Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Weniger „Tropenerkrankungen“ in Deutschland

Montag, 29. Oktober 2012

Berlin – Auch in Deutschland erkranken jedes Jahr Menschen an Malaria, Dengue-Fieber und anderen Tropenkrankheiten. Erworben werden die Infektionen jedoch in aller Regel auf Reisen im Ausland. Trotz einer Zunahme der Fernreisen ist die Situation aber alles andere als bedrohlich, wie ein Bericht im Epidemiologischen Bulletin zeigt.

Die häufigste Tropenerkrankung war im letzten Jahr die Malaria. Dem Robert-Koch-Institut wurden insgesamt 562 Erkrankungen bekannt Nur eine Erkrankung endete tödlich: Eine 73-jährige Frau deutscher Herkunft hatte sich bei einem Aufenthalt in Mali infiziert. Im Vergleich zu den Vorjahren hat es keine Zu- oder Abnahme der Malaria­erkrankungen gegeben.

Die meisten Personen haben sich in Westafrika und beim Besuch von Freunden und Bekannten infiziert. Aber auch Geschäftsreisende und Entwicklungshelfer sind gefährdet, wenn sie abseits der großen Städte im Einsatz sind. Aus Europa ist die Malaria übrigens weitgehend verschwunden. Aus der Europäischen Region der WHO wurden 2011 nur noch 102 lokal erworbene Malaria-Fälle aus fünf Staaten (Aserbaidschan, Georgien, Tadschikistan, der Türkei und Griechenland) gemeldet. 1995 waren es noch mehr als 90.000.

Die zweithäufigste Tropenerkrankung war die Shigellose. Streng genommen ist sie keine Tropenerkrankung, da die Übertragung fäkal-oral von Mensch zu Mensch erfolgt, also auch in Deutschland möglich ist. Tatsächlich wurde fast die Hälfte aller 679 im letzten Jahr bekannt gewordenen Shigellosen in Deutschland erworben. Unklar ist allerdings, ob es sich um autochthone Fälle handelt oder ob die Patienten sich bei Personen infiziert haben, die sich in Ausland angesteckt haben. Epidemien gibt es in Deutschland jedenfalls nicht. Die größte Häufung betraf 5 Familienmitglieder, die gemeinsam die Kapverdischen Inseln besucht hatten.

Auch wenn das Dengue-Fieber in vielen tropischen und subtropischen Regionen zunimmt, ist die Zahl der nach Deutschland importierten Erkrankungen gering. Dem Robert-Koch-Institut wurden 288 Fälle gemeldet, nur halb so viele wie im Vorjahr. Bei jährlich 3 Millionen Reisenden in potenzielle Risikogebiete entspricht dies einer Inzidenz von knapp 10 Fällen pro 100.000 Reisenden. Da die Erkrankung jedoch häufig milde verläuft, geht das Robert-Koch-Institut von einer Dunkelziffer aus.

Andere Tropenerkrankungen mit klangvollen Namen sind in Deutschland selten: An Typhus erkrankten im letzten Jahr 59 Menschen (die meisten nach einem Indienaufenthalt), beim Paratyphus gab es 57 Erkrankungen (ebenfalls zumeist in Indien erworben). Brucellose (24 Erkrankungen, davon 11 in Deutschland erworben), Chikungunya-Fieber (13 Fälle), Leishmaniose (10 Fälle) sind sehr selten, aber nicht unmöglich: Neben vier Cholera-Infektionen (Indien, Pakistan, Dominikanische Republik) wurden auch 3 Trichinellosen registriert. Ein Patienten hatte sich auf einer Jagdreise in Kanada infiziert.

Der erlegte Eisbär war ohne vorherige fachkundige Fleischbeschau verzehrt worden. Auch die Lepra wurde letzten Jahr zweimal in Deutschland diagnostiziert: Ein Mann hatte bis vor drei Jahren in Brasilien gelebt, der andere hatte sich vermutlich in Indonesien angesteckt. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

16. April 2018
Köln – Das Hilfswerk Ärzte ohne Grenzen startet eine Social-Media-Kampagne, um auf die vernachlässigte Krankheit Chagas aufmerksam zu machen. „Sechs Millionen Erkrankte weltweit, 12.000 Tote jährlich,
Chagas bedroht weltweit 75 Millionen Menschen
16. April 2018
Berlin/Abuja – In Nigeria sind der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) zufolge inzwischen 101 Menschen am Lassafieber gestorben. Darunter befänden sich etliche Pflegekräfte und Ärzte, die nicht
Zahlreiche Tote durch Lassafieber in Nigeria
13. April 2018
Berlin – Drei Deutsche haben sich bei Aufenthalten in Brasilien mit Gelbfieber angesteckt. „Nach 1999 sind dies die ersten deutschen Staatsbürger, von denen bekannt ist, dass sie an Gelbfieber
Gelbfieber bei deutschen Brasilien-Touristen
12. April 2018
Abuja – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) will bis 2026 fast eine Milliarde Menschen in Afrika gegen Gelbfieber impfen. Somit werde es ab dann auf dem Kontinent keine Gelbfieber-Epidemien mehr
WHO will eine Milliarde Menschen gegen Gelbfieber impfen
10. April 2018
Berlin – Die deutschen Forschungsaktivitäten zu vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases: NTDs) sind momentan sehr heterogen und zudem im internationalen Vergleich
Forschung zu vernachlässigten Tropenkrankheiten soll intensiviert werden
9. März 2018
Gießen – Das Land Hessen fördert in Gießen ein neues Zentrum gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten – die „Neglected Tropical Diseases“ (NTDs). 25 interdisziplinäre Arbeitsgruppen sollen darin neue
Neues Zentrum in Gießen gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten
2. März 2018
Berlin – Ein Einsatzteam deutscher Gesundheitsexperten hilft in Nigeria, um das Land im Kampf gegen einen Ausbruch des Lassafiebers zu unterstützen. Das teilten das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium und

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige