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Medizin

Vorhofflimmern: Radiofrequenz­ablation und Medikamente (zunächst) gleichwertig

Freitag, 26. Oktober 2012

Aarhus – Viele kardiologische Zentren bieten heute ihren Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern eine Radiofrequenzablation als erste Wahl an. Eine randomisierte klinische Studie im New England Journal of Medicine (2012; 367: 1587-1595) zeigt jetzt aber, dass die Therapie nicht ohne Risiken ist. Vorteile waren frühestens nach 2 Jahren erkennbar.

Die Radiofrequenzablation verspricht eine dauerhafte Beseitigung des Vorhofflimmerns. Doch die Therapie ist invasiv und nicht gefahrlos. Bei der Katheterisierung kann der Herzmuskel verletzt werden. Es können sich auch Thromben bilden, die als Embolus einen Schlaganfall auslösen.

Dass dies kein rein theoretisches Risiko ist, zeigte sich auch in der MANTRA-PAF-Studie der dänischen Herzgesellschaft (Hjerteforeningen), die erstmals in einer größeren Gruppe die Radiofrequenzablation mit der medikamentösen Therapie verglich. An der Studie nahmen 294 überwiegend männliche Patienten im Alter unter 70 Jahren teil, bei denen erstmals ein therapiebedürftiges paroxysmales Vorhofflimmern diagnostiziert worden war. Keiner der Patienten war vorbehandelt.

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Wie Jens Cosedis Nielsen von der Universität Aarhus und Mitarbeiter berichten, kam es bei einem von 146 Patienten zu einem tödlichen Schlaganfall, drei weitere Patienten erlitten eine Herztamponade, die sie aber überlebten. Die Teilnehmer im Medikations-Arm der Studie mussten dagegen „nur“ die Nebenwirkungen der Antiarrhythmika der Klasse IC oder III ertragen. Die vier Todesfälle in diesem Arm standen nach Einschätzung von Nielsen nicht mit der Medikation in Verbindung. Auch zwei weitere Todesfälle im Radiofrequenzablation-Arm waren wohl nicht therapiebedingt.

Das erhöhte periprozedurale Risiko der Radiofrequenzablation sollte im Idealfall durch eine verminderte Krankheitslast („Burden“) infolge des Vorhofflimmern aufgehoben werden. Als Endpunkt wählten die Mediziner die Dauer der Vorhofarrhythmien im Langzeit-EKG, das nach 3, 6, 12, 18 und 24 Monaten abgelesen wurde. Bei den ersten vier Untersuchungen konnte Nielsen hier keinen Vorteil für die Radiofrequenzablation feststellen.

Erst bei der letzten Untersuchung nach 24 Monaten war der Burden niedriger: 85 Pro­zent der Patienten waren ohne Vorhofflimmern gegenüber 71 Prozent unter der medika­mentösen Therapie. Hinzu kommt, dass bei 36 Prozent der zunächst mit Medika­menten behandelten Patienten doch noch eine Radiofrequenzablation durchgeführt worden war, während nur 9 Prozent der Patienten nach Radiofrequenzablation weiterhin Antiarrhyth­mika benötigten.

Der Editorialist William Stevenson vom Brigham and Women’s Hospital in Boston weist darauf hin, dass die Patienten der Studie mit im Durchschnitt 56 Jahren relativ jung waren und das Komplikationsrisiko der Radiofrequenzablation mithin niedrig. Junge Patienten werden von vielen Zentren bevorzugt, aber laut Stevenson ist derzeit noch unklar, ob die Therapie tatsächlich eine lebenslange Lösung ist.

Unklar ist auch, ob die frühzeitige Ablation eines paroxysmalen Vorhofflimmerns das Fortschreiten zum chronischen Vorhofflimmern verhindern kann. Weitere Erkenntnisse erwartet Stevenson von der CABANA-Studie des US-National Heart, Lung, and Blood Institute (NHLBI), an der 3000 Patienten teilnehmen. Erste Ergebnisse werden nicht vor 2015 vorliegen. © rme/aerzteblatt.de

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