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Medizin

MRSA: Nähe zu Farmen könnte Infektionsrisiko steigern

Mittwoch, 24. Oktober 2012

dpa

Amsterdam – Menschen, die in der Nähe von Viehmastanlagen leben, haben möglicherweise ein erhöhtes Risiko, sich mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) zu infizieren. Dies geht aus einer Untersuchung aus den Niederlanden in Emerging Infectious Disease Journal (2012; 18: 1841-1849) hervor.

Bis Ende der 1990er Jahre waren MRSA weitgehend auf Krankenhäuser beschränkt, wo sie durch den häufigen Einsatz von Antibiotika selektioniert wurden. Seither ist der Anteil dieser Hospital-acquired- oder HA-MRSA gesunken, während die außerhalb der Kliniken erworbenen community-acquired oder CA-MRSA häufiger wurden. Eine Variante sind die livestock associated- oder LA-MRSA, die ursprünglich nur in Viehmastanlagen beobachtet wurden.

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Dort sind heute nicht wenige Tiere mit LA-MRSA infiziert. Sie erkranken zwar selten, doch eine Übertragung auf den Menschen wird seit einiger Zeit als latente Gefahr diskutiert. Als gefährdet wurden bisher nur Personen eingestuft, die in Ställen oder Schlachtanlagen arbeiten. Die Erreger werden aber zunehmend auch in der Nasenschleimhaut von Personen nachgewiesen, die keinen direkten Kontakt zu den Tieren hatten.

Zu diesem Ergebnis kommt auch das Team um Jan Kluytmans von der Freien Universität Amsterdam, der in einer Fall-Kontroll-Studie 27 Personen mit LA-MRSA im Abstrich 60 Personen mit anderen MRSA-Varianten gegenüberstellte. Von den 27 Personen mit LA-MRSA hatten 12 keinen Kontakt mit den Tieren gehabt. Sie wohnten aber überwiegend in Regionen des Landes, in denen sich viele Viehmastanlagen befinden. Eine Verdopplung der Schweinedichte in der Region war nach den Berechnungen von Kluytmans mit einem Anstieg der LA-MRSA um 25 Prozent assoziiert. Für Rindermastbetriebe ermittelte Kluytmans sogar einen Anstieg um 77 Prozent, für die Kälberzucht um 24 Prozent.

Wie es zur Übertragung kommt, ist unklar. Neben anderen Haustieren als „Zwischenwirt“ halten sie eine Übertragung über die Luft oder über Abfälle für vorstellbar. Auch über mit MRSA kontaminierte Rohfleischprodukte könnte der Erreger verbreitet werden.

Da Erkrankungen mit LA-MRSA zunehmen – in den Niederlanden entfielen 2010 bereits 40 Prozent der MRSA auf LA-MRSA – drängen sich Vorsichtsmaßnahmen auf. In den Niederlanden werden seit 2006 alle Mitarbeiter von Farmen im Fall einer Hospitalisierung auf MRSA gescreent. Kluytmans regt jetzt an, diese Maßnahme auf alle Einwohner ländlicher Regionen mit einer hohen Dichte an Mastbetrieben auszudehnen. Betroffen wären in den Niederlanden vor allem die südöstlichen Provinzen, die ein Zentrum der Viehzucht sind. © rme/aerzteblatt.de

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