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Medizin

Hämophilie: Blutungsrisiko durch Sport nur leicht erhöht

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Sydney – Viele Sportarten erhöhen bei Kindern und Jugendlichen mit Hämophilie die Gefahr einer Blutung. Das absolute Risiko war in einer Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 308: 1452-1459) aber so gering, dass ein Editorialist die Vorteile von sportliche Aktivität auf die Gesundheit höher einschätzt als die Risiken.

In der Ära vor Einführung der Gerinnungsfaktoren wurde Patienten mit Hämophilie jegliche sportliche Aktivität strengstens untersagt. Inzwischen wenden viele Patienten die Faktor VIII- oder IX-Präparate prophylaktisch an, die sie bei leichten Verletzungen vor Blutungen schützen sollen. Die Effektivität wurde in klinischen Studien belegt. Doch bedeutet dies, dass die Hämophilie-Patienten jetzt gefahrlos Sport treiben können?

Dieser Frage ist das Team um Carolyn Broderick von der Universität Sydney jetzt in einer Case-Crossover-Studie an 104 Patienten nachgegangen: 89 betrieben eine Prophylaxe, die anderen 15 infundierten die Gerinnungsfaktoren nur bei Bedarf. Broderick interviewte die Kinder zu 334 Blutungsepisoden. Dabei interessierten sie sich, ob die Kinder vor der Blutung Sport getrieben hatten.

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Dies war tatsächlich häufig der Fall: 30,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen hatten Basketball oder eine andere Aktivität der Kategorie 2 betrieben. Weitere 7 Prozent waren sogar an Aktivitäten der Kategorie 3 (z.B. Ringen) beteiligt. Die gleichen Aktivitäten hatten die Jungen im Alter von 4 bis 18 Jahren jedoch an zwei zufällig ausgewählten anderen Tagen betrieben.

Die Häufigkeit von Kategorie 2 betrug 24,8 oder 21,4 Prozent. Für die Kategorie 3 waren es 3,4 oder 4,6 Prozent. Dies ergibt nach den Berechnungen von Broderick ein signifikant um den Faktor 2,7 (Kategorie 2) oder 3,7 (Kategorie 3) erhöhtes Risiko, infolge der sportlichen Aktivität eine Blutung zu erleiden.

Absolute Risiko gering
Angesichts der hohen Morbidität (gefürchtet sind Gelenkversteifungen infolge häufiger Einblutungen) in die Gelenke, ließe sich leicht ein Sportverbot aus den Ergebnisse ableiten. Wie Broderick ausführt, ist das absolute Risiko für die einzelnen Kinder jedoch gering. Bei einem Kind mit 5 Blutungen pro Jahr, das pro Woche zweimal Sport der Kategorie 2 plus einmal Sport der Kategorie 3 betreibt, hätten vier von fünf Blutungen andere Ursachen, schreibt sie.

Auch die Editorialistin Marilyn Manco-Johnson vom Hemophilia and Thrombosis Center in Aurora, Colorado, möchte Kindern und Jugendlichen den Sport nicht kategorisch verbieten. Sie weist darauf hin, dass das Blutungsrisiko in der Studie von der Konzentration der Gerinnungsfaktoren im Blut abhängt: Jeder Anstieg des Faktorkonzentration um ein Prozent senkte dort das Blutungsrisiko um 2 Prozent. Manco-Johnson rät deshalb den Patienten, die Zeitpunkte der Substitution mit geplanten sportlichen Aktivitäten zu koordinieren. © rme/aerzteblatt.de

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