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Kritik an der Charité nach Tod eines Frühchens

Montag, 22. Oktober 2012

Berlin – Nach dem Tod eines Babys infolge einer Infektion in der Berliner Charité kritisieren Experten Verstöße gegen Hygienestandards. Der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, Klaus-Dieter Zastrow, sprach von Fehlern und „Schlamperei“. Nach Darstellung der Berliner Gesundheitsverwaltung werden die zuständigen Behörden prüfen, ob gesetzliche Vorschriften verletzt wurden.

Der schwer kranke Säugling ist offenbar in der Charité, wo er zunächst behandelt wurde, mit einem Darmkeim infiziert worden, wie eine Sprecherin des Klinikums am Samstag mitteilte. Anschließend wurde er im Deutschen Herzzentrum operiert und starb dort nach erfolgreichem Eingriff an einer Blutvergiftung. Die genaue Ursache sei noch offen. Es handelt sich nach Charité-Angaben aber nicht um multiresistente Keime, denen in Bremen im vergangenen Jahr mehrere Frühchen erlegen waren.

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Vor knapp zwei Wochen wurde am Campus Virchow der Charité eine Häufung sogenannter Serratien-Erreger festgestellt. Diese Bakterien gehörten nach Angaben der Sprecherin bei vielen Menschen zur Darmflora, stellten in der Regel kein Risiko dar und seien mit Antibiotika gut behandelbar. Bei Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr und bei extrem unreifen Frühgeborenen oder schwerstkranken Neugeborenen könnten sie allerdings Infektionen verursachen.

Für schnelle Bewertung zu früh
„Ob es nun Serratien oder andere Keime sind – wenn ordentlich desinfiziert wird, kann es keine Probleme geben“, sagte Zastrow der Berliner Morgenpost“ vom Sonntag. So eine Infektion sei „immer ein Hygienefehler und kein wundersames Unheil von oben“. Zastrow plädierte dafür, Mitarbeiter zu entlassen, wenn sie in einer Klinik bekanntermaßen regelmäßig gegen die Hygiene-Vorschriften verstießen.

Aus Sicht der Grünen ist es dagegen für eine voreilige Bewertung des jüngsten Falles zu früh. Jetzt müsse erst einmal alles getan werden, um ein weiteres Ausbreiten zu verhindern, sagte Gesundheitsexperte Heiko Thomas. Die Entstehung von Keimen lasse sich nicht verhindern. Es komme aber darauf an, wie mit ihnen umgegangen werde. Allerdings fordern auch die Grünen ein strengeres Hygienemanagement in Berliner Krankenhäusern.

Die Sprecherin der Gesundheitsverwaltung, Franciska Obermeyer, sagte, das Gesundheitsamt Mitte als zuständige Behörde werde prüfen, ob es Schwachstellen gegeben habe. Seit Juni gelte in Berlin eine Hygieneverordnung, die nach der Novellierung des Bundes-Infektionsschutzgesetzes erlassen wurde. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) hatte sich am Freitagabend bei einem Treffen mit allen beteiligten Seiten über den aktuellen Stand informiert. Der Senator nehme die Vorfälle „sehr ernst“ und lasse sich ständig unterrichten, sagte Obermeyer.

Schutzmaßnahmen eingeleitet
Nach der Feststellung eines gehäuften Keimbefalls am 8. Oktober leitete die Charité laut eigenen Angaben umgehend Schutzmaßnahmen ein und untersuchte alle Patienten der Neonatologie auf die Erreger. Der Zustand der sieben kranken Babys habe sich durch die Therapie stabilisiert und verbessert, sagte die Sprecherin. Bei weiteren 15 Frühchen wurde der Keim nachgewiesen, ohne dass es zu einer Erkrankung kam. Die Frühchen­stationen am Campus Mitte sind nicht betroffen.

Die Charité stoppte inzwischen die Aufnahme für zwei Frühgeborenenstationen am Virchow-Klinkum. Diese vorbeugende Maßnahme solle weitere Infektionen verhindern, sagte die Sprecherin. Das Gesundheitsamt sei umgehend durch die Krankenhaus­hygiene des Klinikums informiert und die kranken Patienten seien isoliert worden.

Unterdessen kämpfen der Berliner Morgenpost zufolge Ärzte der Charité um das Leben eines weiteren Kindes. „Der Zustand des Babys ist sehr besorgniserregend“, wird die Sprecherin der Charité, Stefanie Winde, zitiert. „Dem Kind geht es schlechter.“ © dapd/aerzteblatt.de

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Avatar #88255
doc.nemo
am Donnerstag, 25. Oktober 2012, 09:59

Entschuldigung

Sehr geehrter Herr Bayer,
wenn Sie mit Ihrem Posting noch etwas gewartet hätten, wüssten Sie jetzt, dass die Babyleiche nicht "verschwunden" ist sondern ordnungsgemäß bestattet wurde. Von Skandal und kriminell also keine Spur. Bestimmt freuen sich die Charité und Herr Zastrow über Ihre Entschuldigung.
Avatar #110206
kairoprax
am Mittwoch, 24. Oktober 2012, 18:05

Leiche des Charité-Kindes verloren?

Eben höre ich in den Nachrichten, daß die Kripo Berlin den Verlust der Babyleiche bekanntgegeben hat. Daraufhin habe ich diesen Text vom Montag noch einmal hergenommen.
Wieder an Herrn Zastrow gerichtet:

Sehr geehrter Herr Zastrow,
entweder Sie haben mit den Ausdrücken "Fehler und Schlamperei" stark UNTERtrieben, oder hier liegt nicht nur Schlamperei, sondern kriminelle Energie vor. Mit Verlaub, das gehört spätenstens ab jetzt nur noch in die Hände der Kripo.

Der Tod eines Frühgeborenen ist ohne Wenn und Aber traurig, aber würde noch zu den Lebenserfahrungen zählen. Das Verschwinden einer Leiche aber ist von einem ganz anderen Rang.

Ich bin innerlich unruhig geworden. Es geht nicht um das Renomée der Charité. Das ist so gut, daß man es nicht mit welchen Maßnahmen auch immer stützen bräuchte. Hier geht es um einen Vorgang, der im Gegenteil absolut "uncharitétisch" genannt werden muß.

Mit kritischem Wohlwollen,
Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
Avatar #98372
Thelber
am Montag, 22. Oktober 2012, 22:12

Lieber Herr Zastrow ...

,,, wenn Sie so vorgehen, dann fürchte ich, Sie finden keine Mitarbeiter mehr.

"Zastrow plädierte dafür, Mitarbeiter zu entlassen,"
LNS

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