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Medizin

Antibiotikum Linezolid bei XDR-Tuberkulose wirksam

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Bethesda – Das Antibiotikum Linezolid, das in Deutschland im Jahr 2001 zur Behandlung schwerer Infektionen mit resistenten grampositiven Bakterien eingeführt wurde, ist auch ein hoch wirksames Tuberkulostatikum. In einer Studie im New England Journal of Medicine (2012; 367: 1508-1518) wurden Patienten mit der gefürchteten XDR-Tuberkulose kuriert, bei denen sämtliche verfügbaren Medikamente versagt hatten.

Bei der XDR-Tuberkulose (für extensively resistant tuberculosis) sind die Erreger nicht nur gegen die langjährigen Standardmedikamente Rifampicin und Isoniazid resistent. Auch mindestens zwei Zweitlinienmedikamente sind wirkungslos, was die therapeutischen Möglichkeiten bei der Tuberkulose, die immer auf den Einsatz mehrerer Mittel angewiesen ist, extrem einschränkt. Für viele Patienten steht dann keine sicher wirksame Option mehr zur Verfügung. Diese Situation lag auch bei 41 Patienten aus Südkorea vor, um die sich ein Expertenteam um Clifton Barry vom US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda im US-Staat Maryland kümmerte.

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Die Mediziner versuchten es mit dem Reserveantibiotikum Linezolid, das auch in Deutschland häufig bei komplexen Resistenzen eingesetzt wird. Alle 41 Patienten litten seit mindestens 6 Monaten an einer Sputum-positiven XDR-Tuberkulose. Sie setzten in der Studie ihre bisherige Therapie fort. Zusätzlich erhielten sie Linezolid.

Resistente Tuberkulose: Große Herausforderung durch eine Weltepidemie

Anfang 2008 berichtete die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) über die unerwartet deutliche Zunahme medikamentenresistenter Tuberkulosefälle (1). Bereits bei 5 Prozent der weltweit mehr als 9 Millionen jährlichen Tuberkulose-Neuerkrankungen wird eine multiresistente Tuberkulose (multidrug-resistant tuberculosis, MDR-TB) angenommen.

Ein Placebo-Vergleich wäre ethisch nicht zu rechtfertigen. Deshalb wurde die Therapie bei einer Hälfte sofort und bei der anderen Hälfte mit einer Verzögerung um 2 Monate begonnen. In beiden Gruppen erzielte Linezolid eine durchschlagende Wirkung: Nach vier Monaten waren 15 von 19 Patienten (79 Prozent) mit sofortigem Therapiebeginn und 7 von 20 Patienten (35 Prozent) mit verzögertem Therapiebeginn ohne kulturellen Erregernachweis im Sputum. Nach 6 Monaten hatten 34 von 39 Patienten (87 Prozent) eine negative Sputumkultur. Barry bescheinigt diesen Patienten eine gute Chance auf eine endgültige Ausheilung der Tuberkulose.

Linezolid gehört allerdings nicht gerade zu den gut verträglichen Antibiotika. Zu den bekannten Risiken und Nebenwirkungen zählen eine Knochenmarksuppression sowie eine periphere und optische Neuropathie. Laut Barry kam es auch bei 31 Patienten (82 Prozent) zu klinisch signifikanten Nebenwirkungen, die sich aber nach einer kurzen Unterbrechung der Therapie oder einer Dosissenkung zumeist besserten. Nur 3 Patienten mussten die Therapie abbrechen. Eine Resistenz gegen Linezolid sei während der ersten 6 Monate der Therapie nur bei 4 von 38 Patienten (11 Prozent) aufgetreten, schreibt Barry. © rme/aerzteblatt.de

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