NewsÄrzteschaftHonorarerhöhung: Durchwachsene Resonanz in der Ärzteschaft
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Honorarerhöhung: Durchwachsene Resonanz in der Ärzteschaft

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Köln – Die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) vereinbarte Honorarerhöhung von drei bis vier Prozent stößt in der Ärzteschaft nur bedingt auf Zustimmung. „Diese Einigung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das grundsätzliche Problem von fehlenden festen Preisen und unbezahlten Leistungen der Ärzte und Psychotherapeuten damit nicht gelöst ist“, verwies Dirk Heinrich, Sprecher der Allianz der Ärzteverbände. Zahlreiche Vereinigungen und Verbände monierten, dass die neue Honorarvereinbarung essenzielle Forderungen der Ärzteschaft weiterhin nicht berücksichtige. 

„Die erzielte Honorarerhöhung ist kein zufriedenstellendes Ergebnis“, rügte Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). Sie berücksichtige weder den Inflationsausgleich noch den Nachholbedarf aus den letzten zwei Jahren, in denen die Ärzte aufgrund der klammen Finanzsituation der Krankenkassen auf angemessene Honoraranstiege verzichtet hätten.

Honorarstreit: Ärzte und Kassen einigen sich

Im Streit um die Honorare für Vertragsärzte und –psychotherapeuten haben sich die Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (Spibu) heute in Berlin im Erweiterten Bewertungsausschuss geeinigt. Sie beschlossen ein Eckpunktepapier, das bis zu vier Prozent mehr Honorar für die bundesweit 150.000 Vertragsärzte und -psychotherapeuten vorsieht.

Anzeige

Dagegen bezeichnete der Vorsitzende des Hartmannbundes, Klaus Reinhardt, die Einigung als „unter kurzfristigen Gesichtspunkten akzeptabel“. Vor allem die Ausglie­derung psychotherapeutischer Leistungen aus der Gesamtvergütung sei ein wichtiger Strukturerfolg, der ohne das geschlossene Auftreten der niedergelassenen Ärzteschaft nicht denkbar gewesen wäre. „In diesem Sinne müssen wir nun auch gemeinsam und über alle Fachgruppen hinweg unsere langfristigen Ziele verfolgen“, sagte Reinhardt. Denn grundsätzliche Probleme wie das Fehlen fester Preise oder nach wie vor unbezahlte Leistungen seien auch mit der aktuellen Einigung nicht gelöst. Hier gelte es einen langen Atem zu bewahren und in der gemeinsamen politischen Arbeit nicht nachzulassen.

Trotz Einigung im Honorarstreit halten die Proteste an

Obwohl sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband am Dienstagabend auf ein Honorarplus von rund vier Prozent für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte geeinigt haben, sind in zahlreichen Städten Ärzte und Medizinische Fachangestellte (MFA) auf die Straße gegangen.

Die Kassenärztliche Vereinigungen Schleswig-Holstein (KVSH) und Brandenburg (KVBB) sehen die neue Honorarvereinigung auf dem richtigen Weg. Sie begrüßten, dass die Psychotherapeuten in Zukunft aus einem gesonderten Honorartopf bezahlt und die haus- und fachärztlichen Grundversorgung gestärkt werden solle. „Durch die Einigung lösen sich aber längst nicht alle Probleme in Wohlgefallen auf“, betonte KVSH-Vorsitzende Monika Schliffke. Es gebe weiterhin für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten keine Planungssicherheit. Ganz oben auf der Liste der zu lösenden Probleme stünde darüber hinaus der Abbau der Bürokratie, hieß es aus der KVBB.

Dagegen hält die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KVMV) die Einigung als „faulen Kompromiss“. „Damit wird es auch den Ärzten in Mecklenburg-Vorpommern nicht möglich sein, den Investitionsstau in ihren Praxen zu beheben und eine dringend notwendige Tarifanhebung für die Praxismitarbeiter durchzuführen“, kritisierte KV-Chef Wolfgang Eckert.

Bahr lobt Kompromiss im Honorarstreit

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) hat die Einigung von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband in den Honorarverhandlungen der letzten Wochen gelobt. „Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, sagte Bahr heute vor Journalisten in Berlin.

Auch aus Sicht des Medi-Verbundes ist die Einigung alles andere als ein Glanzstück ärztlichen Verhandlungsgeschick: „Das Ergebnis ist weit entfernt von Dr. Köhlers Forderungskatalog“, kritisierte Medi-Vorsitzender Werner Baumgärtner.  Er fragte sich, wie KBV-Chef Andreas Köhler angesichts dieses Verhandlungsergebnisses weitere Forderungen bei Politik und Kassen durchsetzen wolle.

Der Bayerische Hausärzteverband steht der Honorarvereinbarung ebenfalls eher skeptisch gegenüber: „Das wohl vereinbarte Mehr an Honorar für die Behandlung von chronisch kranken Patienten sowie für Leistungen im geriatrischen und palliativmedizinischen Bereich ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung“, unterstrich Verbandsvorsitzender Dieter Geis. Was davon jedoch letztlich in den Hausarztpraxen ankäme und ob damit die hausärztliche Medizin wirklich gestärkt werden könne, bleibe vorerst abzuwarten. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

9. Dezember 2019
Berlin – Mit Blick auf die Vergütungsvereinbarungen für 2020 hat die KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) am vergangenen Freitag in Berlin das Bundesversicherungsamt (BVA) heftig kritisiert. Das BVA übt die
Vertragsärzte üben heftige Kritik an Kassenaufsicht
22. November 2019
Berlin – Die Durchführung der Zystoskopie in urologischen Praxen ist eine zwingende Notwendigkeit. Das betonten heute die Arbeitsgemeinschaft leitende Krankenhausärzte sowie der Vorstand der Deutschen
Urologen wollen höhere Vergütung für Zystoskopie
14. November 2019
Neumünster/Berlin – Über die Vergütungsregeln für ambulant durchgeführte Tonsillotomien ist ein Streit entbrannt. Die operative Teilentfernung vergrößerter Gaumenmandeln kann unter den derzeitigen
Streit um Vergütung der ambulanten Tonsillotomie
8. November 2019
Berlin – Die Bundesregierung behält sich eine Veröffentlichung der sechs beauftragten Gutachten sowie des Abschlussberichts der wissenschaftlichen Kommission für ein modernes Vergütungswesen (KOMV)
FDP fürchtet „Geheimakt“ bei Kommission zur Honorarreform
8. November 2019
Weimar – Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Thüringen hat die Honorarverhandlungen für das kommende Jahr mit den Krankenkassen für gescheitert erklärt. Das gab die KV-Vorsitzende Annette Rommel auf
KV Thüringen erklärt Honorarverhandlungen für gescheitert
1. November 2019
Berlin – Von Januar bis März 2017 sind die Honorarumsätze der niedergelassenen Ärzte und psychologischen Psychotherapeuten um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. Im zweiten Quartal
Honorarumsätze der Niedergelassenen im ersten Halbjahr 2017
25. Oktober 2019
Berlin – Der Bundesvorsitzende des Virchowbundes, Dirk Heinrich, hat den Einstieg in die Entbudgetierung als den größten politischen Erfolg bezeichnet, den die Ärzteschaft in den vergangenen zehn
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER