sie erhielten postoperativ dreimal täglich, aber frühestens 6 Stunden nach dem Ende der Operation, ein Glas warmes Wasser oder eine Tasse starken Kaffe (100 ml Lavazza Blue Espresso Dolce 100 Prozent Arabica).

Wie Müller berichtet, verkürzte der Kaffee die Zeit bis zur ersten Darmentleerung signifikant von 74 auf 60 Stunden. Die Patienten konnten auch früher wieder feste Nahrung zu sich nehmen (49 versus 56 Stunden), und der erste Flatus entwich früher (40 versus 46 Stunden). In diesen beiden Endpunkten waren die Unterschiede nicht signifikant. Das wichtigste Ergebnis war aber, dass der Kaffee keine relevanten Komplikationen auslöste.

Wie Kaffee die Darmtätigkeit stimuliert, ist übrigens nicht bekannt. Koffein scheidet nach Ansicht von Müller als „treibende“ Kraft aus, da in anderen Untersuchungen auch mit entkoffeinierten Kaffe eine darmfördernde Wirkung erzielt worden sei. © rme/aerzteblatt.de

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