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Medizin

Psoriasismedikament lindert Morbus Crohn

Donnerstag, 18. Oktober 2012

San Diego – Der Antikörper Ustekinumab, der seit Februar 2009 in Deutschland zur Behandlung der Psoriasis verfügbar ist, hat in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2012; 367: 1519-1528) die Krankheitsaktivität bei Patienten mit Morbus Crohn gesenkt, die nicht auf eine Therapie mit TNF-Antagonisten angesprochen hatten.

Seit einigen Jahren werden TNF-Blocker, die zunächst für die Behandlung der rheuma­toiden Arthritis eingeführt wurden, auch beim Morbus Crohn eingesetzt. Die entzündliche Darmerkrankung zählt wie die rheumatoide Arthritis zu den Autoimmunerkrankungen. Die klinischen Erfahrungen zeigen, dass die TNF-Blocker bei etwa einem Drittel der Patien­ten mit Morbus Crohn keine Wirkung erzielen. Bei einem weiteren Drittel kommt es nach einem anfänglichen Erfolg zum Wirkungsverlust. Der Wechsel auf einen anderen TNF-Blocker hat sich laut William Sandborn von der Universität von Kalifornien aus San Diego nicht bewährt, da er die Resistenz nicht umgeht.

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Sandborn leitete die erste größere Studie, die eine Alternative zu den TNF-Blockern untersucht hat. Als solche bietet sich der monoklonale Antikörper Ustekinumab an. Er bindet an den Zytokinen Interleukin 12 und Interleukin 23, die wie TNF-alpha am Entzündungsgeschehen beteiligt sind, aber eben an anderer Stelle. Präklinische Studien haben Sandborn zufolge sogar eine vermehrte Aktivität der beiden Zytokine beim Morbus Crohn gezeigt. Ustekinumab wurde ursprünglich zur Behandlung der Psoriasis entwickelt, die ebenfalls zu den Autoimmunerkrankungen gerechnet wird.

In der Phase-II-Studie wurde Ustekinumab jetzt in drei unterschiedlichen Dosierungen mit Placebo verglichen. Teilnehmer waren 526 Patienten mit mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn, die auf TNF-Hemmer nicht angesprochen hatten. Sie hatten 220 bis 450 Punkte auf dem Crohn’s Disease Activity Index (CDAI; Reichweite 0 bis 600).

Endpunkt der Studie war ein Abfall des CDAI um mindestens 100 Punkte, Response genannt, oder auf einen Wert unter 250, der als Remission gedeutet wurde). Eine Response wurde 6 Wochen nach der ersten Infusion von Ustekinumab (je nach Dosis) von 34,1 bis 39,7 Prozent der Patienten erreicht, ein signifikanter Vorteil gegenüber dem Placebo-Arm, wo 23,5 Prozent der Patienten eine Response erzielten.

Sinnvolle Erweiterung der Therapiemöglichkeiten
Von den Patienten, die auf die erste Infusion angesprochen hatten, wurde diese Response bei 69,4 Prozent nach weiteren Infusionen in der Erhaltungsphase aufrechterhalten (versus 42,5 Prozent, die mit Placebo weiter behandelt wurden). Bei immerhin 41,7 Prozent (versus 27,4 Prozent) der Patienten kam es sogar zu einer Remission. Für Sandborn ist Ustekinumab deshalb eine sinnvolle Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten beim Morbus Crohn.

Ein endgültiges Urteil wird sich nach dem Abschluss der laufenden Phase-III-Studien ergeben, die der Hersteller begonnen hat. Sie werden auch weitere Daten zur Sicherheit von Ustekinumab erheben. Wie bei allen Biologika kommt es zu einer deutlichen Immunsuppression: In der aktuellen Studie kam es bei 5 Patienten zu schweren Infektionen. Ein Patient erkrankte an einem Basaliom der Haut. Todesfälle, schwere opportunistische Infektionen, Tuberkulosen oder andere schwere Komplikationen sind laut Sandborn bisher nicht aufgetreten. © rme/aerzteblatt.de

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