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Medizin

Ivermectin beseitigt Kopfläuse schneller

Donnerstag, 1. November 2012

Norfolk – Eine topische Behandlung der Kopfhaut mit Ivermectin, einem ursprünglich für die Tiermedizin entwickelten Mittel gegen Parasiten, hat in zwei randomisierten Studien Kinder schon nach wenigen Minuten von Kopfläusen befreit. Die Publikation im New England Journal of Medicine (2012; 367: 1687-1693) zeigt aber auch, dass ein Viertel der Kinder nach zwei Wochen bereits wieder infestiert war.

Ivermectin, ein Makrolid aus dem Bakterium Streptomyces avermitilis, ist in der Tiermedizin ein bewährtes Mittel gegen den Befall mit äußeren und inneren Parasiten. Beim Menschen wurde es zunächst zur Behandlung der tropischen Flusskrankheit eingesetzt. Es ist aber gegen alle klinisch bedeutsamen Fadenwürmer wirksam, die es oft bereits nach einer orale Einmaldosis abtötet.

Die Wirkstoffkonzentration im Blut reicht auch aus, um Kopfläuse zu vergiften, die Ivermectin bei ihren täglichen Blutmahlzeiten aufnehmen. Vor zweieinhalb Jahren konnten französische Dermatologen zeigen, das 95,2 Prozent aller Kinder (im Alter über 2 Jahren) 15 Tage nach der einmaligen Einnahme von Ivermectin (Dosis 400 µg/kg) frei von Läusen waren (NEJM 2010; 362: 896-905).

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Eine orale Therapie erscheint vielen Dermatologen jedoch als „Overkill“ angesichts der Besiedlung der Kopfhaut mit harmlosen Insekten. Denn Kopfläuse übertragen keine Krankheitserreger – sieht man einmal von der sehr seltenen Möglichkeit einer Über­tragung von Bartonella quintana, dem Erreger des Fünf-Tage-Fiebers ab – und der Blutverlust dürfte auch zu vernachlässigen sein.

In aller Regel wird deshalb eine topische Therapie der Pediculosis capitis angestrebt. Nachdem die Läuse zunehmend resistent gegen Pyrethroide sind, Lindan keinen guten Ruf hat und ebenso wie Malathion leicht entflammbar ist, hat es die US-Firma Topaz Pharmaceuticals (inzwischen von Sanofi-Pasteur übernommen) mit einer Lotion versucht, die als Wirkstoff Ivermectin in der Konzentration von 0,5 Prozent enthält.

Die Anwendung der seit Februar 2012 in den USA (nicht aber in Deutschland) zugelassenen Lotion ist einfach. Der Inhalt einer Tube wird auf die trockene Kopfhaut gerieben und bereits nach 10 Minuten mit Wasser ausgespült. Die Therapie ist nach den von David Pariser von der Eastern Virginia Medical School in Norfolk mitgeteilten Ergebnissen äußert effektiv. Bei einer Kontrolle am nächsten Tag waren 95 Prozent der Kindern im Alter ab 6 Monaten läusefrei. In einer Vergleichsgruppe, in der statt Ivermectin nur wirkstofffreie Lotionen angewendet wurde, waren nur 31 Prozent läusefrei.

Dieser kurzfristige Erfolg wurde jedoch durch die beiden Nachuntersuchungen relativiert: Nach 8 Tagen waren nur 85 Prozent  und nach 15 Tagen nur noch 74 Prozent frei von Läusen. Das ist zwar immer noch deutlich mehr als in der Placebogruppe (21 und 18 Prozent), es weist aber darauf hin, dass die einfache und kurze Behandlung keinen Erfolg garantiert.

Die Ursache für die Rezidive ist unklar. Pariser hält es für möglich, dass die Wirkung von Ivermectin auf die in den Nissen heranwachsende nächste Generation nicht komplette ist. Ebenso ist es aber möglich, dass sich die Kinder bei Familienangehörigen oder Freunden erneut angesteckt haben. © rme/aerzteblatt.de

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