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Medizin

Kalorienlose Süßgetränke machen Kinder schlanker

Donnerstag, 11. Oktober 2012

dapd

Amsterdam/Boston – Süßgetränke sind eine wichtige, nach Ansicht von Ernährungs­experten aber unnötige Kalorienquelle für Kinder und Jugendliche. Eine randomisierte Studie zeigt jetzt, dass der Austausch gegen kalorienfreie Getränke die Gewichts­zunahme vermindern kann. In einer weiteren Studie konnten übergewichtige und adipöse Kinder das Körpergewicht durch den Verzicht auf kalorienhaltige Süßgetränke senken. Die Wirkung war allerdings nicht durchschlagend, was einer weiteren Studie zufolge an einer genetischen Prädisposition liegen könnte.

Süßgetränke gehören in den USA (und nicht nur dort) zum Lebensstil von Kindern und Jugendlichen (und auch anderer Altersgruppen). US-Kinder nehmen 15 Prozent der täglichen Kalorien über Süßgetränke zu sich – mit steigender Tendenz. Ernährungs­wissenschaftler betrachten die Süßgetränke deshalb als wesentliche Ursache der zunehmenden Adipositasepidemie, die nach den Erwachsenen auch die Kinder und Jugendlichen erfasst.

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Denn Süßgetränke machen in der Regel nicht satt. Janne de Ruyter von der Freien Universität Amsterdam und Mitarbeiter haben jetzt die Auswirkung der Süßgetränke auf das Körpergewicht in einer randomisierten Studie untersucht: Über 18 Monate wurden 641 normalgewichtige Grundschüler kostenlos mit Süßgetränken versorgt. Davon sollten sie täglich eine Dose (250 ml) trinken. An den Wochentagen geschah dies in den Schulpausen (und der Augen der Lehrer). Für das Wochenende erhielten sie zwei Dosen extra. Bei jedem zweiten Kind enthielt jede Dose 104 Kilokalorien, bei der anderen Hälfte waren die Getränke künstlich gesüßt.

Nicht alle Kinder folgten den Anweisungen. Insgesamt 26 Prozent stiegen vorzeitig aus, was ein gewisses Manko der Studie ist. Im Ergebnis zeigt sie jedoch, dass die kalorienreichen Getränke einen Einfluss auf die Gewichtsentwicklung der Kinder hatten: Die größtenteils altersbedingte Gewichtszuname wurde von 7,37 kg auf 6,35 kg begrenzt. Der Unterschied von 1 kg ist laut de Ruyter zu 50 Prozent auf Zunahme von Körperfett, zu 30 Prozent auf Muskelmass und zu 20 Prozent auf ein schnelleres Wachstum der Kinder zurückzuführen.

Ein Unterschied von einem Kilogramm mag gering erscheinen. Er wurde aber innerhalb von nur anderthalb Jahren erzielt, und ein durchschnittliches Kind in den USA nehme am Tag dreimal so viele Kalorien mit Süßgetränken zu sich, berichtet de Ruyter im New England Journal of Medicine (New England Journal of Medicine 2012; 367: 1397-1406).

Wenn die Kinder erst einmal übergewichtig sind, ist es schwer das Gewicht wieder zu reduzieren. Der Verzicht auf Süßgetränke erzielte in einer randomisierten Studie am Boston Children’s Hospital denn auch nur eine begrenzte Wirkung. An der Studie nahmen 224 Teenager der 9. und 10. Schulklasse teil, die zu zwei Drittel adipös und einem Drittel übergewichtig waren (Durchschnitts-BMI 31). Die Hälfte der Kinder erhielt über ein Jahr lang kostenlos kalorienfreie Süßgetränke frei Haus geliefert. Sie wurden instruiert, keine anderen Süßgetränke zu konsumieren. Zur Kontrolle wurden die Eltern monatlich befragt und dreimal inspizierte das Team vor Ort die Vorräte – was sicherlich keine lückenlose Kontrolle ist. Immerhin hielten aber die meisten Teenager bis zum Schluss durch.

Am Ende des ersten Jahres hatten sie weniger zugenommen als die Teilnehmer der Kontrollgruppe, die keine Freigetränke erhalten hatte. Der Gewichtsunterschied zwischen den beiden Gruppen betrug 1,9 kg. Ein Jahr später, in dieser Zeit gab es keine Freigetränke mehr, war der Unterschied bereits auf 0,8 kg geschmolzen.

Im primären Endpunkt der Studie, der Veränderung des BMI nach 2 Jahren, gab es keine signifikante Verbesserung, wie das Team um David Ludwig im New England Journal of Medicine (2012; 367: 1407-1416) berichtet. Eine Ausnahme bildeten lediglich die Kinder lateinamerikanischer Herkunft (Hispanics). Bei ihnen betrug der Gewichtsunterschied nach einem Jahr 6,4 kg und nach 2 Jahren sogar 8,8 kg.

Genetischer Einfluss
Die Ursache für den ungewöhnlichen Erfolg in der Gruppe der Hispanics ist unklar. Genetische Faktoren könnten aber eine Rolle spielen, wie eine Studie der Harvard School of Public Health in Boston im New England Journal of Medicine (2012; 367: 1387-1396) zeigt. Anhand der Daten der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-up Study bestätigte das Team um den Ernährungswissenschaftler Lu Qi zunächst die bekannte Assoziation zwischen dem Konsum von Süßgetränken und einem Anstieg des BMI.

Sie kann weiter zeigen, dass die Assoziation einem genetischen Einfluss unterliegt. In den letzten Jahren waren in genomweiten Assoziationsstudien 32 Risikogene entdeckt worden. Die Analyse von Qi ergab, dass der Einfluss der Süßgetränke auf den BMI umso stärker ist, je mehr Risikogene vorliegen.

Diese Ergebnisse konnten dann in einer weiteren Kohorte (Women’s Genome Health Study) bestätigt werden. Die Befunde erklären möglicherweise, warum einige Menschen trotz hohem Konsum von Süßgetränken nicht zunehmen, während die unnötigen Kalorien bei anderen bevorzugt im Fettgewebe gespeichert werden. © rme/aerzteblatt.de

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