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Medizin

B-Vitamine können Darmkrebs nicht vorbeugen

Montag, 15. Oktober 2012

Vitamin B6 ©pa

Boston – Die Therapie mit den Vitaminen B6, B12 und Folsäure hat in einer US-Studie die Zahl der kolorektalen Adenome, eine Darmkrebsvorstufe, nicht gesenkt. Die Auswer­tung im Journal of the National Cancer Institute (2012; doi: 10.1093/jnci/djs370) liefert deshalb – erneut – keinen Hinweis auf einen Krebsschutz durch Vitamine.

Die Hoffnung, dass Vitamine vor Krebs schützen können, haben sich bisher nicht erfüllt. So kam 1994 eine finnische Studie zu dem Ergebnis, dass Betacarotin, eine Vorstufe von Vitamin A, das Lungenkrebsrisiko von Rauchern erhöht, statt sie vor dem Tumor zu schützen (NEJM 1994; 330: 1029-1035). In der SELECT-Studie wurde für Vitamin E ein erhöhtes Sterberisiko am Prostatakarzinom  nachgewiesen (JAMA 2011; 306: 1549-1556). Eine Meta-Analyse zeigt für Menschen, die aus Gesundheitsbewusstsein Vitamin A und E oder Beta-Carotin einnahmen, eine höhere allgemeine Sterblichkeitsrate (JAMA 2007: 297: 842-57).

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Da ist es fast schon ein Erfolg, dass die aktuelle Auswertung der Women's Antioxidant and Folic Acid Cardiovascular Study (WAFACS) nicht erneut auf ein erhöhtes Krebsrisiko aufzeigt. Die WAFACS hatte zwischen 1993 und 2006 ursprünglich die Auswirkungen von Vitaminen auf das Herzkreislaufrisiko untersucht.

Nach dem Abschluss mussten die Autoren einräumen, dass die erhoffte protektive Wirkung ausgeblieben war (Archives of Internal Medicine 2007; 167: 1610-1618). Spätere Analysen zeigten, dass die Vitamine C, E und Betacarotin keinen Einfluss auf das Krebsrisiko oder die Krebssterblichkeit hatten (JNCI 2009; 101: 14-23). Das traf auch auf die Kombination von Folsäure mit Vitamine B6 und B12 zu (JAMA 2008; 300: 2012-2021). Diese Serie von Negativstudien wird jetzt von Shumin Zhang vom Brigham and Women’s Hospital in Boston fortgesetzt.

Von den 1.470 Teilnehmerinnen der WAFAC-Studien, bei denen nach durchschnittlich 9,2 Jahren eine Folgeendoskopie durchgeführt worden, hatten 24 Prozent Adenome. Diese Präkanzerose wurde allerdings bei den Frauen, die Placebo eingenommen hatten, genau so häufig gefunden, wie bei den Teilnehmerinnen, die langfristig Präparate mit den Vitaminen B6, B12 und Folsäure enthielten.

Auch der Konsum von Alkohol, der die Resorption von Folsäure aus dem Darm herabsetzt, hatte in der Studie keinen Einfluss auf die Bildung von Adenomen. Für Zhang gibt es deshalb keinen Grund B-Vitamine zur Prävention von Darmkrebs einzunehmen. © rme/aerzteblatt.de

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