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Medizin

Makaken: Stammzell­transplantation erhält Zeugungsfähigkeit nach Krebstherapie

Freitag, 2. November 2012

dpa

Pittsburgh – Jungen, die durch eine Chemo- oder Radiotherapie unfruchtbar werden, könnten künftig dank einer autologen Transplantation von Spermatogonien wieder zeugungsfähig werden. In einer Studie in Cell Stem Cell (2012; 11: 715-726) ist dies bei Makaken gelungen.

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Erwachsene Männer können vor einer Chemo- oder Radiotherapie heute bereits Spermien kryokonservieren lassen, um sich einen späteren Kinderwunsch mittels In-vitro-Fertilisation (IVF) offen zu halten. Knaben vor der Pubertät steht diese Option nicht offen. Ihr Hoden produziert noch keine Spermien. Die Stammzellen für die spätere Spermienproduktion, die Spermatogonien, sind jedoch vorhanden.

Die Idee, Jungen durch die Entnahme dieser Stammzellen die Zeugungsfähigkeit zu bewahren, ist nicht neu. Die hohe Produktivität der Spermatogonien (bis zu 100 Millionen Spermien pro Tag) lässt eine autologe Transplantation auch erfolgreich erscheinen. Bei Nagern ist dies bereits 1994 gelungen, es folgten erfolgreiche Versuche bei Ziege, Eber, Hund und Schaf. Nur bei Primaten verliefen die Experimente bisher erfolglos.

Das Team um Kyle Orwig vom Magee-Womens Research Institute in Pittsburgh haben jetzt bei Makaken mehr Glück gehabt. Die Forscher führten bei 18 erwachsenen und 5 präpubertären Tieren Biopsien des Hodens durch. Um an genügend Stammzellen zu gelangen, mussten sie bis zu 30 Prozent des Hodenparenchyms entnehmen. Die isolierten Spermatogonien kryokonserviert. Mehrere Wochen nach dem Ende einer sterilisierenden Chemotherapie mit Busulfan wurden die Stammzellen aufgetaut und in den kontralateralen Hoden injiziert. Die Injektion erfolgte unter Ultraschallkontrolle gezielt in die Rete testis. Dort sollten sich die Stammzellen ansiedeln und Spermien produzieren.

Dies gelang bei neun von zwölf erwachsenen Tieren und bei drei von fünf präpubertären Tieren, nachdem diese die Geschlechtsreife erlangt hatten. Das Ejakulat der Makaken enthielt Spermien, deren Herkunft aus den transplantierten Spermatogonien mittels einer Markierung mit einem Lentivirus gesichert ist. Die Spermienkonzentration war allerdings noch gering und vermutlich nicht ausreichend für eine Zeugung per Koitus.

Eine IVF war jedoch erfolgreich, wie die Forscher in einer Gruppe von weiteren Tieren zeigen konnten. Dort waren die Spermatogonien einem fremden Tier in den Hoden injiziert worden. Die Tiere wurden nach dieser allogenen Transplantation ebenfalls fruchtbar. Nach einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion entwickelte sich aus 81 von 85 befruchteten Eizellen ein Embryo. In 5 Fällen konnte eine Vaterschaft des Stammzellspenders eindeutig nachgewiesen werden.

Für Orwig ist damit der prinzipielle Beweis erbracht, dass eine autologe Stammzelltransplantation zur Wiedererlangung der Zeugungsfähigkeit auch beim Menschen möglich wäre. Eine Anwendung beim Menschen sei unmittelbar möglich. Offen ist allerdings noch, ob die Transplantation gleich im Anschluss an die Chemo- oder Radiotherapie noch im Kindesalter erfolgen sollte, oder man besser damit warte, bis die Kinder erwachsen sind und einen Kinderwunsch äußern. © rme/aerzteblatt.de

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