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Medizin

Hepatitis C: Triple-Therapie führt fast immer zur „Ausheilung“

Dienstag, 16. Oktober 2012

Seattle – Bei der Hepatitis C deutet sich eine weitere deutliche Verbesserung der Therapieergebnisse an. Eine Kombination aus drei direkt wirksamen antiviralen Arzneistoffen (DDA) erzielte in einer Phase-II-Studie nach nur 12 Wochen bei fast allen Patienten eine anhaltende virologische Antwort (SVR). Dabei kam die Therapie völlig ohne Interferone aus, dem heutigen Standardmedikament.

Die langjährige Therapie aus pegyliertem Interferon plus Ribavirin erzielt bei dem in westlichen Ländern vorherrschenden Genotyp 1 des Hepatitis-C-Virus auch nach 48 Wochen Therapie nur bei jedem zweiten Patienten, der die Strapazen der Therapie zu ertragen bereit ist, eine SVR (Sustained Virological Response). Bei der SVR sind auch Monate nach Therapieende keine Viren mehr im Blut nachweisbar, was einer Heilung sehr nahe kommt. Die beiden ersten zugelassenen DDA (direct-acting antiviral agents) Boceprevir und Telaprevir, zwei Protease-Inhibitoren, hat die SVR-Rate auf etwa zwei Drittel angehoben, wenn sie mit Interferon und Ribavirin kombiniert werden.

Noch bessere Ergebnisse verspricht die Kombination mehrerer DDA mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen. Anfangs des Jahres erzielte die gleichzeitige Therapie mit dem NS5A-Inhibitor Daclatasvir und dem NS3-Protease-Inhibitor Asunaprevirein auch bei Versagern einer Interferontherapie häufig noch eine SVR (NEJM 2012; 366: 216-224).

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Für eine optimale Wirkung könnten jedoch, in Analogie zur Therapie der HIV-Infektion, drei Wirkstoffe erforderlich sein. Dies zeigt eine Studie, die im November auf der Jahrestagung der American Association for the Study of Liver Disease (AASLD) in Boston vorgestellt werden soll und deren Ergebnisse der Hersteller (bezeichnenderweise der Wirtschaftspresse) schon jetzt mitgeteilt hat.

In der Studie M11-652 („Aviator“) kamen der Protease-Inhibitor ABT-450, der NS5A-Inhibitor ABT-267 und der Polymerase-Inhibitor ABT-333 zum Einsatz. 571 nicht-zirrhotische Patienten mit chronischer Hepatitis C, darunter 133 Versager einer Interferontherapie (Null-Responder), wurden in verschiedenen Gruppen über 8, 12 und 24 Wochen behandelt. Dabei wurde die Therapie bei einigen Patienten mit Ribavirin kombiniert. Der Hersteller berichtet jetzt über die Ergebnisse in einem Therapie-Arm mit 124 Patienten (darunter 45 Null-Responder), die über 12 Wochen mit allen drei DAA plus Ribavirin behandelt wurden.

Die Ergebnisse waren nach Auskunft von Kris Kowdley von der University of Washington in Seattle exzeptionell: 99 Prozent der Therapie-naiven und 93 Prozent der Null-Responder erzielten eine SVR. Bis auf vier Patienten erhielten damit alle Patienten eine sehr gute Perspektive auf eine Ausheilung ihrer Virusinfektion.

Die Verträglichkeit scheint gut zu sein. Von den 448 Patienten sollen nur fünf schwere Komplikationen erlitten haben. Vier brachen deswegen die Therapie ab. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Abgeschlagenheit („fatigue“: 28 und 27 Prozent) und Kopfschmerzen (28 und 31 Prozent) bei den Therapie-naiven und den Null-Respondern. Die Publikation der Ergebnisse steht allerdings noch aus. Nicht selten kommt es hier zu Abstrichen gegenüber den Vorveröffentlichungen. Der Hersteller plant jetzt eine Phase-III-Studie zur Triple-Therapie, die einer Zulassung den Weg bereiten soll. © rme/aerzteblatt.de

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