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Politik

Migranten stehen im Gesundheitssystem oft vor großen Hürden

Dienstag, 16. Oktober 2012

dapd

Berlin – Türkische Migranten sind in Deutschland oft psychisch stärker belastet als die Durchschnittsbevölkerung. Außerdem nehmen Migranten manche psychosoziale Hilfsangebote in geringerem Maße wahr als Deutsche. Das sind zwei Ergebnisse des von der Volkswagen-Stiftung geförderten Forschungsprojektes zur Seelischen Gesundheit und Migration (SeGeMi).

Laut dem Statistischen Bundesamt hatte 2011 etwa jeder fünfte Bundesbürger einen Migrationshintergrund. Die Wissenschaftler haben bundesweit epidemiologische Daten zum seelischen Wohlbefinden von Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in deutscher und türkischer Sprache erfasst.

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Aus einem Vergleich mit dem aktuellen Bundesgesundheitssurvey des Robert-Koch-Institutes ergaben sich Hinweise auf eine erhöhte psychische Belastung bei Menschen mit türkischem Migrationshintergrund. Außerdem wurde deutlich, dass sich die Vorstellungen bei bestimmten psychischen Krankheitsbildern unterscheiden. Dabei spielten nicht nur kulturelle Unterschiede eine Rolle, sondern auch der Bildungs­hintergrund und die soziale Situation. Dies könne im Verlauf der Behandlung zu Missverständnissen führen, so die Wissenschaftler.

Die Studie zeigte ferner erneut die Bedeutung muttersprachlicher Angebote für die Gruppe der Menschen mit türkischem Migrationshintergrund auf. Dabei geht es offenbar nicht nur um das Sprachverständnis. Die befragten Migranten vermuteten auch ein besseres Einfühlungsvermögen bei Therapeuten mit derselben Muttersprache.

Laut den Wissenschaftlern sind längst nicht alle gesundheitlichen Versorgungs­ein­richtungen auf Migranten eingestellt, zum Beispiel ist oft nicht geregelt, wer die Kosten für die Dolmetscher übernimmt. 

Das Forschungsprojekt ist eine Kooperation zwischen der Charité Universitäts­medizin Berlin und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Leiter sind Andreas Heinz, Berlin, und Uwe Koch-Gromus, Hamburg. Ein weiterer Forschungsstandort ist die Marmara Universität Istanbul. © hil/aerzteblatt.de

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