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Ärzteschaft

Honorarstreit: Ärzte und Kassen einigen sich

Dienstag, 9. Oktober 2012

dpa

Berlin – Im Streit um die Honorare für Vertragsärzte und –psychotherapeuten haben sich die  Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzen­verband Bund der Krankenkassen (Spibu) heute in Berlin im Erweiterten Bewertungsausschuss geeinigt. Sie beschlossen ein Eckpunktepapier, das bis zu vier Prozent mehr Honorar für die bundesweit 150.000 Vertragsärzte und -psychotherapeuten vorsieht.

Der unabhängige Schlichter Jürgen Wasem kündigte eine Stärkung der Grundver­sorgung bei Haus- und Fachärzten an. Bis zum Jahreswechsel solle ein Papier mit neuen Leistungen im Gesamtwert von 250 Millionen Euro ausgearbeitet werden. Zudem sollen Psychotherapien sowie die probatorischen Sitzungen bei Psychotherapeuten und psychotherapeutisch tätigen Ärzten künftig außerhalb des Budgets direkt von den Krankenkassen bezahlt werden.

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Wasem bezifferte den Gesamtwert der Honoraranhebung auf einen Betrag zwischen 1,15 und 1,27 Milliarden Euro. KBV und Spibu hatten seit Wochen um die Höhe der Honorare für das kommende Jahr gestritten. Mit einem ersten Schlichterspruch wurde eine Erhöhung um rund 270 Millionen Euro festgelegt. Sie betraf allein die Preiskomponente des Honorars, den Orientierungswert. Die Kassen hatten zuletzt eine Gesamtsumme von insgesamt 900 Millionen Euro für Preis- und Mengenanpassungen angeboten. Die KBV verlangte aber insgesamt 3,5 Milliarden Euro mehr.

Das jetzt beschlossene Paket umfasst sowohl Preis als auch Menge: Orientierungswert (270 – 290 Millionen Euro), Herausnahme der Psychotherapie (130 Millionen), Stärkung der hausärztlichen und fachärztlichen Grundversorgung (250 Millionen), extrabudgetäre Leistungen (150 Millionen) sowie auf Landesebene Mengenentwicklung und Zuschläge zum Orientierungswert für förderungswürdige Leistungen (330 bis 450 Millionen). Die angekündigte Klage gegen den Beschluss zum Orientierungswert will die KBV zurücknehmen.

KBV-Chef Andreas Köhler sprach von einem Kompromiss, der für die Versicherten Gutes bewirke. „Hervorheben möchte ich die Herausnahme der Psychotherapie aus der mengenbegrenzten Gesamtvergütung“, betonte Köhler.

Johann-Magnus von Stackelberg, Vizepräsident des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) sagte: „Wichtig war uns für die Patientenversorgung, dass wir neue Leistungen in der haus- und fachärztlichen Grundversorgung künftig zusätzlich vergüten werden.” Konkretere Angaben werden am 22. Oktober erwartet, wenn die Spitzengremien von KBV und GKV das jetzt paraphierte Eckwertepapier offiziell beschließen sollen.

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Ungeachtet der Einigung wollen rund 30.000 Mediziner und Praxismitarbeiter am Mittwoch auf die Straße gehen. Sie planen für Mittwoch einen „flächendeckenden Aktionstag", zu dem auch Praxisschließungen gehören sollten, wie der Sprecher der Allianz der deutschen Ärzteverbände, Dirk Heinrich sagte. Er rechne mit bis zu 80.000 Teilnehmern. Mit dem nun gefundenen Kompromiss sei das Grundproblem, wonach 30 Prozent der ärztlichen Arbeit nicht entlohnt werde, nicht gelöst. © dapd/afp/mis/aerzteblatt.de

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Avatar #648603
normalerdoktor
am Mittwoch, 10. Oktober 2012, 06:51

Peinlich II

Peinlicher Fehler im vorherigen Beitrag. Soll natürlich heißen: "Wer *verantwortet* denn (seit Jahrzehnten) ein massives Ungleichgewicht ..."
Avatar #648603
normalerdoktor
am Mittwoch, 10. Oktober 2012, 06:43

Peinlich

Solange es niedergelassene Kolleg/innen gibt, die (nach Abzug von Betrienskosten etc.) Jahresgehälter in Höhe von 180.000 EUR und mehr verdienen sind solche Demonstrationen und Praxisschließungen einfach peinlich.

Wer verhindert denn (seit Jahrzehnten) eine massives Ungleichgewicht in der Honorierung ärztlicher Leistungen zugunsten einer kostentreibende Apparatemedizin und zum Schaden einer zuwendungsorientierten "sprechenden" Medizin? Das sind die eigenen ärztlichen Institutionen, die KVen! Nicht der Staat und nicht die Krankenkassen.
LNS

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