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Medizin

Tod eines US-Teenagers: Wie sicher sind Energydrinks?

Mittwoch, 24. Oktober 2012

© dpa

Washington – In den USA hat in den letzten Jahren die Zahl zumeist jüngerer Erwach­sener zugenommen, die nach einer Überdosis Koffein aus Energydrinks in Notauf­nahmen behandelt werden mussten. Jetzt verklagt die Mutter einer Tochter, die nach dem Trinken größerer Mengen von „Monster Energy“ am plötzlichen Herzversagen gestorben ist, den Hersteller auf Schadenersatz. Die Anfrage ihrer Anwälte hat ergeben, dass der FDA weitere tödliche Zwischenfälle mit dem Getränk bekannt sind. Kanada plant nach einem früheren Todesfall mit einem anderen Energydrink den Koffeingehalt generell einzuschränken.

Energydrinks enthalten pro Dose oder Flasche zwischen 80 und mehr als 500 mg Koffein im Vergleich zu 100 mg in einer Tasse Kaffee und 50 mg in einer 0,33 Dose Cola. Viele Getränke enthalten weitere anregende Substanzen wie Taurin, die die Koffeinwirkung möglicherweise verstärken. Der Verkauf von Energydrinks ist in den letzten Jahren stark angestiegen. In den USA nahm der Umsatz allein in den Jahren 2004 bis 2009 um 240 Prozent zu.

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Die meisten Getränke werden von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen konsumiert, die auch Zielgruppe der Werbung sind, wie das Beispiel der Mio-Werbung in den USA zeigt. Das „Enhanced Water“ wird dem Trinkwasser als Geschmacks und Energiestoff zugefügt. Eine Flasche enthält 1.060 mg Koffein, das für 24 Gläser vorgesehen ist, aber nach Belieben dosiert werden kann.

Im November letzten Jahres schlug die Substance Abuse and Mental Health Services Administration (SAMHSA) Alarm. Nach eine Studie der Behörde, die dem US-Ge­sund­heits­mi­nis­terium unterstellt ist, hat sich die Zahl der Notfallaufnahmen, die von den Ärzten mit dem Konsum von Energydrinks in Verbindung gebracht wurden, zwischen 2005 und 2009 mehr als verzehnfacht (DAWN-Report).

Im Dezember 2011 starb dann im US-Staat Maryland ein 14-jähriges Mädchen. Es hatte über zwei Tage größere Mengen Monster Energy getrunken, das pro Dose 240 mg Koffein enthält. Die Gerichtsmediziner diagnostizierten als Todesursache eine kardiale Arrhythmie durch Koffeinintoxikation auf dem Boden eines vorbestehenden Herzleidens. Das Mädchen litt laut Medienberichten an einem Ehler-Danlos-Syndrom. Die autosomal-dominante vererbte Bindegewebserkrankung geht in einer „vaskulären“ Variante auch mit Herzklappenfehlern und anderen kardialen Komplikationen einher. Das Mädchen habe von der Erkrankung gewusst, hieß es. Die Ärzte hätten ihr aber den Genuss von Koffein nicht verboten.

Die Anwälte der Mutter, die in der letzten Woche Anklage erhoben, haben unter Beru­fung auf das „Freedom of Information Act“ erfahren, dass der US-Aufsichtsbehörde FDA in den letzten Jahren insgesamt fünf Todesfälle sowie ein nicht-tödlicher Herzinfarkt im Zusammenhang mit dem Konsum von Monster Energydrinks gemeldet wurden. Eine Sprecherin der Behörde bestätigte dies gegenüber den Medien, betonte aber, dass ein kausaler Zusammenhang derzeit nicht erwiesen sei. Der Hersteller bekräftigt in einer Pressemitteilung, dass seine Getränke für Gesunde unbedenklich seien.

In Kanada war 2008 ein 15 Jahre alter Teenager nach dem Konsum des Energydrinks Red Bull an einem plötzlichen Herztod gestorben. Kanada plant, die Koffeinmenge in Energy-Getränken ab Ende 2012 auf 180 mg pro Dose zu beschränken. Nach einer Meldung der französischen Nachrichtenagentur AFP hat die dortige Gesundheits­behörde ANSES im Juni 2012 Ermittlungen wegen Monster Energy eingeleitet. Es seien mehrere Vorfälle im Zusammenhang mit dem Getränk gemeldet worden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sah 2009 kein gesundheitliches Risiko bei einem „bestimmungsgemäßen Verzehr“ von Energy-Drinks. Als unbedenkliche Tagesdosis sieht das BfR eine Portion pro Tag an. Die Behörde zitiert dann allerdings eine längere Reihe von tödlichen oder beinahe tödlichen Fallbeispielen aus der Literatur. © rme/aerzteblatt.de

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