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Suche nach den Ursachen für die Serratien-Infektion an der Berliner Charité läuft

Dienstag, 23. Oktober 2012

Berlin – Alle von den Serratien-Infek­tionen betroffenen Frühgeborenen  an der Berliner Charité sind wieder stabil. Sie hätten gut auf die antibiotische Thera­pie angesprochen, erklärte heute Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Vorwürfe, dass der Ausbruch der Infek­tion auf mangelnde Hygiene oder unzu­reichende personelle Ausstattung zurück zu führen sei, wies Frei zurück: „Das Personal auf den Stationen leistet eine hervorragende Arbeit“, sagte er. Der Pflege­personalschlüssel auf der Neugeborenen-Intensivstation läge zudem bei 2,8 bis 2,9 Personen pro Bett und befände sich damit in geforderten Bereich.

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Sehr unwahrscheinlich sei, dass die Keime durch mangelnde Desinfektionsmaßnahmen der Mitarbeiter auf der Station eingeschleppt wurden, bestätigte auch die Leiterin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Berliner Charité, Petra Gastmeier. Die Überwachung der Händedesinfektion auf der Frühchen-Station an der Charité hätte eine Compliance von 93 Prozent ergeben, betonte sie. Gänzlich auszuschließen sei jedoch eine Übertragung der Erreger aufgrund der extrem hohen Kontagiosität der Serratien nicht hundertprozentig.

Gastmeier schloss aber ebenfalls nicht aus, dass die Ursache für die Infektionen bei einem mit Serratien kontaminierten Waschmittel liegt, das mehrere Mütter benutzt hatten. Dies sei jedoch nicht an die Charité geliefert worden. Möglicherweise hätten es Mütter von zu Hause mitgebracht, was jetzt untersucht würde. Eine genetische Untersuchung des Serratien-Stammes fände bereits ebenfalls.

Bis die Suche nach der Ursache der Infektion abgeschlossen ist, bleiben die beiden betroffenen Neugeborenen-Stationen an der Charité und am Deutschen Herzzentrum in Berlin für Neuaufnahmen geschlossen. Die Serratien-Keime kommen in der Darmflora vor und stellen für gesunde Menschen in der Regel kein Risiko dar. Kritisch können die Erreger aber für Patienten mit geschwächter Immunabwehr oder extrem unreife Früh­geborene werden.

Auf den beiden Frühchen-Intensivstationen befinden sich nach Angaben des Direktors der Klinik für Neonatologie der Charité, Christoph Bührer, zurzeit noch sieben Frühchen mit Krankheitssymptomen, die wahrscheinlich durch Serratien-Keime ausgelöst wurden. Bei 15 weiteren Kindern seien Keime auf der Haut festgestellt worden. 40 Kinder seien ohne Keimbefall.

Auch das Gesundheitsamt des Bezirkes Mitte hat zur Ursache des Auftretens des Darmbakteriums Serratien in der Berliner Charité noch keine konkreten Anhaltspunkte. Es seien bereits Hunderte Proben genommen worden, sagte der Leiter des Ausbruchs­teams, Karl Schenkel, am Dienstag. In die Untersuchung der Umgebung der Patienten seien Wickeltische, Inkubatoren und auch Pflegemittel einbezogen worden. Bislang gebe es aber noch keine Hinweise.

Nach Angaben Schenkels haben Kontrollen ergeben, dass die Einhaltung der Hygiene­vorschriften auf den betroffenen Stationen der Charité und auch im Herzzentrum sehr gut sei. Dafür spreche unter anderem der hohe Verbrauch an Händedesinfektionsmitteln, betonte er. Um die Gefahr von Infektionen zu mindern, brauche es vor allem mehr Personal auf derart sensiblen Stationen.

Am vergangenen Samstag war bekannt geworden, dass Mitte Oktober ein Neugebo­renes an den Folgen einer Infektion mit Serratienkeimen gestorben ist. Das Kind war nach einer Behandlung am Campus Virchow-Klinikum der Charité im Deutschen Herz­zentrum in Berlin operiert worden. © ER/afp/dapd/aerzteblatt.de

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