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Medizin

Erstmals Drei-Personen-IVF beim Menschen gelungen

Donnerstag, 25. Oktober 2012

dpa

Portland – US-Forscher haben erfolgreich menschliche Eizellen befruchtet, deren Zellkerne sie zuvor aus anderen Eizellen entnommen hatten. Die Erfolgsrate dieser Spindel-Transfer genannten Variante der In-vitro-Fertilisation (IVF) war der Publikation in Nature (2012; doi: 10.1038/nature11647) zufolge zwar gering. Die Embryonen wiesen keine offensichtlichen Defekte auf, sie wurden aber noch nicht in den Uterus transferiert. Die neue Methode dürfte auf ethische Bedenken stoßen, da die Embryonen drei gene­tische Eltern haben. In Großbritannien wird aber über eine Genehmigung der neuen IVF-Methode diskutiert, die die Weitergabe mitochondrialer Gendefekte vermeiden könnte.

Mitochondrien enthalten ihre eigene Erbsubstanz. Sie befindet sich in den Organellen im Zytoplasma, das bei einer natürlichen Befruchtung immer von der Mutter auf das Kind weitergegeben wird. Genetische Defekte der Mitochondrien sind relativ selten. Schätzungs­weise eines von 5.000 bis 10.000 Kindern wird mit einer Mitochondriopathie geboren, die in der Regel die Energieversorgung der Zellen betrifft. Dies kann einen Diabetes, Taubheit, Sehstörungen sowie intestinale oder kardiale Erkrankungen zur Folge haben, für die es in der Regel keine Behandlungsmöglichkeit gibt.

Wenn eine Frau mit einer Mitochondriopathie einen Kinderwunsch hat, vererbt sie die Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter. Um dies zu verhindern, haben Shoukhrat Mitalipov von der Oregon Health & Science University in Portland und Mitar­beiter den Spindel-Transfer entwickelt. Dabei wird im ersten Schritt der Zellkern aus einer unbefruchteten Eizelle der Patientin entnommen.

Der Zellkern mit den mütterlichen Chromo­somen wird dann in die Eizelle einer gesunden Eizellspenderin transferiert, deren Zellkern zuvor entfernt und verworfen wurde. Die Donorzelle enthält dann die chromoso­male DNA der Patientin und die mitochondriale DNA der Eizellspenderin. Nach der an­schließenden künstlichen Befruchtung kommt noch die chromosomale DNA des Vaters hinzu. Das ergibt drei genetische Eltern.

Vor drei Jahren hat Mitalipov die Technik erfolgreich bei Primaten (Macaca mulatta) getestet. Die vier damals ausgetragenen Affenbabys entwickelten sich normal. Auch die Laborparameter würden auf keine Störungen hinweisen, versichert Mitalipov in der aktuellen Publikation. Die Tiere seien gesund und heute 3 Jahre alt.

In der Zwischenzeit ist dem Team der Spindel-Transfer auch am Menschen gelungen, die Erfolgsrate war hier jedoch geringer. Bei 65 Versuchen (an Eizellen von sieben Frauen) kam es nur viermal zur Entwicklung von Embryonen, die sich normal entwickelten. Deren Stammzellen enthielten der Studie zufolge nur sehr geringe Spuren der mütterlichen mitochondrialen DNA, so dass der Spindel-Transfer die Vererbung von Mitochondrio­pathie mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindern würde. Beweisen können die Forscher dies allerdings nicht, da keines der Embryonen in den Uterus transferiert und ausgetragen wurde. Hierfür haben die US-Forscher keine Erlaubnis erhalten.

Diese könnte demnächst erstmals in Großbritannien erteilt werden. Dort experimentiert das Team um Mary Herbert an der Universität Newcastle an einer anderen Variante des Spindel-Transfers. Dabei wird die Eizelle zunächst befruchtet, um danach den Zellkern in eine andere Eizelle zu transferieren, deren Zellkern entfernt und verworfen wurde. Die Human Fertilisation & Embryology Authority (HFEA) prüft derzeit, ob das Verfahren zugelassen werden soll. Die Öffentlichkeit kann sich auf einer Website an der abseh­baren ethischen Debatte beteiligen. © rme/aerzteblatt.de

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